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Tennis: Power Ranking - Die besten zehn Tennis-Spieler der Welt

Warum glaubt Jo-Wilfried Tsonga an eine Verschwörung gegen ihn, wieso wirbelt ein Sandplatzwühler in der Hartplatzsaison das Klassement durcheinander und kosten Roger Federers Müdigkeit und Novak Djokovics Nachlässigkeiten Plätze? Wir beantworten die Fragen in unserem ATP-Formcheck.

Die ersten zwei Turniere der ATP Masters Serie sind absolviert, höchste Zeit die Topspieler der Tennisszene einem weiteren Formcheck zu unterziehen. Wie sind die Stars nach den ersten Saisonhöhepunkten der ATP Tour drauf? Wo stehen sie vor Beginn der europäischen Sandplatz-Turniere? Wer hat die beste Form?

Dazu haben wir die Ergebnisse der letzten drei absolvierten Turniere unter die Lupe genommen. Um die Formkurve der Spieler in unserem Power Ranking möglichst exakt zu bestimmen, setzen wir die Resultate bzw. die von der ATP vergebenen Weltranglistenpunkte in ein Verhältnis und lassen sie zu 100 (letztes), 80 (vorletztes Turnier) und 60 Prozent (drittletztes gespieltes Turnier) in unsere Berechnung einfließen. Zudem gilt: Wer in den letzten vier Wochen bei keinem Turnier aktiv war, fliegt raus.

Zwei Neueinsteiger haben in der unteren Hälfte des Rankings für ein bisschen Bewegung gesorgt, an der Spitze ist dagegen nicht viel passiert. Die üblichen Verdächtigen haben ihre Plätze nicht verlassen, allerdings sind die Abstände etwas geringer als noch bei unserem Februar-Ranking. Doch alles der Reihe nach. Hier sind unsere Top Ten.

10. (9.) Nicolas Almagro (ESP, 26 Jahre, Weltrangliste: 12) / gewertete Turniere: Miami (1/8-Finale/90 Punkte), Indian Wells (1/4-Finale/144), Acapulco (1/4-Finale/54) / Power Ranking-Punkte: 288

Seiner mittlerweile größeren Konstanz hat es Nicolas Almagro zu verdanken, dass er nicht aus unserem Ranking gefallen ist. Sein Turniersieg in Sao Paulo und seine Finalteilnahme in Buenos Aires (beide auf seinem Lieblingsbelag Sand) fallen nämlich nicht mehr in den Zeitraum unseres Rankings. Doch auch auf Hartplätzen weiß der Spanier mittlerweile zu gefallen, wie seine Auftritte in Miami, wo er gegen Mardy Fish ausschied, und Indian Wells, wo ihn Novak Djokovic stoppte, beweisen.

9. (10.) Jo-Wilfried Tsonga (FRA, 26 Jahre, Weltrangliste: 6) / gewertete Turniere: Miami (1/4-Finale/180), Indian Wells (1/8-Finale/72), Dubai (1/4-Finale/54) / Power Ranking-Punkte: 306

Einen Platz rauf ging es für Jo-Wilfried Tsonga. Durchschnittliche, aber konstante Ergebnisse brachten ihm die nötigen Punkte dafür. Für Schlagzeilen sorgte er in Miami zuletzt wegen seiner unverhohlen geäußerten Schiedsrichter-, aber mangelnden Selbstkritik. Nach seiner Viertelfinal-Niederlage gegen Rafael Nadal beschuldigte er Umpire Damian Steiner, den Spanier bevorzugt zu haben. "Der würde einen engen Ball von Rafa nie Aus geben", schimpfte Tsonga laut nbcsports.com. "Wenn Rafa ihn nicht mögen würde, würde der nicht viele Finals oder Semifinals leiten dürfen." Der Schiedsrichter sei daher auch der Grund für Tsongas Ausscheiden, schließlich habe er zu sehr auf die Linien konzentriert, um eine enge Entscheidung möglicherweise per Hawk-Eye widerlegen zu können. Tja, Jo, hättest du dich lieber auf deine eigenen Schläge konzentiert...

