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Petkovic sagt Australian Open ab: Geschockt, geschüttelt, berappelt

Die Australian Open finden ohne Andrea Petkovic statt. Die deutsche Nummer eins muss wegen einer Rückenverletzung passen.

Von Klaus Bellstedt

Andrea Petkovic ist eine ausgesprochen fröhliche junge Frau. Deutschlands beste Tennisspielerin postet auf ihrer Facebook-Seite gerne lustige Filmchen, die sie beim Tanzen (nicht nur auf dem Court) zeigt. Auf Twitter sind ihre Einträge meist genauso komisch. Dort frotzelt sie gegen ihre Mitstreiterinnen auf der Tour, zwitschert aber immer auch mal Geistreiches in die Welt. Wie sehr es die 24-Jährige die Laune vermasselt hat, davon konnten sich ihre Follower in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch überzeugen. "Es tut mir Leid, Euch mitteilen zu müssen, dass ich die Australian Open wegen eines Ermüdungsbruchs im unteren Rückenbereich absagen muss. Ich fliege jetzt nach Hause und werde meine 'Aussie Fans' vermissen." Um kurz vor 4 Uhr twitterte Petkovic diese beiden Sätze, die alle deutschen Tennis-Fans in eine Art Schockzustand versetzten.

Andrea Petkovic galt beim ersten Ternnis-Highlight des Jahres als die große deutsche Hoffnungsträgerin. Bei den Australian Open 2011 stürmte sie bis in Viertelfinale, schlug auf dem Weg dorthin unter anderem die große Maria Sharapova und legte Down Under den Grundstein für ein fulminantes Tennisjahr. Viele trauten ihr dieses Mal bei ihrem Lieblingsturnier im Melbourne Park sogar den ganz großen Wurf zu. Aber daraus wird nun nichts. Der Rücken, er machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Und wer Petkovic zuletzt beobachtet hatte, der musste fast schon damit rechnen.

Niederschmetternde Diagnose

Die Darmstädterin litt bereits seit einigen Monaten unter Beschwerden. Beim Turnier in Sydney wurden diese so stark, dass "Andrea nur 30 bis 45 Minuten schmerzfrei spielen konnte", wie jetzt ihr Management auf Anfrage berichtet. Am Dienstag war Petkovic in Sydney in der zweiten Runde an der Polin Agnieszka Radwanska gescheitert und hatte dort bereits während der Partie behandelt werden müssen. Schon beim ersten Turnier des Jahres in Brisbane schlug sich die deutsche Nummer Eins mit Rückenproblemen herum - dort scheiterte sie im Viertelfinale an der Estin Kaia Kanepi.

Nach der Niederlage gegen Radwanska unterzog sich Petkovic einer eingehenden Untersuchung. Dieser Check ergab dann die niederschmetternde Diagnose: Stressfraktur im unteren Rücken. "Das einzige, was ich jetzt machen kann, ist mich auszuruhen und zu hoffen, dass der Knochen so schnell wie möglich verheilt", sagte die Aufsteigerin der vergangenen Saison. "Die Ärzte haben gesagt, dass es sechs bis acht Wochen dauern kann, aber ich bin zuversichtlich, dass alles gut wird."

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einem Trio

Australien scheint für Andrea Petkovic mehr und mehr zu einem schicksalhaften Ort zu werden. Vor vier Jahren riss ihr bei den "Aussie Open" bereits nach zwei Minuten Spielzeit in der ersten Runde das Kreuzband. Im vergangenen Jahr dann folgte der Husarenritt und nun wieder eine Enttäuschung. "Hier gibt es für mich immer nur extreme Hochs oder extreme Tiefs - ich bin sehr enttäuscht, dass ich meine Fans in Australien dieses Mal nicht sehe. Aber ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Australian Open", fügte sie hinzu.

Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, das am kommenden Montag beginnt, ruhen nach der Absage von Andrea Petkovic die Hoffnungen des deutschen Damen-Tennis nun auf einem Trio: Sabine Lisicki, Julia Görges und Angelique Kerber. Alle drei sind gesetzt, aber Wunderdinge darf man vor allem von den beiden Erstgenannten nicht erwarten. Lisicki pausierte zuletzt mit einer Bauchmuskelverletzung. Görges lag mit einer Grippe flach. Umso mehr schmerzt das Aus von Andrea Petkovic. Es wird dauern, bis ihre Fans den "Petko-Dance", ihre geniale Tanzeinlage nach Siegen auf dem Court, wieder sehen können. Aber wer ihre Power und ihren Trainingsfleiß kennt, der weiß: Diese Frau wird zurückkommen - vielleicht so stark wie nie. Wie schrieb sie so schön auf ihrer Facebook-Seite? "Ich erhole mich jetzt und werde ein im wahrsten Sinne des Wortes 'Comeback' feiern."

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