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NHL Tie Domi - The Albanian Assassin


Tie Domi war einer der härtesten Spieler der NHL-Geschichte: Seine 3515 Strafminuten sind die drittmeisten aller Profis. Aber bei aller Härte galt der Kanadier nie als unfairer Spieler und wurde bei seinen Clubs schnell zum Fan-Liebling.

Heute wollen wir uns einmal nicht einem der schillernden NHL-Stars widmen, sondern einem der harten Männer, die für das Grobe auf dem Eis zuständig sind. Tie Domi feiert seinen 42. Geburtstag. In 1020 NHL-Spielen der regulären Saison kassierte Domi 3515 Strafminuten und liegt damit auf dem dritten Platz der ewigen Rekordliste.

Domis Eltern waren aus dem damaligen Jugoslawien als Teil der albanischen Minderheit nach Kanada ausgewandert. Deshalb erhielt er auch später den Spitznamen "The Albanian Assassin", denn es wurde schon früh klar: Domi würde nicht für seine Eleganz und Torgefahr auf dem Eis berühmt werden, sondern für seinen unbändigen Kampfgeist und seinen Willen, schnell die Handschuhe fallen zu lassen.

Fan-Liebling Tie Domi

Aufgrund dieser Einstellung wurde er bei jedem seiner Clubs schnell zum Fan-Liebling. 1988 wurde er von den Toronto Maple Leafs gedraftet, absolvierte bei seinem ersten Aufenthalt in Toronto aber nur zwei Spiele - mit sagenhaften 42 Strafminuten. Danach ging es zu den New York Rangers, wo er 1991 in 28 Spielen 185 Strafminuten kassierte.

Die folgenden Jahre sah es ähnlich aus. In der Saison 1993 ging es für Domi zu den Winnipeg Jets, wo er zweieinhalb Jahre blieb und 1994 mit 347 Strafminuten einen neuen vorläufigen Karriere-Rekord aufstellte. Ein Jahr später führte sein Weg ihn zurück zu den Maple Leafs, wo er bis zum Ende seiner Karriere 2006 bleiben sollte.

Seine Rekordsaison absolvierte er 1998, als er 365 Strafminuten kassierte. Die meisten Punkte schaffte er 2003, immerhin 29 (15 Tore, 14 Assists). Domi, der sich auch als Kicker im Football versuchte und als Fußballer in der Canadian International Soccer League, machte sich durch einige unrühmliche Begebenheiten einen Namen.

Samuelsson ausgeknockt

Den ersten Zwischenfall gab es 1995, als Domi Ulf Samuelsson von den New York Rangers mit einem Sucker Punch niederstreckte und der Schwede danach an einer Gehirnerschütterung litt. Samuelsson, der in der NHL nicht gerade beliebt war, hatte Domi "Tie Dummy" genannt, was zu dessen Ausraster führte. Domi wurde mit einer Sperre von acht Spielen belegt und musste 26.000 Dollar Strafe zahlen.

Die Schwere der Strafe sorgte für Überraschung, Maple Leafs-Kapitän Doug Gilmour gab laut der New York Times an, dass die Toronto-Spieler regelrecht geschockt seien über die Härte der Strafe. Der Legende nach sollen 19 andere NHL-Spieler bereit gewesen sein, die Strafe für Domi zu zahlen.

Soviel zu Samuelssons "Beliebtheit" unter den NHL-Kollegen. Der Schwede hatte nur wenige Wochen zuvor eine Umfrage unter NHL-Profis mit Riesen-Abstand für sich entschieden, als es darum ging, wer der unpopulärste Spieler war.

Einen Fan aus dem Käfig geprügelt

Der bekannteste Zwischenfall ereignete sich 2001 in Philadelphia. Domi musste eine Zwei-Minuten-Strafe nach einem Kampf mit Luke Richardson absitzen und zeigte seinen Unmut damit, dass er aus seiner Flasche Wasser Richtung Flyers-Fans spritzte.

