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SKISPRINGEN: Schmitt springt hinterher

Martin Schmitt hat die Generalprobe für die Vierschanzentournee verpatzt. Beim neunten Weltcup-Skispringen erreichte er am Samstag nur den 16. Platz.

Martin Schmitt hat die Generalprobe für die Vierschanzentournee verpatzt und ist auf der Suche nach seiner verloren gegangenen Form nicht voran gekommen. Beim neunten Weltcup-Skispringen der Saison im italienischen Predazzo kam Schmitt am Samstagabend nur auf den 16. Platz nach Rang zehn am Vorabend. Sein großer Konkurrent Adam Malysz hingegen feierte bereits seinen sechsten Sieg und baute seine Führung in der Gesamtwertung auf kaum noch einholbare 411 Punkte aus.

Der Pole sprang mit 132 und 132,5 m (282,1 Punkte) jeweils Schanzenrekord und lag damit vor Simon Ammann (Schweiz/275,7) und Andreas Widhölzl (Österreich/260,1). Sven Hannawald (Hinterzarten) belegte als bester Deutscher mit 126 und 123,5 m (248,6) Platz fünf, Aufsteiger Stephan Hocke (Oberhof/242,5) wurde Achter. Acht Tage vor Beginn der Vierschanzentournee in Oberstdorf gibt der vierfache Weltmeister Martin Schmitt sich und seiner Umwelt weiter Rätsel auf. Selbst Bundestrainer Reinhard Heß ist ratlos: »Martin macht mir Sorgen. Ich kann mir das im Moment nicht erklären, ich hatte bei ihm ein Super-Gefühl und war enttäuscht, als ich die Weite hörte.« Der 23-Jährige selbst bewertete die 122,5 und 114,5 m so: »Der erste Sprung war ordentlich, der zweite zum Abhaken. Mir wäre schon lieber, ich hätte vor der Tournee meine Ergebnisse gebracht.« Zumindest nach außen hin hat Schmitt seine Ruhe noch nicht verloren.

Doch wer den Ehrgeiz des Weltcup-Gesamtsieger der Jahre 1999 und 2000 kennt, muss davon ausgehen, dass diese Formkrise im Olympia-Winter nicht spurlos an Schmitt vorübergeht. »Martin muss ja verkrampfen«, sagte Heß und gab seinem Sorgenkind über die Weihnachtsfeiertage den Auftrag »zu relaxen, schön zu feiern, und mit frischen Kräften nach Oberstdorf anzureisen«.

Mehrfache Materialwechsel bei Skiern, Anzug und Schuhen sprechen zudem für ein angeknackstes Selbstvertrauen Schmitts. Hilfe kommt von den derzeit erfolgreicheren Mannschaftskameraden. »Wir versuchen, so gut wie möglich zu springen, so dass wir viel abblocken. Das ist bei ihm einfach nur eine Frage der Zeit«, glaubt Hannawald. Bei einer neuerlichen Geisterkulisse im Weltmeisterschafts-Ort von 2003 wiederholte Hannawald seinen fünften Platz vom Vortag. »Ich freue mich echt auf die Vierschanzentournee und den Trubel, das ist ja langweilig hier«, sagte der 28-Jährige. Sorgen bereitet allerdings auch weiterhin die langsame Anfahrtsgeschwindigkeit der deutschen Skispringer. Im Gesamt-Weltcup verteidigte Skiflug-Weltmeister Hannawald nach 9 von 23 Wettbewerben mit 399 Punkten seinen zweiten Platz hinter dem enteilten Malysz (810). Stephan Hocke (356) liegt auf Platz drei, Martin Schmitt (297) rutschte auf Platz sechs ab. Hinter dem deutschen Spitzentrio sammelten in Predazzo auch Christof Duffner (Schönwald) als 23. und Georg Späth (Oberstdorf) als 29. Weltcup-Punkte. Hingegen verpassten die Mannschafts-Weltmeister Michael Uhrmann (Rastbüchl), Alexander Herr und Hansjörg Jäkle (beide Schonach-Rohrhardsberg) das Finale der besten 30. »Wir haben im Moment eine Mannschaft, die im Training und in der Qualifikation zeigt, dass sie besser ist, als sie es im Wettkampf umzusetzen vermag«, verweist Heß auf erhebliches Steigerungspotenzial.

Erwin Bergel, dpa

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