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Tennisturnier von Wimbledon: Sabine Lisicki verliert Nerven und Finale

Im Finale von Wimbledon fand Sabine Lisicki nicht ins Spiel. Ihre Gegnerin Marion Bartoli spielte ihre Erfahrung aus - und siegte beim wichtigsten Tennisturnier der Welt.

Aus der Traum vom ersten deutschen Wimbledon-Sieg seit Steffi Graf! Sabine Lisicki hat den Titel beim wichtigsten Tennisturnier der Welt klar verpasst. Die 23 Jahre alte Berlinerin musste sich am Samstag im Endspiel Marion Bartoli aus Frankreich nach einer ungewohnt schwachen Leistung 1:6, 4:6 geschlagen geben.

"Marion war zu gut. Sie hat es verdient. Ich hätte so gern gewonnen und hoffe, dass ich noch eine zweite Chance bekomme", sagte Lisicki bei der Siegerehrung und brach in Tränen aus. Schon während des zweiten Satzes hatte sie aus Enttäuschung über ihre Leistung feuchte Augen bekommen. In ihrem ersten Finale bei einem Grand-Slam-Turnier wirkte Lisicki lange Zeit hypernervös und konnte nicht an ihre vorherigen Glanzleistungen auf dem Heiligen Rasen anknüpfen. "Ich war überwältigt von der Situation", sagte sie.

Glückwünsche und Aufmunterungen

Die 1,78 Meter große Rechtshänderin war die erste Deutsche im Wimbledon-Endspiel seit Steffi Graf 1999. Trotz der Niederlage durfte sich Lisicki schon direkt nach dem Match über Glückwünsche und Aufmunterungen freuen. "Kopf hoch Sabine... wahnsinnig toll gekämpft aber Respekt für Bartoli!!!", twitterte Boris Becker.

"Auch wenn ihr der Titel letztlich verwehrt geblieben ist, hat sie uns allen mit ihrem Kampfgeist und ihrem attraktiven Spiel große Freude gemacht", sagte der Chef des Deutschen Tennis Bundes, Karl-Georg Altenburg. Lisicki habe "ein tolles Turnier gespielt und kann auf ihre Leistung in Wimbledon stolz sein", erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Lisicki wird sich in der Weltrangliste von Platz 24 auf 18 verbessern, mit einem Sieg hätte sie sich als Nummer elf der Welt den Top Ten genähert. "Ich verstehe genau, wie Sabine sich fühlt", sagte Bartoli, die 2007 das Finale gegen Venus Williams verloren hatte und es nun besser machte: "Ich kann es noch nicht richtig glauben. Ich habe so lange von diesem Moment geträumt."

Favoritin mit Nervenflattern

Die Zuschauer auf dem vollbesetzten Centre Court konnten nicht so recht glauben, was sie zu sehen bekamen. Ausgerechnet die bislang so nervenstarke Lisicki schien angesichts der historischen Bedeutung des Moments völlig zu verkrampfen. Einem Turnier voller Emotionen und Tränen, zwei Wochen voller Leidenschaft und aussichtslos erscheinenden Aufholjagden blieb die Vollendung versagt.

Vor den Augen der großen alten Damen des Tennissports wie Martina Navratilova, Martina Hingis, Virginia Wade, Margaret Court, Jana Novotna und Billie Jean King war es Bartoli, die nach 1:21 Stunden ihren ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier feiern durfte.

Dabei galt Lisicki vor dem Endspiel als Favoritin. Keine andere Spielerin im Feld hatte so schwere Gegnerinnen aus dem Weg zu räumen wie sie. Nacheinander schaltete sie die unangenehme Francesca Schiavone, die auf Rasen exzellente Jelena Wesnina, die frühere US-Open-Siegerin Samantha Stosur, die fünfmalige Wimbledon-Siegerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams, Kerber-Bezwingerin Kaia Kanepi und die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska aus.

Niederlage trotz Aufholjagd

"Es war bislang eine großartige Reise. Sie ist noch nicht zu Ende. Seit Turnierbeginn hatte ich gute Matches und große Herausforderungen, die mich vorbereitet haben. Ich bin wirklich bereit", hatte Lisicki vor ihrem ersten großen Finale gesagt.

Doch gegen die unorthodox spielende Bartoli mit der beidhändigen Vor- und Rückhand aber fand die Reise ein jähes Ende. Nach 29 Minuten entschied Bartoli den ersten Satz für sich. Nur 54 Prozent von Lisickis ersten Aufschlägen landeten im Feld, sie leistete sich 14 unerzwungene Fehler, Bartoli nur vier.

Zwar gelang Lisicki gleich im ersten Spiel des ersten Satzes ein Break - es blieb aber bis zum Beginn des zweiten Durchgangs ihr einziger Spielgewinn. Obwohl die Berlinerin vor Satz zwei kurz den Platz verließ und anschließend mit einem Ass startete, konnte sie das Match auch nach einer kurzen Aufholjagd von 1:5 auf 4:5 sowie drei abgewehrten Matchbällen nicht mehr drehen und musste sich am Ende klar geschlagen geben.

Damit bleibt Steffi Graf die bislang letzte deutsche Gewinnerin in London. Die siebenmalige Turniersiegerin hatte 1996 ihren letzten Wimbledon-Titel gefeiert.

tkr/Wolfgang Müller/Marc Schäfer/DPA / DPA

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