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Radsport: Tour im Würgegriff

In vier Tagen beginnt mit dem Prolog in London das größte Radsport-Spektakel des Jahres. stern.de beantwortet die acht wichtigsten Fragen vor dem Start der Tour de France.

Wird die Tour sauber sein? Es wird vermutlich die sauberste Tour aller Zeiten werden. Viele Dopingsünder sind aus dem Verkehr gezogen worden, das Kontrollnetz ist das Dichteste im gesamten Sport. Justiz und Polizei in Frankreich beargwöhnen jeden Tour-Kilometer. Das Risiko, beim Doping erwischt zu werden, ist so hoch wie nie.

Wird es noch weitere Enthüllungen im Vorfeld der Tour geben? Nicht auszuschließen. Insbesondere die Favoriten sind in den vergangenen Wochen sehr intensiv kontrolliert worden. Alle Proben sollen bis zum Tourstart ausgewertet werden.

Was macht das Fernsehen?

Eurosport wird in gewohntem Umfang berichten, ARD und ZDF haben die Sendezeiten verkürzt und wollen der Doping-Berichterstattung größeren Raum einräumen. Es werden keine Ex-Profis wie Heppner (Eurosport) oder Wüst (ARD) mehr eingesetzt.

Dürfen Fahrer, die auf der ominösen Fuentes-Liste stehen, starten?

Schwierige Frage. Mit Ullrich und Basso sind die beiden prominentesten Fahrer entlarvt worden, aber öffentlich ist nicht jeder Name auf der Liste bekannt. Einige Fahrer, wie Mitfavorit Valverde, stehen unter Verdacht. Es ist ein schwer verständliches Versäumnis der spanischen Justiz, dass diese seit einem Jahr vorliegende Liste noch nicht abgearbeitet worden ist - nicht nur beim Radsport. Insgesamt umfasst die Kundenkartei von Dr. Fuentes nämlich 200 Sportler, neben den "Fuentes Fifty" genannten Radprofis auch bekannte Leichtathleten, Tennisspieler und prominente Fußballer u.a. von den Spitzenclubs Real Madrid und FC Barcelona. Das Aufklärungsinteresse der spanischen Behörden scheint hier nicht sehr ausgeprägt zu sein.

Was unternehmen die deutschen Teams gegen Doping?

T-Mobile und Gerolsteiner haben sich neben den französischen Mannschaften als Vorkämpfer gegen Doping profiliert. Die deutschen Teams führen strenge Kontrollen durch und helfen bei der Finanzierung. Die Fahrer beider Teams bei der Tour sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit "sauber".

Wie steht es um die Tour-Begeisterung im Ausland? Sehr unterschiedlich. In Frankreich ist die Begeisterung ungebrochen, die Aufregung um die Telekom-Geständnisse in Deutschland wurde nur achselzuckend bemerkt, im Wesentlichen waren die Tatsachen ja auch seit der Festina-Affäre bekannt. Für Italien ist die Tour traditionell weniger interessant als der Giro. Viele der wichtigsten italienischen Fahrer sind traditionell in Frankreich nicht am Start, so auch diesmal wieder weder Di Luca, noch Bettini, Simoni, Cunego oder Rebellin. Die Spanier haben den Giro - ähnlich wie die Italiener - trotz Dopingaffären mit Rekord-Einschaltquoten verfolgt, bei der Tour warten sie auf spanische Topleistungen. Auch in Belgien erfreut der Radsport sich einer nahezu ungebrochenen Popularität, die Doping-Geständnisse aus Deutschland wurden nur als Randphänomen wahrgenommen.

Wird die Tour im Falle von weiteren Dopingfällen abgebrochen?

Nein. Selbst die Skandal-Tour von 1998 wurde bis zum Ende durchgezogen. Abgesehen davon, dass die Gesamtsituation jetzt entspannter erscheint als vor 12 Monaten, sind die Organisatoren durch viele millionenschwere Verträge gebunden. Alles wird wie geplant ablaufen.

Welche Fahrer haben die UCI-Ehrenerklärung unterschrieben?

Bisher haben ungefähr 75% der Fahrer die neue UCI-Charta für einen dopingfreien Radsport unterschrieben, die anderen Teams haben angekündigt, es bis zum Start in London am Samstag zu tun. Den aktuellen Stand kann man unter www.uci.ch nachlesen.

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