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Tour de France: Sensationell - Gerdemann in Gelb!

Der deutsche Radsport hat einen großen Schritt aus dem langen Schatten von Jan Ullrich getan: Mit Linus Gerdemann hat ein junger deutscher Fahrer nicht nur die erste Alpenetappe der Tour 2007 gewonnen, sondern auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden übernommen.

Von Nico Stankewitz

Was für ein Auftritt! Der 24-Jährige Linus Gerdemann aus Münster sorgt mit einem spektakulären Parforceritt auf der ersten Alpenetappe für den faszinierendsten Auftritt eines deutschen Fahrers seit vielen Jahren. Gleichzeitig ist es auch ein Triumph für T-Mobile, die mit einem strikten Anti-Doping-Kurs und der Konzentration auf "saubere" Fahrer ihren Kurs mit diesem Erfolg nachdrücklich unterstrichen haben.

Der Held in Tränen

Vor der Siegerehrung zeigte sich der Sensationssieger in Tränen aufgelöst und bedankte sich bei seinen Teamkollegen, nicht ohne ein klares Statement zur Hierarchie in der Mannschaft T-Mobile abzugeben: "Michael Rogers bleibt unser Kapitän. Ich werde in den kommenden Tagen alles geben, um ihm in der Gesamtwertung zu helfen. Michael ist der Mann!" Gleichzeitig verband Gerdemann den Sieg auch mit einem Dank an die Fans und einem Bekenntnis zu einem neuen, sauberen Radsport.

In der Gesamtwertung hat Gerdemann mit einem Vorsprung von 1.24 Minuten auf seinen Verfolger Inigo Landaluze (Euskaltel) und mit 3.39 Minuten auf den ersten Topfavoriten Andreas Klöden (Astana) nun eine ausgezeichnete Ausgangsposition. Fraglich allerdings, wie T-Mobile nun die Strategie aufbaut, schon die kommenden Tage dürften extrem hart für Deutschlands neue Radsporthoffnung werden und das Bekenntnis zum bisher überzeugenden australischen Kapitän Michael Rogers scheint im Moment noch sinnvoll zu sein.

Favoriten bleiben in Lauerstellung

Ein solch beeindruckender Gala-Auftritt wie diese Flucht dürfte für einen Tour-Debütanten nur schwer zu verkraften sein, aber vielleicht verleiht das "magische" Gelbe Trikot Linus Gerdemann neue Kräfte. Die eigentliche Tour-Hoffnung aus deutscher Sicht, Andreas Klöden, quälte sich ebenso wie Alexandre Vinokourov durch diesen Tag, aber die beiden Sturzopfer von Donnerstag bleiben im Favoritenkreis. Unter den Topfavoriten tat sich ohnehin nicht viel, man belauerte sich zum Auftakt der Bergetappen.

Gerdemann ist auch ein Symbol für die "jungen Wilden", mit seinen Teamgefährten und den Nachwuchsfahrern von Gerolsteiner ist eine neue Fahrergeneration herangewachsen, die gleich ein knappes Dutzend junge deutsche Profis umfasst, die an der Schwelle zur Weltklasse stehen, oder wie jetzt Linus Gerdemann und zuvor schon Stefan Schumacher (Gerolsteiner) diesen Sprung bereits geschafft haben. Der deutsche Radsport hat für die Zeit nach Ullrich und Zabel vorgesorgt.

Eine neue Hoffnung

Ein sauberer deutscher Nachwuchsmann gewinnt im Alleingang die erste Alpenetappe und holt das Gelbe Trikot - ein Traum für den gebeutelten deutschen Radsport. Gerdemann taugt als Aushängeschild einer neuen Generation, nur die - sich aufdrängenden - Vergleiche mit dem jungen Jan Ullrich, dem begabtesten Fahrer der vorherigen Generation, mag man heute nicht mehr ziehen.

Gerdemann galt lange als unangepasstes "Enfant Terrible", der früh (im Team CSC) Profi wurde und dessen Wechsel zu T-Mobile von allerlei Misstönen begleitet wurde. Zu gleich ist der Münsteraner aber auch eine erfrischende Erscheinung, ein Fahrer, der Hoffnung gibt für die Zukunft. Zunächst bestimmt der Münsteraner aber die Gegenwart - im Gelben Trikot auf der achten Etappe der Tour 2007.

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