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Ski Alpin: Die Miller-Zauber-Show am Lauberhorn

Bode Miller zwischen Genie und Wahnsinn: Erst gewinnt er die berühmte Lauberhorn-Abfahrt in einem spektakulären Lauf samt Sturz im Ziel und gewinnt seinen 25. Wetcup-Sieg. Am nächsten Tag scheidet er zum neunten Mal in der Saison aus.

US-Skistar Bode Miller fährt im WM-Winter weiter zwischen Genie und Wahnsinn. Beim Gewinn der traditionellen Lauberhorn-Abfahrt am Samstag im schweizerischen Wengen sorgte der viermalige Weltmeister mit einem Fabellauf sowie einem Zielsturz einmal mehr für Spektakel und seinen 25. Weltcup-Sieg. In der Super- Kombination am Sonntag schied er zum neunten Mal in dieser Saison aus. Dort ging der Sieg völlig überraschend an den Österreicher Mario Matt, der bei irregulären Pistenverhältnissen als erster Fahrer im alpinen Ski-Weltcup vom 30. Platz nach der verkürzten Abfahrt im Slalom noch ganz nach vorn fuhr.

Miller ärgerte sich zwar über seinen Einfädler im Slalom vom Sonntag, der ihn als Zweitplatzierten der verkürzten Abfahrt um den nächsten Coup brachte, doch den Sieg beim Abfahrtsklassiker konnte ihm niemand mehr nehmen. "Es gibt unendlich viele Rennen, die ich gewinnen möchte, aber dieses gehörte definitiv dazu", sagte Miller, der beim Erfolg wahren Ski-Zauber bot. Dass der 29-Jährige in seiner Sorgen-Disziplin Slalom wie immer in diesem Winter ausschied, dürfte der Konkurrenz mit Blick auf die Weltmeisterschaften vom 3. bis 18. Februar im schwedischen Are gefallen haben.

Von Auftritten eines Bode Millers können die deutschen Skirennläufer nur träumen. Stephan Keppler (Ebingen) beendete seine Lauberhorn-Premiere als 26. der Abfahrt und nutzte die Kombination zum reinen Abfahrtstraining, Johannes Stehle (Obermaiselstein) verpasste als 48. und als 32. die Punkte. "Für Keppler war das okay, als Neuling ein paar Weltcup-Punkte zu machen. Johannes Stehle hat in der Abfahrt am Samstag zu viele Fehler gemacht", meinte der deutsche Cheftrainer Werner Margreiter und geriet ob der Bode-Show vom Vortag in Verzückung. "Das war eine Sondervorstellung, und im Ziel hat er noch was Besonderes drauf gepackt. Das ist Extra-Klasse."

Katastrophale Pistenverhältnisse

Der Zielsturz von Miller bei der Abfahrt am Samstag und die katastrophalen Pistenverhältnisse beim Slalom am Sonntag waren die großen Gesprächsthemen des Wochenendes. "Ich wusste eigentlich schon am Start, dass ich beim Zielsprung stürzen werde", behauptete der Amerikaner Miller und verblüffte sogar die Experten mit seinem taktischen Schachzug. "Dieser Sturz war die sicherste Lösung für mich."

Außenseiter profitierte von Millers Aus

Für Miller, der den Rekord von 13 Saisonsiegen des Österreichers Hermann Maier und des Schweden Ingemar Stenmark jagt, gibt es in diesem Winter praktisch nur Hauptgewinne oder Nieten: Kommt er ohne Fehler durch, ist der vierfache Saisonsieger fast unbezwingbar. Andernfalls können auch Außenseiter wie Matt profitieren. "Das ist natürlich ein Supertag für mich. Aber ein Bode Miller ist immer unberechenbar, wenn ihm ein Lauf aufgeht", sagte der Österreicher, der als erster Slalom-Starter auf der durch Regen und frühlingshaften Temperaturen aufgeweichten Piste einen riesengroßen Vorteil hatte.

Beim Erfolg am Samstag besiegte Miller bei der mit 4480 Metern längsten Weltcup-Abfahrt den ewigen Zweiten Didier Cuche (Schweiz) und Peter Fill (Italien). "Ich bin bereit zu riskieren. Aber nicht, wenn ich vorher schon weiß, dass ich stürzen werde. Ich hoffe für Miller, dass er bis zum Ende der Saison gesund bleibt", gab es von Cuche für die Aktion des Amerikaners nur Kopfschütteln. Im Abfahrtsweltcup baute Cuche seine Führung vor Marco Büchel (Liechtenstein) und dem gestürzten Michael Walchhofer (Österreich) aus. In der Weltcup-Gesamtwertung behauptete der Norweger Aksel Lund Svindal mit zwei achten Plätzen seinen ersten Rang.

Helen Scott-Smith/DPA / DPA

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