Ein Philadelphia-Anhänger versuchte, Domi die Flasche aus der Hand zu schlagen und fiel dabei in die Strafbox. Domis Teamkameraden beschrieben die Szene später, dass es gewesen sei, als wenn man im Zoo jemanden in den Löwen-Käfig fallen sehe.

"Wenn er hier hereinkommt, dann muss er auch den Preis dafür bezahlen", sagte Domi nach dem Zwischenfall. Der Fan musste mit einer Wunde am Kopf und Kratzern am Bein aus der Arena herausgeführt werden.

Domi gab später an, dass er in seiner Zeit als Spieler im Canadian Junior Hockey schon einmal mit dem gegnerischen Maskottchen unter ähnlichen Umständen eine Auseinandersetzung hatte. Die 1000 Dollar Strafe für den Zwischenfall musste Domi aber unseres Wissens nach selber bezahlen.

Bedauern über Niedermayer-Zwischenfall

Der wohl unrühmlichste Zwischenfall, der Domi später nach eigenen Angaben auch richtig Leid tat, ereignete sich in den Playoffs der Saison 2001 gegen die New Jersey Devils. Im vierten Spiel des Conference-Halbfinals zwischen den Devils und den Maple Leafs waren bei einer 3:1-Führung für die Kanadier nur noch wenige Sekunden zu spielen, als Domi - der bis dahin sein vielleicht bestes Playoff-Spiel gezeigt hatte - Scott Niedermayer mit dem Ellbogen bewusstlos niederstreckte.

"Das war wohl das Dümmste, was ich in meiner Karriere je gemacht habe", sagte Domi später über das Foul. Er wurde für den Hit für den Rest der Playoffs und die ersten acht Spiele der kommenden Saison gesperrt und musste tatenlos mit ansehen, wie seine Maple Leafs ausschieden.

Domi, der zwar als harter, aber nie als schmutziger Spieler galt, versuchte, sich telefonisch bei Niedermayer zu entschuldigen, doch der Devils-Star war zunächst nicht zu einer Entschuldigung bereit. Nach dem Ausscheiden der Maple Leafs im siebten Spiel fing Domi dann Niedermayer im Gang zwischen den Spielerkabinen ab, sagte ihm einige Worte und schüttelte ihm die Hand.

"Ich habe immer noch ein kleines Problem damit, was passiert ist", gab Niedermayer zu dem Gespräch an. "Aber ich muss ihm Respekt zollen, dass er versucht hat, mich anzurufen. Und hier so zu mir zu kommen und mir die Hand zu geben, das muss man respektieren. Er fragte mich, wie es mir gehe und dass er wünschte, dass es niemals passiert sei."

Tie Domi als Vorbild

2006 war dann Schluss für Domi bei den Maple Leafs, sein Vertrag wurde nicht noch einmal verlängert. Der nun 36-Jährige konnte sich nicht vorstellen, noch eimal für ein anderes Team als die Leafs aufzulaufen und gab das Ende seiner Karriere bekannt.

"Er passte auf mich auf und das werde ich ihm mit Sicherheit für den Rest meines Lebens nicht vergessen", sagte Leafs-Superstar Mats Sundin cbc.ca. Der Schwede hatte noch versucht, die Club-Offiziellen zu überreden, Domi noch einen Einjahres-Vertrag zu geben.

Bei seiner Verabschiedung hatte der harte Mann, der es mit seiner relativ geringen Körpergröße von 1,78 Metern in seiner Karriere furchtlos mit wesentlich größeren und schwereren Gegnern aufgenommen hatte, mit den Tränen zu kämpfen. "Wenn jemand wie ich Profi-Spieler werden konnte, dann kann auch jedes andere Kind diesen Traum weiter träumen." Niemals hatte er sich Illusionen über sein Talent gemacht, aber vielleicht erklärte gerade das seine große Beliebtheit, wo auch immer er gerade gespielt hat.

Henning Schulz

sportal.de sportal

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