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Tour de France: Triumph für die Ewigkeit

Lance Armstrong hat zum siebten Mal in Folge die Tour de France gewonnen und damit seine Ausnahmestellung in der Radsportgeschichte zementiert. Jan Ullrich wurde Dritter. Den letzten Etappensieg sicherte sich Alexander Winokurow.

Spätes Happyend für Jan Ullrich, perfekter Abschied für den Jahrhundert-Sportler Lance Armstrong und ein überraschender Prestige-Erfolg von Alexander Winokurow zum Abschluss: Über eine Viertelmillion Zuschauer erwiesen dem siebenfachen Rekordsieger Armstrong, der sich gestern vor Ullrich seinen einzigen Etappensieg gesichert hatte, zum Tour-Finale die Ehre. Der T-Mobile-Kapitän freute sich nach dem Défilée auf dem regennassen Prachtboulevard Champs Elysées über seinen dritten Platz im Gesamtklassement 6:12 Minuten hinter Armstrong. Dessen neue Bestleistung könnte Anspruch auf Ewigkeit haben.

Wegen der Sturzgefahr waren bei der Abschlussetappe die letzten sieben Runden der Strecke im Herzen von Paris neutralisiert, und die Gesamtwertung stand schon 52 Kilometer vor der eigentlichen Zieldurchfahrt fest. Vor Paris waren bereits drei Armstrong-Helfer zu Fall gekommen und ihr Chef konnte nur mit Mühe einen Sturz verhindern. Die 21. und letzte Etappe der 92. Tour de France gewann überraschend Alexander Winokurow, der seinen zweiten diesjährigen Tagessieg feierte. Er hatte sich kurz vor dem Ziel abgesetzt. Der Norweger Thor Hushovd sicherte sich das Grüne Trikot des Punktbesten, ohne einen Etappensieg zu landen.

Ivan Basso aus Italien (4:40 zurück) wurde auf Platz zwei im Gesamtklassement zum Kronprinzen des Texaners und scheint damit erster Anwärter auf die Armstrong-Nachfolge 2006. "Ivan ist der Favorit der kommenden Jahre", sagte der 33-jährige Frührentner Armstrong, der wie angekündigt seine einzigartige Karriere beendete. "Eine Ära geht zu Ende", sagte Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc zum Armstrong-Abschied, den viele wegen der drückenden Dominanz herbeisehnten.

Jan Ullrich scheiterte zwar auch im fünften Versuch, Armstrong vom Thron zu stoßen, strahlte aber über das ganze Gesicht. "Nach meinen zwei Stürzen bin ich mit dem dritten Platz sehr zufrieden. Ich habe alles gegeben", sagte Ullrich, der den Rekordsieger beim gestrigen Zeitfahren über 55,5 Kilometer in St. Etienne mit 23 Sekunden sehr nah auf den Pelz der Tageswertung gerückt war. Mit seiner starken Leistung im Kampf gegen die Uhr sicherte Ullrich nach Rang vier im Vorjahr diesmal wenigstens das Podium.

Er verdrängte den Dänen Mickael Rasmussen, der am Samstag eine unglaubliche Pechsträhne hatte. Der Gewinner des Bergtrikots stürzte zwei Mal und erlitt drei Defekte. Im Ziel des anspruchsvollen Parcours, den Armstrong mit einem Stundenmittel von 46,4 zurücklegte, war Rasmussen von Rang drei auf Platz sieben im Gesamtklassement zurückgefallen und hatte von Ullrich 7:24 Minuten kassiert. In St. Etienne hatte Ullrich, wie die französische Sportzeitung "L’Équipe" schrieb, "sein Gesicht gewahrt".

Für die Zukunft gab ihm der scheidende Armstrong, der sich auf der letzten Etappe von Corbeil-Essones nach Paris mit Handschlag von allen sportlichen Leitern in den Team-Fahrzeugen verabschiedete und während der Fahrt auch ein Gläschen Champagner nicht ausschlug, einen Tipp: "Ein bisschen weniger Gewicht und ein wenig mehr Form - dann könnte Jan noch mehr als einmal die Tour gewinnen." Ullrich dankte für den Ratschlag mit säuerlichem Lächeln und kündigte an: "Ich fahre noch so lange die Tour, bis ich sie noch einmal gewonnen habe." Er hat noch ein Jahr Vertrag bei T-Mobile.

Von den 16 deutschen Tourstartern erreichten bis auf den gestürzten Andreas Klöden alle das Ziel. Beide deutschen Teams konnten mit ihrem Auftritt zufrieden sein - T-Mobile, gemessen an den hohen Ansprüchen, allerdings nur bedingt. Georg Totschnig holte für Gerolsteiner einen Etappensieg, und der ehemalige Armstrong-Helfer Levi Leipheimer fuhr auf den fünften Platz vor.

Den wollte ihm Winokurow beim ersten Zwischensprint am Standort des Anti-Doping-Labors Chatenay-Chalabry allerdings noch streitig machen. Dem Kasachen fehlten aber entscheidende Zehntelsekunden aus dem Zeitfahren, um mit dem Amerikaner, Zweiter im Zwischensprint, den Platz zu tauschen. T-Mobile gewann wie im Vorjahr die Teamwertung vor Discovery Channel und holte durch Winokurow und Giuseppe Guerini drei Etappensiege. Dazu durfte Ullrich auf die unterste Stufe des Siegerpodests klettern. 155 von 189 gestarteten Fahrern erreichten Paris.

Armstrongs erste Gratulanten in Paris waren seine drei Kinder und seine Lebensgefährtin, Rocksängerin Sheryl Crow. Zur standesgemäßen Feier im feinen Hotel Ritz wird Armstrong auch vom gescheiterten demokratischen Präsidentschafts-Kandidaten John Kerry begleitet. Auch Ullrich ist zur Abschieds-Gala des geheilten Krebspatienten eingeladen, musste aber wegen seines überfüllten Terminkalenders absagen. T-Mobile feiert auf einem Schiff auf der Seine.

Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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