TENNIS Wimbledon: »Big Jenny« ärgert »Litte Serena«


Um ins Halbfinale einzuziehen, griffen Jennifer Capriati und Serena Williams ganz tief in die Trickkiste. Dass die Tricks nicht wirklich etwas mit Fairness zu tun haben, war den Tennis-Grazien dabei egal.

Um ins Halbfinale einzuziehen, griffen Jennifer Capriati und Serena Williams ganz tief in die Trickkiste. Immer wenn eine der beiden kurz vor der Niederlage stand, bediente sie sich alter, aber wirksamer Tennis-Tricks. Erst nahm sich Jennifer Capriati ihre Auszeit, weil Po und Oberschenkel zwickten. Dann war Serena Williams an der Reihe, weil der Magen drückte und der Kopf vor lauter Schmerzen zu platzten drohte. Erfolg hatte mit den Psycho-Spielchen am Ende nur die erfahrene »Jenny-Baby«, die den spannenden Kampf auf dem »heiligen« Wimbledon-Rasen in drei Sätzen gewann.

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Sticheleien

Richtig dicke Freundinnen werden die beiden sicherlich nie werden. Denn der heimliche Streit ging auch nach dem Matchball munter weiter. Da erzählte die »kleine« der beiden Williams-Schwestern von ihren großen Magenproblemen. Dass sie schon das Match zuvor gegen Magdalena Melejewa hatte absagen wollen. Und dass sie nach dem gewonnen ersten Satz im Viertelfinale nicht mehr weiterspielen wollte: »Sie können es glauben oder nicht«.

Jenny Capriati war in der Tat eine derjenigen, die Serena Williams diese Story nicht abnahmen. »Ich habe davon wirklich nichts bemerkt«, meinte die glückliche Siegerin und schüttelte missbilligend den Kopf: »Ich glaube nicht, dass irgendwas nicht in Ordung war«. Serena Williams mault natürlich prompt zurück: »Vier Pfund habe ich abgenommen«, bekräftigte sie, »weil ich nichts essen konnte«.

Aussichtslose Situation?

Während des Matches aß sie eine Banane, und die sei Gott sei Dank »drin geblieben«. Aber sie habe sich so erbärmlich gefühlt, dass zur Gegenwehr keine Kraft mehr da gewesen sei. So musste sie, zwei Punkte vom Sieg entfernt, die Partie doch nach abgeben. Auf der anderen Seite erinnerte sich Jennifer Capriati beim Stand von 6:7, 3:5, 0:30 an die French Open in Paris, wo sie im Endspiel gegen Kim Clijsters in einer vergleichsweise aussichtslosen Situation gesteckt hatte. »Das Spiel ist noch nicht verloren«, habe sie sich eingeredet und es wieder geschafft: »Das gibt mir unheimlich viel Selbstvertrauen«.

Im Finale könnte Serenas ältere Schwester Venus die »Schmach« rächen. Die Titelverteidigerin spielt in der von drei Amerikanerinnen geprägten Vorschlussrunde gegen Lindsay Davenport, während Jennifer Capriati auf die Belgierin Justin Henin trifft. Die kennt sie zwar nicht so gut wie Serena Williams, gegen die sie zum vierten Mal im fünften Vergleich gewann. Aber es wird auch nicht so stressig werden: »Ich spiele lieber schnell, Serena brauchte aber immer so lang, wenn ich längst aufschlagen wollte«, ärgerte sie sich über die nervenden Zeitspielchen am Rande.

Von Andreas Bellinger


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