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Schach-Weltmeisterschaft: Kramnik gewinnt - dank Nervenstärke

Das Herzschlag-Finale in der südrussischen Steppe ist vorbei, Kramnik ist Schachweltmeister und um 500.000 Dollar reicher. Aber vermutlich wird sein nächstes Duell noch härter: Auf Kramnik wartet der Hamburger Schachcomputer "Deep Fritz".

Der Weltmeistertitel macht Großmeister Wladimir Kramnik zum erfolgreichsten Schachspieler der Gegenwart. Nach seinem mit 500.000 Dollar belohnten Sieg über den Bulgaren Weselin Topalow zeigte sich der 31-jährige Moskauer sichtlich erleichtert. "Ich bin sehr froh, dass die Schachkrone in Russland bleibt. Dieser Triumph ist für mich vergleichbar mit dem Sieg über Garri Kasparow vor sechs Jahren in London", kommentierte der neue Champion aller Klassen seinen WM-Sieg in Elista.

Kramnik, Sohn eines Bildhauers und einer Pianistin, hatte das nervenaufreibende Duell gegen Topalow in einem spannenden Tiebreak-Finale für sich entscheiden. Nach einem 6:6 in den Partien mit normaler Bedenkzeit bezwang Kramnik seinen Rivalen im Schnellschach mit 2,5:1,5. Das Resultat gewinnt noch mehr an Gewicht, weil der Weltmeister die fünfte Partie kampflos verloren hatte.

"Deep Fritz" wartet

Weil beide Spieler ebenbürtig waren, gaben am Ende die größere Erfahrung Kramniks und seine besseren Nerven den Ausschlag. Er hatte sich nach längerer Krankheit rechtzeitig vor dem Vereinigungsmatch wieder in Form gebracht. Nach dem Gewinn der WM-Krone ist Kramnik jetzt einziger Schach-Champion und reiht sich in die klassische Linie der Weltmeister ein, die 1886 mit Wilhelm Steinitz begann.

Zu den Siegern des Duells in der südrussischen Steppe zählt auch Kramnik-Manager Carsten Hensel aus Dortmund. Er leistete am Rande des Geschehens mit mehreren Protestnoten und Offenen Briefen an Weltverbandspräsident Kirsan Iljumschinow (Russland) Hilfestellung. Kramnik dankte seinem Team ausdrücklich für die große Unterstützung. Nach einer Erholungspause wartet vom 25. November an in Bonn die nächste Herausforderung auf den Weltmeister. Gegen das Hamburger Schachprogramm "Deep Fritz" will Kramnik in einem Sechs-Partien-Match das Duell "Mensch gegen Maschine" neu beleben. Auch dort beträgt die Gesamtbörse wie in Elista eine Million Dollar.

DPA / DPA

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