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Prolog der Tour de France: "Geiles Ergebnis"

Sebastian Lang war nach dem Auftakt der Tour de France traurig: Nur um vier Sekunden schrammte er am Prolog-Sieg vorbei. Dennoch: Der Deutsche freute sich über ein gutes Rennen.

Nur vier Sekunden fehlte ihm zum Sieg: Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner ist zum Auftakt der vom Doping-Skandal überschatteten 93. Tour de France knapp am ersten Gelben Trikot vorbeigefahren. Beim 7,1 Kilometer langen Prolog durch die Innenstadt Straßburgs musste der deutsche Zeitfahrmeister am Samstag in 8:21 Minuten nur dem Norweger Thor Hushovd (8:17) und den Amerikanern George Hincapie und David Zabriskie den Vortritt lassen und wurde Vierter.

Überraschungssieger Hushovd feierte seinen insgesamt dritten Tour-Etappensieg. Der Sprinter aus Skandinavien, der im Vorjahr das Grüne Trikot eroberte, hat gute Chancen, sein Gelbes Trikot auf den kommenden Flachetappen zu verteidigen. David Millars Plan, sein Comeback mit dem Gelben Trikot zu krönen, schlug fehl. Der Schotte, der 8:31 Minuten brauchte, wäre als Sieger den Veranstaltern nach dem Doping-Erdbeben am Vortag wahrscheinlich auch ein Dorn im Auge gewesen. Die zweijährige Doping-Sperre gegen Millar war erst sieben Tage vor dem Tourstart abgelaufen.

Lang zittert um den Sieg

In Abwesenheit des in die Doping-Affäre verwickelten Jan Ullrich, der zusammen mit seinen Anwälten eine Verteidigungsstrategie ausarbeitet, brachte Lang eine starke Leistung. "Ich habe im Mannschaftsbus mitgezittert und die letzten Fahrer abgewartet. Das Gelbe bei der Tour - das wäre es gewesen. Ich ärgere mich jetzt schon ein bisschen, aber es ist trotzdem ein geiles Ergebnis", sagte der Etappen-Vierte aus Erfurt.

Die Atmosphäre beim Tourstart ließ nicht unbedingt darauf schließen, dass das größte Radrennen der Welt unter einer schweren Hypothek gestartet war. Neun Profis, unter ihnen mit Ullrich und Ivan Basso die Topfavoriten und ersten Kandidaten, die Erbfolge Lance Armstrongs anzutreten, wurden unter schwerem Doping-Verdacht ausgeschlossen. Das Publikum schien sich dafür aber nicht sehr zu interessieren. Am Straßenrand standen bei strahlendem Sonnenschein Hunderttausende und viele deutsche Fans forderten vor dem Teamwagen von T-Mobile Andreas Klöden auf, für Ullrich, der ursprünglich seinen zweiten Toursieg nach 1997 anpeilen wollte, in die Bresche zu springen: "Andreas - mach du es".

Drogenfreies Training

Langs Gerolsteiner Team hat bei der Rumpf-Tour, zu der am Samstag nur noch 176 Fahrer von der Startrampe rollten, beste Aussichten. Der Amerikaner Levi Leipheimer ist als Sechster des Vorjahres der am besten platzierte Fahrer der Tour 2005, der diesmal dabei ist. Der frühere Helfer von Armstrong fuhr am Samstag 8:26 Minuten. Bester der neuen Kandidaten für den Gesamtsieg war der spanische ProTour- Spitzenreiter Alejandro Valverde auf Rang fünf eine Sekunde hinter dem vor ihm platzierten Lang.

Für diesen einen Tag hatte Millar seit einem Jahr versessen und wie er bekannte "absolut drogenfrei" trainiert. Vor dem Tourstart im Team Saunier Duval gab er sich restlos geläutert: "Ich habe einen Riesenirrtum begangen und dafür schwer gebüßt. Mit Hilfe des englischen Verbandes habe ich gelernt, dass es auch ohne Doping geht. Dem Problem ist nur beizukommen, wenn mehr unangemeldete Kontrollen stattfinden."

Andreas Zellmer/DPA

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