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Tennis Julia Görges im Interview - ''Top Ten noch weit weg''


Julia Görges steht vor einem spannenden Jahr, mit dem Fed Cup und Olympia stehen echte Highlights an, Görges selbst möchte die vergangene Saison bestätigen. Im Interview will sie aber noch nichts von den Top Ten wissen.

Mit dem Sieg beim WTA-Turnier in Stuttgart gelang Julia Görges in diesem Jahr eines der Highlights aus deutscher Sicht. Gegen Ende der Saison verschwand die Norddeutsche aber etwas im Schatten von Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Angelique Kerber.

2012 will sie an ihre starken Leistungen aus der ersten Jahreshälfte anknüpfen, bleibt aber bei allem Ehrgeiz realistisch. Von den Top Ten "bin ich noch ziemlich weit weg", gesteht die 23-Jährige im Interview. Sie startet als Nummer 21 ins Jahr 2012.

Frau Görges, wenn Sie auf das Jahr 2011 zurückblicken, wie fällt Ihr Fazit aus?

Julia Görges: Absolut positiv. Es war meine beste Saison. Ich stand bei allen Grand Slams in der dritten Runde, habe das Turnier in Stuttgart gewonnen. Zudem habe ich den Sprung von Platz 40 auf 21 geschafft. Es gibt aber immer noch Dinge, die man besser machen kann...

... und zwar?

Es war noch zu viel Leerlauf drin. Es waren immer mal Wochen dabei, in denen nicht so viel ging. Das muss wegbleiben. Die Spielerinnen, die oben stehen, spielen sehr konstant. Selbst wenn sie einmal nicht so gut drauf sind, haben sie immer noch ein Reservoir an Schlägen, auf das sie zurückgreifen und womit sie die Matches noch gewinnen können. Und das ist das, woran man arbeiten muss.

Sie haben es angesprochen, Sie standen bei allen Grand-Slam-Turnieren in der dritten Runde. Auf der einen Seite ist das sehr konstant, auf der anderen Seite fehlt noch der große Wurf. Dennoch zufrieden, oder haben Sie sich darüber geärgert?

Geärgert habe ich mich eigentlich nur in Paris. Weil das Spiel dort gegen Bartoli (6:3, 2:6, 4:6) darf ich nicht aus der Hand geben. Da wäre dann auch ein Big Shot möglich gewesen, weil das Feld offen war. Das war eine Chance, die ich liegengelassen habe. Die habe ich verschenkt. Sonst habe ich eigentlich nie schlecht gespielt, aber es fehlte immer noch ein Quäntchen. Also, jein!

Welche Ziele haben Sie sich für 2012 gesteckt?

Ich will meine Saison bestätigen. Ich glaube, wenn man rund um die Top 20 steht, dann ist es erst einmal schon schwierig genug, das zu halten. Wenn es dann noch weiter nach oben geht, um so besser.

An die Top Ten denken Sie also noch nicht?

Nein, davon bin ich noch ziemlich weit weg. Das ist dann doch noch ein ganz schönes Stückchen und da mache ich mir auch noch keinen Stress. Ich will mich erst einmal weiterentwickeln und konstanter spielen und dann sieht man, wo es hingeht.

Das Jahr 2012 ist voller Highlights, zum Beispiel dem Fed Cup. Sind die deutschen Damen 2012 schon bereit für den Fed-Cup-Sieg?

Ich denke, der Auftakt gegen Tschechien ist natürlich der Hammer. Schwerer hätte es nicht kommen können. Wir sind sicherlich nicht der Favorit, aber die Tschechinnen hätten sich denke ich mal auch einen anderen Gegner gewünscht. Wenn wir die erste Runde überstehen, ist viel möglich.

Spielt der Fed Cup in Ihren Planungen denn eine große Rolle?

Der Fed Cup ist immer wichtig. Es ist immer schön, mal eine Woche mit den Mädels zusammenzukommen und für sein Land zu kämpfen. Wir haben eine tolle Truppe, das macht immer viel Spaß.

Mit Ihnen, Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Angelique Kerber gibt es nun gleich vier Spielerinnen, die für einen Einsatz infrage kommen. Kann es da auch Reibungen geben?

Ich denke nicht. Barbara Rittner wird da schon eine gute und rechtzeitige Entscheidung treffen. Von daher sehe ich da keine Probleme. Ich denke, da möchte jeder, dass das beste Team spielt. Die 'Ollen' werden sich da nicht auseinanderreißen lassen.

Welche Rolle spielt Olympia für Sie im kommenden Jahr?

Eine große Rolle. Es ist ein Traum für jeden Athleten, bei Olympia dabei zu sein. Ich werde im kommenden Jahr auf jeden Fall einen Fokus darauf legen. Aber erstmal kommt der erste Saisonabschnitt, der sehr wichtig ist. Da ist Olympia doch noch weit weg.

Es stehen zu Jahresbeginn vier Deutsche unter den Top 35. Pusht Sie das auch gegenseitig?

Es ist schon ein Antrieb. Und es ist gut, dass sich der Druck gleichmäßig verteilt. Jeder bekommt seine Aufmerksamkeit, steht aber nicht total im Fokus. Es ist immer eine Woche die, dann eine Woche die. Das haben wir in diesem Jahr ja ganz gut aufgeteilt...

Ist das deutsche Damen-Tennis im Moment so stark wie noch nie?

Noch nie würde ich nicht sagen, schließlich gab es ja Steffi Graf. Das ist nicht zu vergleichen. Von der Breite her aber schon, zumal sich das Tennis ja sehr stark weiterentwickelt hat. Das gesamte Damen-Tennis ist extrem ausgeglichen. Da kann fast Jede Jeden schlagen und das macht es sehr interessant. Caroline (Wozniacki) ist für mich verdient an Nummer eins, auch wenn sie noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Sie spielt einfach am konstantesten.

Die Herren hinken ein bisschen hinterher. Verfolgen Sie das?

Der Fokus liegt mehr auf den Damen, aber das war auch schon einmal andersrum. Ich sehe da keine große Problematik. Ich denke, es gibt auch da viele junge Spieler, die nachrücken. In der Breite sind wir auch bei den Herren gut aufgestellt. Wir haben immer viele Starter bei den Grand Slams und das ist ein schönes Gefühl.

Sie haben in diesem Jahr bei den Preisgeldern die Millionen-Grenze überschritten. Was bedeutet Ihnen Geld?

Eigentlich nicht viel. Letztendlich habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und das ist das Schönste. Oftmals wird auch vergessen, was an Steuern und Ausgaben abgeht, wenn man das ganze Jahr um die Welt reist. Das relativiert sich dann alles ein bisschen.

Macht es Ihnen das Leben auf der Tour dennoch leichter?

Na klar. Um so besser man spielt, desto größer ist das Team, das man auf der Tour um sich haben kann. Das erleichtert dann schon einiges. So konnte ich mir zum Beispiel einen neuen Fitnesstrainer leisten.

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