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Tennis: Schüttler erstmals im Masters-Halbfinale

Acht Jahre nach Boris Becker steht mit Rainer Schüttler als erster deutscher Tennis-Profi wieder im Halbfinale beim Turnier in Indian Wells. Doch der Vergleich lässt ihn kalt.

Der Bezug zu Boris Becker ließ ihn kalt. Dass Rainer Schüttler acht Jahre nach dem Leimener als erster deutscher Tennis-Profi wieder in ein Halbfinale beim Turnier in Indian Wells eingezogen ist, sei unbedeutend für ihn. Wichtig ist für den in brillanter Form aufspielenden Bad Homburger einzig, erstmals bei einem Masters überhaupt so weit gekommen zu sein. Wie er das am Freitag (Ortszeit) schaffte, nötigte allen Augenzeugen großen Respekt ab. Die Nummer 2 der Champions Race fegte in der Neuauflage des Halbfinals der Australian Open den amerikanischen Jungstar Andy Roddick in nur 59 Minuten mit 6:3, 6:2 vom Center Court und hat damit bereits ein Preisgeld von 100.000 Dollar sicher.

Nächster Gegener: Kuerten

Im Duell um den Finaleinzug trifft Schüttler in der Nacht zum Sonntag auf Gustavo Kuerten. Der dreimalige French Open-Gewinner aus Brasilien bezwang den Amerikaner James Blake mit 4:6, 6:4, 6:0. Er hat auch seine beiden bisherigen Vergleiche gegen Schüttler gewonnen. «Guga präsentiert sich wieder in super Verfassung. Es wird bestimmt ein richtig tolles Match», prophezeite die deutsche Nummer 1.

Hewitt - Spadea andere Paarung

Titelverteidiger Lleyton Hewitt und Qualifikant Vincent Spadea stehen sich im zweiten Halbfinale des mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Turniers gegenüber. Der Weltrangisten-Erste aus Australien, der seine Primus-Position seit 70 Wochen innehat, setzte sich gegen Robby Ginepri (USA) mit 6:4, 6:2 durch. Spadea, Bezwinger von Nicolas Kiefer (Holzminden), schaltete seinen US-Landsmann Brian Vahaly mit 6:3, 6:2 aus. Beim gleichzeitig stattfindenden WTA-Turnier (2,1 Millionen Dollar) bestreiten die top-gesetzte Kim Clijsters (Belgien) und Lindsay Davenport (USA/4) das Finale. Clijsters war gegen Conchita Martinez (Spanien) mit 6:3, 6:2, Davenport gegen ihre Landsmännin Jennifer Capriati (2) mit 6:4, 4:6, 6:4 erfolgreich.

Roddick frustriert

«Er kam ganz locker auf den Platz und spielte viel, viel besser als ich», stellte Roddick nach seiner zweiten Schüttler-Niederlage binnen sieben Wochen frustriert fest. Bei den Australian Open hatte der Weltranglisten-Sechste in vier Sätzen den Kürzeren gezogen. Auch diesmal besaß der 21-jährige Roddick mit einer Ausnahme nicht die Spur einer Chance, um dem zusehends selbstbewusster auftrumpfenden Hessen mit Wohnsitz in der Schweiz vom Erfolgsweg abzubringen.

Publikumsliebling vernichtet

Lediglich im sechsten Spiel des zweiten Satzes, als Schüttler bei eigenem Aufschlag mit 0:40 zurücklag, hauchte der US-Hoffnungsträger dem einseitigen Match etwas Spannung ein. Doch den Dauerläufer konnte der Rückstand ebenso wenig erschüttern wie die «Kanonen-Bälle» des fünf Jahre jüngeren Rivalen, die mit Rekordgeschwindigkeit von bis zu 236 km/h übers Netz geschossen kamen. Vor 8.000 enttäuschten Zuschauern zelebrierte Schüttler, dem zuvor das vorentscheidende Break gelungen war, fünf Aufschläge hintereinander zur 4:2-Führung und zog dem Publikumsliebling aus Florida endgültig den Nerv.

Auf der Siegesstraße

«Von dem Moment an wusste ich, dass er dem Druck nicht mehr standhalten würde», sagte Schüttler, der sich schon nach dem ersten Break im zweiten Spiel des ersten Satzes auf der Siegerstraße wähnte. «Danach stand er frühzeitig unter Zugzwang, womit er nicht klar kam. Im Grunde genommen habe ich ihn mit der gleichen Taktik geschlagen wie in Australien», befand der Schützling von Dirk Hordorff. Schüttlers Aufschläge kamen präzise, er bewegte sich behender und returnierte meist wie aus dem Lehrbuch. Mit seinen zahlreichen zentimetergenauen Passierbällen forderte er zudem immer wieder Beifall heraus.

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