8. (5.) Juan Martin del Potro (ARG, 23 Jahre, Weltrangliste: 10) / gewertete Turniere: Miami (1/8-Finale/90), Indian Wells (1/4-Finale/144), Dubai (1/2-Finale/ 108) / Power Ranking-Punkte: 342

Die Formkurve von Juan Martin del Potro zeigt nach unten. In Dubai noch im Halbfinale gegen Federer verloren, zuletzt war im Achtelfinale von Miami Endstation. Entsprechend ging es für ihn auch im Power Ranking drei Plätze runter. Sowohl die Niederlage gegen Federer als auch das Aus gegen Ferrer machten eins deutlich: Für den Sprung nach oben muss del Potro unbedingt an seinen Grundschlägen arbeiten, muss hier variabler werden, und auch sein Service könnte noch einen leichten Kick vertragen.

7. (neu) Juan Monaco (ARG, 28 Jahre, Weltrangliste: 16) / gewertete Turniere: Miami (1/2-Finale/360), Indian Wells (3. Runde/36), Acapulco (1. Runde/0) / Power Ranking-Punkte: 396

Dass ein Sandplatzwühler wie Juan Monaco nach den ersten zwei Hardplatz-Majors auf Platz sieben auftaucht, überrascht ein bisschen. Doch der Argentinier profitierte nach einem soliden Auftritt in Indian Wells vom Halbfinaleinzug in Miami, der ihm die nötigen Punkte bescherte. Gegen Djokovic kam dann mit 0:6, 6:7 zwar das Aus, aber Monaco verdiente sich Anerkennung für seinen kämpferischen Einsatz im zweiten Durchgang - trotz der verausgegangenen Demontage. "Da habe ich angefangen wieder an mein Spiel zu glauben", erklärte Monaco der Latin American Herald Tribune. Wenn er das Selbstbewusstsein in die nächsten Turniere, dann wieder auf seinem Lieblingsbelag Sand, retten kann, könnte es für ihn sogar noch höher gehen.

6. (7.) David Ferrer (ESP, 29 Jahre, Weltrangliste: 5) / gewertete Turniere: Miami (1/4-Finale/180), Indian Wells (3. Runde/36), Acapulco (Sieger/300) / Power Ranking-Punkte: 516

Ähnlich wie Monaco war es zuvor auch David Ferrer in Miami ergangen. Zunächst hatte er im ersten Satz seines Viertelfinals gegen Djokovic kein Bein auf die Erde bekommen, dann fightete der als großer Kämpfer bekannte Spanier im zweiten Satz und scheiterte erst im Tiebreak. Dort allerdings mit 1:7 deutlich. Gegen jeden anderen Gegner hätte Ferrer das Match vielleicht noch gedreht, aber der Djoker stach dann doch zu. Allerdings schmälerte das den positiven Eindruck vom Formanstieg Ferrers nicht im Geringsten. In der Sandplatzsaison wird mit dem Sieger von Acapulco zu rechnen sein.

5. (neu) John Isner (USA, 26 Jahre, Weltrangliste: 11) / gewertete Turniere: Miami (3. Runde/45), Indian Wells (Finale/480), Delray Beach (1/4-Finale/54) / Power Ranking-Punkte: 579

Schon allein deshalb, weil er sich rühmen darf, Novak Djokovic geschlagen zu haben, findet sich John Isner völlig zurecht als Neueinsteiger in unserem Ranking wieder. Ein Tiebreak im dritten Satz - Isners Spezialität - beendete das Match im Halbfinale von Indian Wells schließlich zu Isners Gunsten. Im Finale war dann gegen Roger Federer Endstation. Ist der Vorstoß im Power Ranking nur ein Gastspiel? Seine Formkurve zeigte dann beim Drittrunden-Aus von Miami wieder nach unten und die nun anstehenden Sandplatzturniere gehören nicht unbedingt zu seinen Lieblingsturnieren. Wir dürfen gespannt sein.

