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Super Bowl in USA: Das Déjà-vu des Tom Brady

Wer gewinnt den Super Bowl? Tom Brady und seine New England Patriots oder Eli Manning und die New York Giants? Klar ist: Das Finale der amerikanischen Football-Liga wird eine Revanche mit ganz speziellem Hintergrund.

Von Malte Arnsperger

Der Football-Gott muss ein Fan von Tom Brady sein. Denn er gibt diesem ohnehin vom Schicksal so reich gesegneten Quarterback der New England Patriots die Chance, sich bei den New York Giants für seine bitterste Niederlage zu rächen. Doch auch im Himmel will man offenbar keine langweilige Vergeltung unter gleichen Voraussetzungen sehen und hat deshalb Brady auf seinem Rachefeldzug einige Steine in den Weg gelegt. Und so wird der diesjährige Super Bowl, das Endspiel der nordamerikanischen Football-Liga NFL zwischen den Patriots und den Giants, zu einer Revanche der besonderen Art.

3. Februar 2008: Die Patriots sind zum vierten Mal in den zurückliegenden sieben Jahren ins Endspiel der NFL eingezogen. Sie sind die unbestritten beste Mannschaft, Americas Team. Sie haben noch kein einziges Mal in der abgelaufenen Saison verloren. Im Super Bowl in Phoenix erwarten Tom Brady und seine Mannen die New York Giants, angeführt von ihrem bis dahin mäßig erfolgreichen Spielmacher Eli Manning. Doch die absolut siegessicheren Patriots, haushoher Favorit, verlieren in einer wahren Football-Schlacht. Hauptgrund dafür ist das überragende Spiel von Manning, der seinem Kontrahenten Brady den Nimbus der Unbesiegbarkeit nimmt.

Brady jahrelang der Coverboy

5. Februar 2012: Genau vier Jahre nach diesem Super Bowl, einem der besten Endspiele aller Zeiten, kommt es wieder zum Aufeinandertreffen der beiden Teams. Diesmal in Indianapolis. Wieder sind die Patriots die Favoriten, wenn auch bei weitem nicht so deutlich wie damals. Denn zwar sind viele der entscheidenden Personen die gleichen (es spielen die gleichen Quarterbacks, mit Tom Couglin und Bill Bellichek stehen die gleichen Trainer an der Seitenlinie), doch haben sich die Teams und auch ihre Quarterbacks verändert.

Tom Brady war jahrelang der unumstrittene Coverboy der NFL. Drei Super Bowl-Titel hat der 34-Jährige gewonnen und diverse Rekorde aufgestellt. Und während die Sportreporter jeden seiner Pässe analysieren, bietet er auch der Klatschpresse ausreichend Stoff. Denn er hat, ganz Prototyp des gutaussehenden Quarterbacks, mit dem brasilianischem Model Gisele Bündchen eine der schönsten Frauen der Welt an seiner Seite. Eli Manning dagegen, ein eher zurückhaltender, schüchtern wirkender Typ, ist seit vielen Jahren verheiratet mit seiner College-Liebe Abby, einer Studentin. Nur mäßig interessant für die bunten Blättern. Und sportlich stand der 32-Jährige sowieso immer im Schatten seines Vaters Archie, einem erfolgreichen Quarterback in den 70er Jahren, und vor allem seines Bruders Peyton, der sich als Quarterback der Indianapolis Colts stets mit Tom Brady um den Titel des besten Spielmachers des jungen Jahrtausends stritt.

Manning arbeitet sich hoch

Aus dem kleinen Eli ist mittlerweile der Superstar Eli Manning geworden, der keinen familieninternen Vergleich mehr scheuen muss. Und das nicht nur, weil Peyton die vergangene Spielzeit verletzt zuschauen musste. Vielmehr spielt Eli eine überragende Saison. Seine Leistung, vor allem in kritischen Situationen, ist einer der Hauptgründe dafür, dass es die schlecht gestarteten Giants in diesem Jahr überhaupt in die Playoffs geschafft haben. Auch sein Widersacher Tom Brady ist in sehr guter Form. Doch er ist nicht mehr der (fast) alle überragende Spielmacher früherer Tage. Denn andere Passwerfer, wie auch Eli Manning, haben sich auf dasselbe Level hochgearbeitet. Und Brady wirkt nicht mehr so souverän wie einst, er zeigt ungekannte Schwächen. Ein Beweis: Vier abgefangene Pässe in den zurückliegenden drei Spielen. So etwas ist ihm in seinen besten Jahren nicht passiert.

In diese Zeit fiel auch der Super Bowl 2008. Damals gab niemand einen Pfifferling auf die Giants, zu dominant schien die Offensive der Patriots im Vergleich zu einer eher durchschnittlichen Attacke der New Yorker. Doch während der Angriff der Patriots seitdem nicht schlechter, aber keinesfalls besser geworden ist, hat der gereifte Eli Manning mit Hakeem Nicks und Victor Cruz nun ebenfalls brandgefährliche Passfänger zur Verfügung. Die beiden Sturmreihen schenken sich also nicht mehr viel. Ganz anders sieht es auf der anderen Seite des Feldes aus: Die Patriots, defensiv stets sehr solide, haben in dieser Saison eine der schlechtesten Verteidigungslinien der Liga, die Giants dagegen eine der besten.

Der beste Quarterback am Küchentisch

Wird Brady also ein Déjà-vu erleben? Und das ausgerechnet in dem Stadion, das seinem langjährigen Erzrivalen Peyton Manning als sportliche Heimat dient? Ein gewisser Heimvorteil wird aus diesem Grund dessen Bruder Eli und den Giants zugerechnet. Trotzdem: Die Experten in den USA reden sich seit Tagen die Köpfe heiß, sie wollen und können sich nicht auf einen klaren Favoriten festlegen. Und auch bei ihnen beherrscht der Vergleich der beiden Quarterbacks die Diskussionen. Sollte Brady wirklich seine vierten Titel gewinnen, so die fast einhellige Meinung, muss er endgültig zu den absolut besten Spielmacher aller Zeiten gezählt werden, ja sogar diese Liste anführen. Eli Manning dagegen würde nach einem zweiten Super Bowl-Sieg zum "König von New York" gekrönt werden, mutmaßt NFL-Insider Warren Sapp. Und sein Kollege Brian Billick meint: "Ich würde an seiner Stelle einfach nur der beste Quarterback zuhause am Küchentisch sein wollen."

(PS: Der Autor tippt auf einen knappen 30:27-Sieg der Giants).

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  • Malte Arnsperger