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Tourneesieg: "Schweiger" Ahonen triumphiert

Janne Ahonen hat die 51. Vierschanzentournee vor Titelverteidiger Sven Hannawald gewonnen. Der 25 Jahre alte Finne besiegelte seinen zweiten Tourneesieg mit dem vierten Platz beim Abschlussspringen in Bischofshofen.

Der Tourneesieg war ihm nicht einmal eine Feier wert. Lediglich mit einem schelmischen Grinsen und viel innerer Genugtuung nahm Janne Ahonen am Montag in Bischofshofen den Hauptpreis für seinen zweiten Gesamtsieg in Empfang. Die Luxuskarosse im Wert von 70 000 Euro ist der Lohn für die stabilste Leistung auf den Schanzen zwischen Oberstdorf und Bischofshofen. Darauf hatte der Finne hingearbeitet. Ohne Rücksicht auf die ungeschriebenen Gesetze der Tournee, nach denen der Spitzenreiter stets ein gefeierter und feiernder Athlet sein sollte.

Ahonen passt nicht in das Bild des Medienstars. Schon früh bekam der wortkarge Springer den Beinamen «Schweiger». Auf Pressekonferenzen spricht der 25-Jährige kaum mehr als drei Sätze. Offiziell begründet wird dies mit seinem schlechten Englisch, doch es scheint zur Strategie zu gehören. «Je weniger er sagt, um so interessanter macht er sich. Da er aber nichts und niemanden an sich heran lässt, kann er in Ruhe arbeiten», sagt der Österreicher Martin Höllwarth respektvoll.

Skispringen bedeutet Ahonen fast alles. Er beendete nach nur neun Jahren die Schule vorzeitig, um sich ganz auf den Sport zu konzentrieren. Dort sucht der 1,82 m große Athlet die Perfektion. Der passionierte Maler liebt Schanzen mit geringer Anlaufgeschwindigkeit, da er dort seine Technik und Kraft besser ausspielen kann. Gemeinsam mit Trainer Ari Saukka feilt er an der Verbesserung seiner Sprünge. Dafür erhält der Coach 15 bis 20 Prozent der Preisgelder.

Privat ist Ahonen dagegen eher der Genussmensch, ohne jedoch mit dem flatterhaften Matti Nykänen vergleichbar zu sein. Mit Ehefrau Tiia und dem 14 Monate alten Sohn Mico bezog er vor wenigen Wochen ein teures Eigenheim an einem See bei Lahti. Seine Leidenschaft ist die Geschwindigkeit. Mit einem BMW M5 und einer Kawasaki ist er oftmals schneller als es die Polizei erlaubt, erzählen finnische Journalisten.

Mindestens noch bis 2006 will der einst als «Mann mit der Maske» bekannt gewordene Finne auf Weitenjagd gehen. Denn die ganz großen Erfolge bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen blieben ihm bisher meist versagt. So stehen neben der WM-Goldmedaille von der Normalschanze in Trondheim 1997 und zwei Titeln mit der Mannschaft 1995 und 1997 nur 14 Weltcup-Siege und nun zwei Tournee-Erfolge in seiner Biografie. Doch der durch sein geregeltes Familienleben auch psychisch stärker gewordene Ahonen ist in der Form dieses Winters immer ein Sieg-Anwärter.

Gerald Fritsche und Eric Dobias / DPA

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