Reaktionen "Das ist sein Karriereende"


Jan Ullrich hat den Dopingverdacht gegen seine Person bisher nicht widerlegen können. Das T-Mobile-Team hat den deutschen Radrennfahrer daher suspendiert. Die Tour de France wird ohne ihn stattfinden. Das sagen Bekannte, Kollegen und Experten zum Skandal.

Arthur Tabat (Freund Jan Ullrichs und Veranstalter des Profiradrennens "Rund um Köln" im Radiosender RPR1./Ludwigshafen): "Das ist sein Karriereende. An den Vorwürfen ist sicher was dran. Jan ist ein großer Rennfahrer, der auch ohne Doping Topleistungen erbracht hat. Das Problem an der jetzigen Situation ist: dopst du nicht bei der Tour, hast Du keine Chance."

Peter Sager (Jan Ullrichs Entdecker und langjähriger Trainer aus Rostock):

"Das ist der Hammer. Ich kann es immer noch nicht glauben - und will es nicht glauben. Ich denke, Jan sollte in die Offensive gehen und eine DNA-Analyse machen, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Da kann so viel manipuliert worden sein. Ich bin einfach nur traurig und muss alles erst einmal sacken lassen."

Olaf Ludwig (Teammanager T-Mobile):

"Wir haben mehrmals mit den Fahrern gesprochen und ihre Unschuldsbeteuerungen sogar in schriftlicher Form vorliegen. Es gibt klare Richtlinien, die mit den Fahrern vereinbart sind und die keinen Interpretationsspielraum lassen. Dies war auch Jan Ullrich, Oscar Sevilla und Rudy Pevenage bekannt."

Christian Frommert (Leiter Sportkommunikation T-Mobile International):

"Unsere Haltung war immer unmissverständlich. Wenn uns Beweise vorliegen, die uns an der Glaubwürdigkeit einer unserer Fahrer nachhaltig zweifeln lassen, werden wir umgehend handeln. Dies ist nun der Fall. Wir hatten zunächst keinen Grund, an den Aussagen der Fahrer zu zweifeln. Entsprechend konnten wir es nicht zulassen, Entscheidungen auf Grundlage von Spekulationen, Gerüchten und Mutmaßungen zu treffen. Diese Ausgangsbasis hat sich nun grundlegend geändert."

Jens Heppner (ehemaliger Teamkollege, jetzt Eurosport-Kommentator):

"Ich glaube, Jan wollte nach einem möglichen Toursieg seine Karriere sowieso beenden. Jetzt muss er es eben drei Wochen früher tun."

Rolf Aldag (ehemaliger Teamkollege, jetzt ZDF-Kommentator):

"Das ist jetzt natürlich ganz hart, aber vielleicht auch eine Chance für den Radsport, richtig aufzuräumen. Wenn man fünf Millionen verdient, ist die Neigung vielleicht größer, große Risiken auch für die eigene Gesundheit einzugehen. Ich glaube, das der Radsport jetzt größere Lehren aus dieser Affäre zieht, als er es 1998 nach dem Tour-Skandal tat."

Stephan Schreck (Erfurter Radprofi, war zunächst als Nachrücker im T-Mobile-Team für Jan Ullrich vorgesehen):

"Ich muss fahren, würde aber gern darauf verzichten. Die Fakten sind halt so. Ich kann mir kein Urteil in der Sache bilden. Als Mensch und Rennfahrer ist Jan für mich immer noch der große Jan Ullrich. Wie er mit mir als Helfer und Person umgegangen ist, darüber kann ich nur positiv sprechen."

Alejandro Valverde (spanischer Radprofi, bei der Tour de France Teamchef von Illes Balears):

"Dies ist ein schwerer Moment für den Radsport. Aber unser Sport ist so großartig, dass er sich nicht unterkriegen lassen wird. (...) Durch den Ausfall von Jan Ullrich wird die Tour einen ganz anderen Verlauf nehmen. Ullrich war immerhin einer der Anwärter auf den Gesamtsieg."

Eusebio Unzue (Sportdirektor von Illes Balears):

"Die Affäre hat dem Radsport eine tödliche Wunde beigebracht. Der Radsport befindet sich in höchster Not, vergleichbar mit der Lage eines Schiffs, das SOS funkt. (...) Wir müssen akzeptieren, dass der Elite-Sport nicht Gesundheit bedeutet und an der Grenze dessen lebt, was die Gesetze zulassen. (...) Wir alle sind schuldig und mehr oder weniger für die Lage mitverantwortlich. Wir müssen jetzt wieder bei Null anfangen."

Thomas Bach (DOSB-Präsident):

"Alle Beteiligten müssen die Situation als Chance im Anti-Doping-Kampf begreifen. Wenn wir die Zellen und Netzwerke offen legen und gleichzeitig präventiv arbeiten, packen wir das Übel an der Wurzel. Es muss jetzt eine schnelle und umfassende Aufklärung geben. Um ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten, könnte auch ein DNA-Test Ullrichs helfen. In der vorbehaltlosen Mitwirkung Ullrichs liegt eine Chance für ihn selbst und für den Anti-Doping-Kampf."

DPA DPA

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