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TENNIS: Hewitt ohne Furcht und Tadel

Er war der bisher jüngste Weltranglisten-Erste aller Zeiten und lehrt seinen Konkurrenten das Fürchten: Ob Agassi oder Sampras, der Australier Lleyton Hewitt bezwingt sie alle.

Weltmeister Lleyton Hewitt ist im Tennis- Zirkus ohne Konkurrenz. Ob Andre Agassi, Pete Sampras oder Tim Henman: Der Australier lässt momentan keinem eine Chance. Der Brite Henman war am Sonntagabend der vorerst letzte Weltklassespieler, der dem 21-Jährigen aus Adelaide machtlos gegenüber stand und das Finale des Masters-Series-Turnier in Indian Wells sang- und klanglos in 81 Minuten mit 1:6, 2:6 verlor. Hewitt kassierte für den zweiten Sieg in Serie nach San Jose, wo er Agassi in einem Tiebreak-Krimi abserviert hatte, 392.000 Dollar - Henman bekam 206.000 Dollar für seinen Auftritt, bei dem er ohne zu Murren die Rolle des Zuschauers und Bewunderers übernommen hatte.

Gegner bekommen es mit der Angst zu tun

»Es ist schwer, nicht beeindruckt zu sein von seinen Ergebnissen und Auftritten«, zog Henman verbal den Hut vor seinem übermächtigen Gegner. »Diese sprechen für sich. Und dann kann man es ja auch mit der Angst zu tun bekommen, wenn man daran denkt, dass er sich noch verbessern wird.« Die Furcht scheint nicht unbegründet zu sein. Selten war ein Endspiel eines großen Turniers so einseitig wie dieses. Britanniens distinguierter Spitzenspieler aus Oxford brachte nur ein Mal sein Service durch, auf der anderen Seite verblüffte Hewitt mit sensationellen Returns und rasanter Beinarbeit.

»Ich gehe raus und spiele ohne Angst«

Dass er zum Dominator der Szene geworden ist, davon will Hewitt freilich nichts wissen. »Dominanz, das ist ein großes Wort. Ich würde nicht sagen, dass ich dominiere.« Doch schon einen Atemzug später offenbarte er, wie es um seine Siegermentalität bestellt ist: »Jedes Mal, wenn ich rausgehe, bin ich selbstbewusst. In den vergangenen Monaten drehte ich immer auf, wenn es ernst wurde. Ein großes Match? Das stört mich nicht die Bohne. Ich gehe raus und spiele ohne Angst.«

Jüngster Weltranglisten-Erster aller Zeiten

Nur einmal musste sich der furchtlose Kämpfer in diesem Jahr beugen. Windpocken warfen ihn beim Hopman Cup aus der Bahn - und beim folgenden Heim-Grand-Slam in Melbourne fand er nicht in die Erfolgsspur zurück. Gegen den Spanier Alberto Martin war in der ersten Runde Endstation. Das vorerst letzte verlorene Match warf den mit 20 Jahren und 10 Monaten jüngsten Weltranglisten-Ersten aller Zeiten auf Platz 41 in der Weltrangliste zurück. Mit dem Triumph in Indian Wells hat er nun 36 seiner letzten 41 Matches gewonnen, was ihn unter die Top 5 zurück bringt.

Selbst Sampras war hoffnungslos

Bei den Pacific Life Open in Indian Wells gab Hewitt insgesamt nur einen Satz ab. Im Halbfinale düpierte er vor den Augen seiner Freundin, der belgischen Spitzenspielerin Kim Clijsters, den hoffnungslos unterlegenen Sampras mit 6:2, 6:4. Und im Endspiel blieb nun auch Henman nur ein Schulterzucken: »Es ist eindeutig, dass er die Messlatte sehr weit nach oben gelegt hat.«

Herren Tennis-Weltrangliste vom 18. März 2002

1. (1) Thomas Johansson (Schweden) 238 Punkte; 2. (4) Tim Henman (Großbritannien) 182; 3. (3) Marat Safin (Russland 163; 4. (2) Jiri Novak (Tschechien) 155; 5. (41) Lleyton Hewitt (Australien) 136; 6. (9) Roger Federer (Schweiz) 121; 7. (4) Nicolas Escude (Frankreich) 119; 8. (8) Thomas Haas (Hamburg) 115; 9. (6) Andy Roddick (USA) 111; 10. (7) Younes El Aynaoui (Marokko) 110; 11. (11) Rainer Schüttler (Bad Homburg) 109; ... 44. (37) Lars Burgsmüller (Essen) 41; 91. Nicolas Kiefer (Holzminden) 16

Damen Tennis-Weltrangliste vom 18. März 2002

1. (2) Jennifer Capriati (USA) 4767 Punkte; 2. (1) Venus Williams (USA) 4616; 3. (4) Martina Hingis (Schweiz) 3811; 4. (5) Lindsay Davenport (USA) 3456; 5. (3) Kim Clijsters (Belgien) 3375; 6. (9) Monica Seles (USA) 3069; 7. (7) Justine Henin (Belgien) 2991; 8. (8) Jelena Dokic (Jugoslawien) 2974; 9. (6) Serena Williams (USA) 2793; 10. (10) Amelie Mauresmo (Frankreich) 2651; ... 45. (44) Marlene Weingärtner (Heidelberg) 753; 69. (75) Bianka Lamade (Pforzheim) 538; 72. (71) Barbara Rittner (Leverkusen) 520; 77. (79) Jana Kandarr (Heidelberg) 480; 83. (83) Martina Müller (Hannover) 468,50; 94. (100) Greta Arn (Düsseldorf) 398,75

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