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Ski-Stars Riesch und Vonn: Rivalinnen und "Schwestern"

Bei der WM in Val d'Isere holte sich Lindsey Vonn im Super-G den Titel, ihrer Rivalin Maria Riesch blieb nur ein achter Platz. Abseits der Piste sind die beiden rivalisierenden Ski-Rennläuferinnen beste Freundinnen. Für den stern trafen sich die beiden zu einem gemeinsamen Interview über ihre ungewöhnliche Freundschaft.

Maria Riesch, die größte Medaillenhoffnung des Deutschen Skiverbandes, verbindet mit der Amerikanerin Lindsey Vonn, "dass wir uns vertrauen und ehrlich zueinander sind". Weiter sagte sie gegenüber dem stern: "Wir sind wie Schwestern. Lindsey gehört zu meiner Familie." Kennengelernt haben sich die Deutsche Riesch und die Amerikanerin Vonn bei ihrer ersten Junioren-WM 2000 in Quebec. "Da waren wir noch ganz jung und sind dann gemeinsam erfolgreich geworden", sagt Riesch. Mittlerweile feiern sie seit vier Jahren gemeinsam Weihnachten bei Familie Riesch in Garmisch-Partenkirchen. Und sie haben keine Geheimnisse mehr voreinander. Riesch: "Wir reden natürlich auch über unsere Skier, die Kurs-Setzung oder die beste Fahrtlinie." Nicht immer zur Freude ihrer Trainer. So berichtet Vonn: "Zum Beispiel hatten wir geplant, im Sommer gemeinsam in Chile zu trainieren. Das wurde dann aber plötzlich vom Deutschen Skiverband abgesagt."

Auf der Piste packe Vonn allerdings ihren "Killerinstinkt" aus. Die Amerikanerin sagt: "Dann will ich alle fertigmachen." Und Riesch ergänzt: "Das ist wie ein Schalter, den ich umlegen kann. Vor dem Rennen wünschen wir uns noch Glück. Dann muss jede ihr eigenes Rennen fahren und sich nur auf sich selbst konzentrieren."

Riesch und Vonn beteuern gegenüber dem stern, dass es für sie kein Problem sei, wenn eine nur hinterherfahre. Riesch ist optimistisch: "Eine echte Freundschaft verkraftet das." Und Vonn bestätigt: "Wer schneller ist, gewinnt. So einfach ist das. Und wenn ich es nicht schaffe, wünsche ich mir natürlich, dass meine beste Freundin siegt. Eine von uns ist besser als keine."

In Krisen habe sich auch gezeigt, dass man sich gegenseitig helfen könne. So sei Lindsey Vonn während Rieschs langer Pause mit zwei Kreuzbandrissen im Grunde ihr Psycho-Coach gewesen. "Wir können voreinander Schwäche zeigen. Ich habe zwar richtiges Mentaltraining versucht, aber das Gerede hat mir nicht geholfen. Lindsey wusste genau, wie schwierig das für mich sein musste." Auch Vonn habe es einmal mit einem Psychologen versucht. "Aber da rede ich lieber mit Maria. Sie weiß wenigstens, wovon ich spreche."

Unterschiedliche Erfahrungen haben die beiden Rennläuferinnen leidiglich in Sachen Finanzen gemacht. Bei Lindsey Vonn habe sich Ehemann Thomas, von Beruf Investmentbanker, um die Verwaltung der Preisgelder gekümmert. Mit mäßigem Erfolg, wie Vonn eingesteht: "Ich sehe meine Geldanlagen derzeit langfristig. Es ist ja nicht endgültig verloren, wenn ich die Fonds und Aktien nicht verkaufe. Ich muss jetzt einfach ein bisschen Geduld haben." Riesch dagegen vertraute auf den Finanzberater ihres Vaters und der habe "ganz konservativ" investiert.

Einigkeit herrscht zwischen Vonn und Riesch beim Thema Olympia in Vancouver. Vonn wünscht sich für sich, 2010 Gold in der Abfahrt und der Kombination zu gewinnen. "Und für Maria Super-G und Slalom." Sie schiebt dann aber hinterher: "Bei Olympia würde mir eigentlich auch Gold in der Abfahrt reichen." Und Riesch ergänzt: "Okay, abgemacht. Vielleicht sollten wir genau zeitgleich sein. Das wäre mein Traum."

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