SKISPRINGEN Weißflog bleibt Tournee-König


War Skispringen früher etwas für mutige Burschen mit Pudelmütze und Überschlaghosen, so hat inzwischen Hochtechnologie Einzug gehalten. Diesmal sind sieben Tournee-Sieger erneut gemeldet.

Die Tournee ruft - deshalb werden die weltbesten Skispringer bei der 50. Auflage auf Silvesterfeiern verzichten. Der Traditionstermin ist ein Grund, weshalb der »Grand Slam« des Skispringens 99 Prozent aller Deutschen ein Begriff ist und die Springer am Neujahrstag nach der Übertragung des Konzerts der Wiener Philharmoniker die erste Geige spielen. Dabei war dieser Termin aus der Not geboren: 1953 einigte man sich darauf, weil Skispringer - seinerzeit durchweg blütenreine Amateure - und Organisatoren in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag den wenigsten Urlaub opfern mussten.

Keiner knackte den Grand-Slam

Bei den Skispringern ist die Tournee wegen ihrer sportlichen Herausforderung mit vier Wettbewerben auf vier verschiedenen Schanzen innerhalb weniger Tage hoch angesehen. Es gibt nicht wenige, die einen Tournee-Sieg auf die gleiche Stufe wie olympisches Gold oder WM-Titel stellen. Der Hintergrund: Es ist noch keinem gelungen, alle vier Tournee-Springen zu gewinnen.

Vielleicht Extra-Prämie

In diesem Jahr haben viele Experten gewettet, dass der Nimbus die Jubiläums-Tournee nicht übersteht. Trotzdem wurde keine Extraprämie für einen Vierfach-Sieger ausgelobt. »Dann würden wir uns schon noch etwas einfallen lassen«, meinte Tournee-Pressesprecher Klaus Taglauer. Sollte das Meisterstück einem Springer gelingen, würde er aus dem ausgelobten Preisgeld mit 120.000 Mark (rund 61.355 Euro) und einem Mittelklasse-Auto trotzdem ordentlich belohnt.

Sieben Sieger dabei

Sieben der 36 Springer, die bisher die Tournee-Gesamtwertung gewonnen haben, wurden erneut von ihren Verbänden gemeldet. Es sind der Finne Toni Nieminen (Tournee-Sieger 1992), der Österreicher Andreas Goldberger (1993 und 1995), Primoz Peterka (Slowenien/1997), Kazuyoshi Funaki (Japan/1998), Janne Ahonen (Finnland/1999), Andreas Widhölz (Österreich/2000) und Adam Malysz (Polen/2001). Für einige war der Erfolg ein gutes Omen: Nieminen, Bredesen und Funaki gewannen mit dem Aufwind von der Tournee auch Olympia-Gold.

Weißflog hält Rekord

Den erfolgreichsten Springer der Tournee kann jedoch auch in diesem Winter niemand vom Thron stoßen. Der Oberwiesenthaler Jens Weißflog gewann die große Tour als einziger vier Mal (1984, 1985, 1991, 1996) und führt als ungekrönter König bei 15 Tournee-Starts mit zehn Siegen in 60 Springen die Punktewertung mit 579 Zählern unangefochten vor dem Norweger Björn Wirkola (424) und Andreas Goldberger (403) an.

Recknagel mit Polit-Pech

Ein anderer deutscher Tournee-Sieger - Helmut Recknagel aus dem thüringischen Steinbach-Hallenberg - wurde vom »Kalten Krieg« gestoppt. 1960 mussten die DDR-Springer wegen des Flaggenstreits - die »Spalterflagge« durfte in der Bundesrepublik nicht gezeigt werden - wieder abreisen. Von 1961 bis 1964 gab es keine deutsch-deutsche Sportbeziehungen, und die ostdeutschen Springer starteten nur in Österreich. »Sonst hätte der überlegene Recknagel häufiger als drei Mal die Tournee und bestimmt auch mal alle vier Stationen gewonnen«, ist Taglauer überzeugt.

Mittlerweile High-Tech-Sport

War das Skispringen anfangs noch ein Sport für mutige Burschen mit Pudelmütze und Überschlaghosen, so hat inzwischen Hochtechnologie Einzug gehalten. Helme, Springer-Kombis, Kunststofflatten und Windkanal-Messungen gehören ebenso dazu wie Computer. Aus den Amateuren sind Profis geworden, so dass sich eine Episode vom Neujahrstag 1955 nicht wiederholen wird. Der Finne Hemmo Silvenoinen feierte Silvester durch, sein Team-Chef meldete ihn zur Strafe ab. Die gesamte Mannschaft protestierte, Silvenoinen durfte antreten und - gewann das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.


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