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Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer "Das Geilste überhaupt"


Matthias Mayer erlöst mit seinem Olympiasieg die Skination Österreich. Er war die große Überraschung in Rosa Khutor. Favorit Bode Miller sah im Ziel nur noch Rot.
Von Christian Ewers, Rosa Khutor

Lange stand Bode Miller im Zielraum, er richtete sich mehrfach die Skibrille, so, als wollte er ein Fernrohr justieren. Aber Miller sah richtig: lauter rote Zahlen leuchteten auf der Anzeigetafel auf. Miller hatte sich so sehr grüne Ziffern unter seinem Namen gewünscht - er wollte den olympischen Abfahrtslauf gewinnen. Der 36 Jahre alte Amerikaner war der große Favorit auf die Goldmedaille; bei zwei von drei Trainingsläufen auf der Piste in Rosa Khutor hatte er die Bestzeit gefahren.

Und es fing auch gut an. Bei den ersten Zwischenzeiten lag Miller vorn. Er fuhr wieder ein typisches Miller-Rennen: Radikal, nahezu jedes Tor rammte er mit der Schulter, die Ski flatterten, Miller flog mehr, als dass er fuhr. Doch je länger das Rennen dauerte, desto mehr wich die Kampfeslust aus ihm. Er fuhr aufrechter, lässig, mit wenig Körperspannung: So sieht das aus, wenn Miller aufgegeben hat. Am Ende wurde der viermalige Weltmeister und Olympiasieger von Vancouver 2010, Achter.

Der Held von Rosa Khutor

Der Held von Rosa Khutor heißt Matthias Mayer. Er war die große Überraschung. Der 23 Jahre alte Österreicher hat bislang noch kein einziges Weltcup-Rennen gewinnen können; bei der WM 2013 in Schladming war sein bestes Resultat der fünfte Platz im Super-G. Und dann feiert er ausgerechnet bei den Winterspielen von Sotschi seinen ersten Sieg.

Vom Typ her ähnelt Mayer dem zwölf Jahre älteren Bode Miller ein wenig: Auch Mayer ist ein Alles-oder-nichts-Fahrer. Vor dem Olympia-Rennen sagt er: "Ich habe keine Angst. Ich werde Vollgas geben - und wenn's für eine Medaille reicht: schön. Wenn nicht: auch okay."

Nach seinem Triumph klang Mayer dann nicht mehr so abgeklärt. "Das ist das Größte, was man erreichen kann. Das ist das Geilste überhaupt. Ich habe gewusst, dass ich's drauf habe, im Training war ich ja schon ganz gut. Dass ich es aber tatsächlich geschafft habe, ist einfach unglaublich."

Applaus von den österreichischen Journalisten

Es war eine Erlösung für die Skination Österreich, das konnte man auch im Pressezentrum spüren. Die österreichischen Journalisten (sie hatten schon am frühen Morgen die erste Reihe vor dem Podium besetzt) applaudierten stehend, als Mayer zur Pressekonferenz kam. In Vancouver 2010 hatten die österreichischen Männer keine einzige alpine Medaille gewinnen können.

Mayers Sieg bedeutet eine Zäsur im alpinen Rennsport. Die älteren Speedfahrer wie Miller, Aksel Lund Svindal (31, Norwegen), Erik Guay (32, Kanada) oder Didier Defago (36, Schweiz) gingen leer aus. Eine Chance auf Gold haben die Veteranen bei ihren mutmaßlich letzten Winterspielen noch: Am nächsten Sonntag steht der Super G an - auf derselben Piste, zur selben Uhrzeit.


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