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Tagebuch - United Internet Team Germany: Vom Gefühl zu siegen

Frust, Freude und das Gefühl, dass die "Rennziege" gut läuft. Das Wochenende hatte es in sich. Das United Internet Team Germany musste viel Lehrgeld zahlen, aber Boot und Crew zeigten auch ihre Qualitäten.

Von Gerrit Bottemöller, Crew-Mitglied

Was für ein Wochenende. Der Sommer kommt und es wird richtig warm. Die Wetterlage: eine leichte Seebrise, also beste Segelbedingungen. So zumindest am Freitag und im ersten Rennen am Samstag. Wer stand auf dem Programm: Am Freitag die BMW Oracle aus Amerika und die Shosholoza aus Südafrika. Am Samstag die Victory Challenge aus Schweden und Luna Rossa aus Italien und am Sonntag Alinghi und Desafio Espanol.

Wie jeden Tag haben wir einen festen Zeitplan: Schiff ins Wasser, Segel packen und laden. Dann um 12 Uhr auslaufen. Es geht in die Rennvorbereitungen: Kompass-, Elektronikkalibrierung und Segelfeintrimm. Darauf folgen Startvorbereitungen und letzte Wetteranalysen von unseren Wetterbooten, die in einem bestimmten Muster um den Rennkurs verteilt sind, um möglichst viele Windveränderungen zu sammeln. Steuermann, Stratege und Taktiker benötigen die Analysen, um die Renn- und Startstrategie festzulegen.

BMW Oracle segelt in einer anderen Dimension

Nach diesen fast zweistündigen Vorbereitungen geht es dann ins richtige Rennen. Am Freitag standen BMW Oracle Racing und Shosholoza aus Afrika auf dem Plan. Im ersten Rennen konnten wir ganze acht Minuten mithalten. Dann schien BMW in einen anderen Gang zu schalten. Langsam aber sicher segelte sie uns davon. Das hatten wir auch so erwartet, da die Amerikaner mit ihrem neusten Boot an den Start gingen. Also eine gute Trainingsfahrt für uns.

Die Afrikaner hätten wir schon in den letzten Acts schlagen können, die Erwartungen waren somit hoch. In den Trainingsregatten haben wir jedoch feststellen müssen, dass sie ihr neues Boot immer besser in den Griff bekommen. Auf dem ersten Kurs lag Shosholoza knapp vor uns. Sie konnten ihren Vorsprung ausbauen. Das schien es dann wohl gewesen zu sein. Nein, denn unsere Afterguard - die Kommandozentrale des Bootes - entschied sich, den Afrikaner nicht zu folgen, weil sie einen weiteren Winddreher erwarteten. Der kam auch und führte uns zurück an die Spitze. Das, was danach kam, war Matchrace pur. Wir wehrten uns gegen jeden Angriff mit allen Mitteln. Der Druck der Südafrikaner wurde immer größer, sie waren wesentlich schneller. Doch bis ins Ziel konnten wir sie in Schach halten. Auf diesen Sieg hatten wir lange gewartet und konnten ihn auch richtig genießen. Er gibt Selbstvertrauen und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn Du Dich eigentlich schon als Verlierer gesehen hast und dann doch noch nach vorne kommst und gewinnst. Das hat mal wieder gezeigt: Das Rennen ist erst im Ziel zu Ende. Es lohnt sich zu kämpfen.

Nein doch nicht, denn am Donnerstag stehen auf unserem Whiteboard die Kiwis (Neuseeland) und die Franzosen. Und wer weiß, was da alles passieren kann. Die Kiwis segeln ihr neues Boot und die Franzosen haben noch nicht so viele Segelstunden in diesem Jahr auf der Uhr wie wir. Auf einen Breakdown unserer Konkurrenz wollen wir uns jedoch nicht verlassen und vor allem nicht darauf spekulieren.

"Wir können unser Boot gut segeln"

Samstag standen zwei Rennen an, die wir leider beide verloren haben. Kleiner Trost: Gegen Alinghi-Bezwinger Luna Rossa, in ihrem neuen Boot, durften wir verlieren. Fast wäre das Rennen abgebrochen worden, weil der Wind total einschlief und das Zeitlimit somit nicht eingehalten werden konnte.

Sonntag dann ein weiterer langer Tag auf dem Wasser. Warten auf Wind und faire Bedingungen. Um 16.00 Uhr ging es dann gegen Alinghi los. Wir haben das Rennen verloren, doch mit einem Rückstand von nur einer Minute und 15 Sekunden. Das ist zwar kein Trost, zeigt uns aber, dass wir unser Boot gut segeln können. Mal sehen wie das dann mit dem neuen Boot, der Germany One wird.

Ich werde jetzt schnell meine Akkus aufladen und dann geht es in die letzen zwei Matchrace-Tage. Die nächsten Gegner werden leichter und wir wollen ein paar Punkte mit nach Hause nehmen. Deshalb haben wir uns vorgenommen, doppelt zu hart zu kämpfen und niemals ein Rennen aufzugeben.
To be continued...

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