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Radsport: Boonen positiv auf Kokain getestet

Tom Boonen vom belgischen Quick-Step-Team wurde die Einnahme von Kokain nachgewiesen. Da der Test allerdings nicht im Wettkampf durchgeführt wurde, hat Boonen keine Sperre zu befürchen. Der schilldernde Rad-Star wurde kürzlich auch noch mit einem weiteren Vergehen auffällig.

Gut drei Wochen vor Beginn der 95. Tour de France ist eine der schillerndsten Figuren der Branche offenbar in eine Drogen-Affäre verwickelt. Gegen Ex-Weltmeister Tom Boonen sind nach einem positiven Doping-Test auf Kokain am 25. Mai Ermittlungen eingeleitet worden. Das bestätigte am Dienstag Inge Delissen, die Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft der nordbelgischen Stadt Turnhout: "Ein Richter wird sich mit der Angelegenheit beschäftigen." Allerdings liegt kein Dopingfall vor, weil "Koksen" nur im Wettkampf geahndet und sanktioniert würde, wie der Radsport- Weltverband UCI mitteilte.

Trotzdem reagierten die Organisatoren der Tour de Suisse, bei der Boonen am Samstag in Langnau im Emmtal an den Start gehen sollte, prompt: Die Eidgenossen luden den populären Belgier aus, wie die Online-Ausgabe der "Gazzetta dello Sport" meldete.

Es läge keine Verletzung der sportlichen Regeln vor, erklärte UCI- Sprecher Enrico Carpani. "Drei Tage vor dem Wettkampf gilt als 'außerhalb des Wettkampfes'. Dieselben Ergebnisse einen Tag vor einem Rennen wären als positiver Doping-Test gewertet worden", sagte Carpani. Die Aussagen von Carpani, der deutlich machte, dass es sich um keine UCI-Kontrolle gehandelt habe, stützen sich auf die Anti- Doping-Bestimmungen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Der belgische Topsprinter und diesjährige Gewinner von Paris- Roubaix, der in seinem Land den Nimbus eines Popstars genießt, soll als nächstes am kommenden Samstag bei der Tour de Suisse starten. Sein belgisches Quick-Step-Team will nach Aussage seines Sprechers Alessandro Tegner in einer Pressemitteilung Stellung nehmen: "Wir arbeiten daran", sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 27 Jahre alte Weltmeister von 2005 mit Drogen in Verbindung gebracht wird. Im Dezember 2007 war Boonens Freund, der Crossfahrer Tom Vanoppen flämischen Dopingkontrolleuren mit Kokain ins Netz gegangen. Im Verhör nannte Vanoppen Boonen als seinen Dealer, was dieser später bestritt. Am Montag soll es im Haus von Boonens Eltern in Postel und in der Wohnung seiner Lebenspartnerin Lore in Meerhout Hausdurchsuchungen gegeben haben. Boonen wurde danach von der Polizei verhört, konnte dann aber wieder nach Hause gehen.

180 in der 90er Zone

In der vergangenen Woche musste der flämische Nationalheld, 2007 bei der Tour Gewinner des Grünen Trikots, seinen Führerschein wegen Rasens (180 statt der erlaubten 90km/h) abgeben. In seinem Blut war ein Restalkoholgehalt von einem Promille festgestellt worden. Sechs Wochen zuvor hatte Boonen wegen des gleichen Vergehens zwei Wochen auf seinen Ferrari verzichten müssen.

Drogenbesitz kann nach deutschem Strafrecht nach Auskunft von Experten mit Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Bei größeren Mengen oder einem Besitz zu gewerblichen Zwecken ist auch eine deutlich längere Haft möglich. Der Paragraf im Strafgesetzbuch besage aber auch, dass die Richter von Sanktionen absehen können, wenn der Beschuldigte Drogen in geringen Mengen und lediglich zum Eigenbedarf besessen hat.

DPA / DPA

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