Regelwerk Die neuen Regeln vor Valencia


Für den 32. America's Cup gilt erstmals ein neuer Wettkampf-Modus. Danach bestreiten die Syndikate in den Jahren vor dem Finale in Valencia insgesamt 13 Vorregatten, die so genannten Acts.
Von Peter Sandmeyer

Bevor der eigentliche America's Cup anfängt, müssen die Teams sich in den Acts messen. Das sind sowohl Matchraces, also Zweikämpfe Boot gegen Boot, als auch Fleetraces, in denen alle Boote gemeinsam starten und um die beste Platzierung kämpfen. Die Ergebnisse dieser Vorregatten gehen nach einem Bonus-Punkte-System in die Wertung des Louis Vuitton Cups ein, der dem America's Cup vorgeschaltet ist. Im Louis Vuitton Cup wird durch Matchraces festgestellt, wer der Beste unter den Herausforderern ist. Der segelt dann im eigentlichen America's Cup gegen den Verteidiger. Wer dabei fünf von neun Rennen gewinnt, ist Sieger, bekommt den Cup und kann entscheiden, wo die nächste Verteidigung ausgetragen wird.

"Die wilden fünf Minuten"

Die Matchrace-Duelle beim America's Cup erfolgen auf einer geraden Strecke, die dreimal abgesegelt werden muss: in der einen Richtung auf Kreuzkurs gegen den Wind, in der anderen mit achterlichem Wind und meistens unter Spinnacker. Die gesamte Distanz dieses "Up and down"-Kurses beträgt 18,5 Seemeilen, rund 34 Kilometer.

Fünf Minuten vor Beginn des Rennens gibt es ein akustisches Signal, nach dem die Boote in die so genannte Startbox einfahren dürfen, ein Dreieck hinter der 200 Meter langen Startlinie. Dort liefern sie sich in den "wilden fünf Minuten" heftige Duelle um die bessere Startposition. Wer sie innehat und als schnellster über die Startlinie fährt, kann den Gegner unter Umständen während des ganzen Rennens kontrollieren und hat es zu 75 Prozent für sich entschieden.

Der Wind spielt eine entscheidende Rolle

Welches die bessere Startposition ist, hängt von der Einschätzung der Windverhältnisse auf der Regattabahn ab. Wenn der Wind nach rechts drehen wird, ist das rechte Ende der Startlinie die beste Position, bei links drehendem Wind das linke Ende. Wenn die Taktiker beider Boote die gleiche Wettereinschätzung haben, versuchen beide Boote an der gleichen Stelle beim Startschuss zuerst über die Linie zu fahren. Bis fünf Minuten vor dem Start erhalten die Teams noch Informationen von ihren Wetterbooten draußen auf der Strecke, danach sind die Afterguards der Boote auf sich gestellt.

Das Schiff, dem es beim Start gelingt, die Führung zu gewinnen, versucht sie zu halten, indem es die "Deckungsposition" zum Gegner einnimmt; es segelt schräg voraus, nimmt dem anderen Schiff dadurch Wind und kann jedem Ausbruchmanöver durch eigene Manöver begegnen. Windstärke und Windrichtung ändern sich aber ständig; wer diese Veränderung zuerst bemerkt und für sich nutzt, hat Vorteile. Das gilt besonders auf dem Vorwind-Kurs, auf dem es dem führenden Boot schwerer fällt, den Gegner unter Kontrolle zu halten. Die meisten Angriffe finden deswegen vor dem Wind statt.

Zweikampf an der Boje

Haben die Taktiker der beiden Wettkampf-Schiffe verschiedene Wetter-Einschätzungen, starten die beiden Boote ohne große Duelle an den verschiedenen Enden der Startlinie und segeln auf verschiedenen Seiten der Regattabahn. Dann zeigt sich erst an der Wendeboje, welche Windprognose besser und welches Schiff schneller war. Bei gleicher Geschwindigkeit beider Boote kann es dann aber an der Boje zu einem dramatischen Zweikampf darum kommen, wer sie als erster umrundet. Schiedsrichterboote, die das ganze Rennen begleiten, achten hier besonders auf das Einhalten der vorgeschriebenen Wegerecht-Regeln und verhängen bei Verstoß dagegen einen "Penalty": das bestrafte Boot muss einen 360-Grad-Kreis segeln und verliert dadurch wertvolle Zeit.

Von der Kontrolle des Gegners und vom richtigen Lesen des Windes hängen Strategie und Taktik - und damit der Erfolg im Rennen ab.


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