Patrik Sinkewitz Gezielt Doping-Kontrolleure ausgetrickst


Der geständige Dopingsünder und Kronzeuge Patrik Sinkewitz packt weiter aus. In einem Interview äußerte sich der Radprofi über die Praktiken der Freiburger Uni-Klinik und wie es beim Team T-Mobile zum Doping kam.

Was Eigenblut-Doping ist, habe er erst im Sommer 2005 mitbekommen, sagte Sinkewitz in einem "Spiegel"-Interview. Bei seinem ersten Treffen mit den Freiburger Ärzten Andreas Schmid und Lothar Heinrich im November 2005 habe er "konkret danach gefragt. Mir wurde gesagt, es sei möglich." Dennoch haben ihn die inzwischen suspendierten Ärzte des T-Mobile-Teams nie dazu getrieben und "nie gesagt, das müsse ich jetzt tun". Sinkewitz: "Die Initiative ging von mir aus." Er habe keinerlei Bedenken gehabt. "Es wurde mit meinem eigenen Blut gearbeitet - was sollte daran riskant sein?"

Das Dopen "gelernt" habe er von anderen Fahrern und Ärzten. "Von allen ein bisschen." Sinkewitz gab zu, mit verschiedenen verbotenen Mitteln betrogen zu haben. "Damals, das ist ja längst kein Geheimnis mehr, war es Epo, das einen vorwärtsbrachte. Dazu kamen Sachen wie Kortison oder Synacthen. Blutdoping kannte ich in den Jahren noch nicht."

Doping-Kontrolleure gezielt ausgetrickst

Die Doping-Kontrolleure habe er in seiner Zeit beim belgischen Quick-Step-Team (2003 bis 2005) gezielt ausgetrickst. "Wenn ich wusste, dass eine Dosis fünf Tage nachweisbar ist, habe ich sechs Tage vor dem Wettkampf aufgehört. Trainingskontrollen gab es damals kaum", sagte Sinkewitz, der bereits vom Bundeskriminalamt, der zuständigen Bonner Staatsanwaltschaft und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vernommen worden ist.

Sinkewitz erklärte im "Spiegel", wie es dazu kam, dass er am 8. Juni bei einer Trainingskontrolle erwischt worden ist. "Ich hatte zwei oder drei kleine Beutel eines Testosteron-Gels in meinem Portemonnaie stecken, jeweils 25 Milligramm." Einen Beutel habe er sich "am Abend des 7. Juni auf den Oberarm geschmiert, vorm Einschlafen. Die Verpackung habe ich in der Toilette weggespült." Er sei davon ausgegangen, dass die Menge zu gering für einen Nachweis sei.

Kronzeugenregelung soll bei Sinkewitz angewendet werden

Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" in seiner neuen Ausgabe berichtet, könnte sich die Kronzeugenregelung für den ehemaligen Quick-Step- und T-Mobile-Profi auszahlen: Die Bonner Ermittler wollen das Betrugsverfahren gegen Sinkewitz "nach dessen Beichte im September gegen eine fünfstellige Geldbuße einstellen". Nach Bekanntwerden seiner positiven Probe am 18. Juli war Sinkewitz suspendiert worden. Er will wieder Rennen fahren: "Ich kann gar nichts anderes."

DPA/tis DPA

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