4. (4.) Andy Murray (GBR, 24 Jahre, Weltrangliste: 4) / gewertete Turniere: Miami (Finale/600), Indian Wells (2. Runde/8), Dubai (Finale/180) / Power Ranking-Punkte: 788

Andy Murray war traurig, nachdem Rafael Nadal das Halbfinale von Miami wegen seiner Knieverletzung hatte absagen müssen. Schließlich hatte sich der Schotte zusammen mit Trainer Ivan Lendl extra eine spezielle Taktik überlegt. Den Praxistest musste er vertagen und auch seine Taktiken gegen Federer und Djokovic noch überarbeiten. "Spiele gegen die großen Drei zeigen einem, wo man steht", hatte Murray in Miami erklärt. Demnach steht er zurecht noch auf Platz vier. Denn gegen Federer verlor er im Finale von Dubai und gegen Djokovic im Endspiel von Miami. Zusammen mit dem glatten Zweitrunden-Aus von Indian Wells gegen Guillermo Garcia-Lopez zeigt das: Murray ist auf einem guten Weg, hat aber noch einiges zu lernen.

3. (3.) Roger Federer (SUI, 30 Jahre, Weltrangliste: 3) / gewertete Turniere: Miami (3. Runde/45), Indian Wells (Sieger/800), Dubai (Sieger/300) / Power Ranking-Punkte: 1145

Roger Federer dagegen kann alles. Und wenn wir vor dem Turnier in Miami unser Power Ranking aufgestellt hätten, wäre er auch ganz oben. Doch nach Turniersiegen in Rotterdam, Dubai und Indian Wells war in Miami dann schon in der dritten Runde Schluss. "Die bisher 30 Matches in dieser Saison fordern ihren Tribut", twitterte Federer über das frühe Aus. "Ich habe zwar auch schon noch müder Spieler gewonnen. Aber hier fehlte auch etwas Glück, das ich in Indian Wells noch hatte."

2. (2.) Rafael Nadal (ESP, 25 Jahre, Weltrangliste: 2) / gewertete Turniere: Miami (1/2-Finale/360), Indian Wells (1/2-Finale/288), Australian Open (Finale/720) / Power Ranking-Punkte: 1368

Noch ohne Turniersieg, aber mit konstant guten Resultaten und einem dosierten Spielpan wartet Rafael Nadal in dieser Saison auf. Die Umstellung auf den neuen Schläger, den er seit Saisonbeginn spielt, hat ihm keine Mühe bereitet, die Ergebnisse sprechen für sich. Wie die nächsten Wochen verlaufen werden, hängt aber vor allem vom Heilungsprozess seines Knies ab, das er sich in Indian Wells verletzt hatte, ihn aber erst seit dem Viertelfinale von Miami behinderte und dann zur Absage des Halbfinals dort führte. Nadal selbst ist unbesorgt und sicher, nach einer kurzen Pause erfolgreich in die Sandplatz einsteigen zu können.

1. (1.) Novak Djokovic (SRB, 24 Jahre, Weltrangliste: 1) / gewertete Turniere: Miami (Sieger/1000), Indian Wells (1/2-Finale/288), Dubai (1/2-Finale/108) / Power Ranking-Punkte: 1396

Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist nach Niederlagen gegen Murray in Doha und Isner in Indian Wells zwar weg, ein ähnlicher Lauf wie zu Beginn der letzten Saison nicht mehr möglich. Doch Novak Djokovic thront trotzdem wieder unangefochten an der Spitze. Warum auch nicht? Er war ja schließlich nie schlechter als das Halbfinale. Allerdings haben sich einige Nachlässigkeiten in seinem Spiel eingeschlichen. In Miami bekam er gegen Ferrer und Monaco trotz gewonnenem ersten Satz noch jeweils richtig Probleme. Bewies aber auch, dass er in den entscheidenden Momenten voll da sein kann.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

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