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Turin: Doping-Razzia in Österreichs Quartieren

Österreichische Sportler sind in Turin Ziel einer Doping-Razzia geworden. Grund für die einmalige Aktion bei Olympischen Spielen war offenbar ein konkreter Verdacht. Im österreichischen Lager rief die Untersuchung zu nächtlicher Stunde große Verärgerung hervor.

Mehrere österreichische Teilnehmer der Olympischen Spiele in Turin sind ins Visier der Doping-Fahnder geraten. Die italienische Polizei durchsuchte die Quartiere der Biathleten und Langläufer am späten Samstagabend nach verbotenen Substanzen. 15 Sportler - allesamt Männer - mussten sich unangekündigten Dopingtests unterziehen, Festnahmen gab es jedoch keine. Das teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der Nacht zum Sonntag mit.

"Keiner Schuld bewusst"

Das österreichische Nationale Olympische Komitee kündigte an, gegen diese bei Olympischen Spielen einmalige Polizeiaktion offiziell protestieren zu wollen. Weitere Einzelheiten sollten heute Mittag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden. "Wir stehen alle unter Schock. Ich habe nicht begriffen, was sie gesucht haben", sagte Markus Gandler, Technischer Direktor der nordischen Skiläufer Österreichs. Der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees, Heinz Jungwirth, sagte, die Athleten seien sich keiner Schuld bewusst. "Sie haben nichts falsches getan."

Anlass für die Doping-Kontrollen und Razzien ist dem IOC zufolge der Verdacht, dass sich in den Quartieren der Langläufer und Biathleten möglicherweise der für die Spiele in Turin gesperrte Betreuer Walter Mayer aufgehalten hat. Der Coach von Christian Hoffmann war vom IOC wegen seiner Verstrickung in die Doping-Affäre um die österreichischen Langläufer 2002 in Salt Lake City bis zu den Spielen 2010 gesperrt worden. Im Quartier der Sportler waren nach den Spielen vor vier Jahren Blutbeutel und Injektionsnadeln gefunden worden. Nach einer Klage vor Gericht war Mayer erst kürzlich freigesprochen worden und arbeitete seitdem wieder für den Österreichischen Skiverband.

Rechtfertigung für hartes Durchgreifen

Beim Versuch, die Langläufer aus Österreich unmittelbar vor den Winterspielen in Turin zu kontrollieren, habe man keine Sportler angetroffen, sei dafür aber auf Mittel für Blutdoping gestoßen, erklärte der Chef der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) Richard Pound. Den Fund habe man mit dem Namen Mayer in Verbindung bringen können und erfahren, dass sich der Coach mit dem österreichischen Team in Italien aufhalte. "Wir waren besorgt, dass dort irgendetwas im Gange ist", erläuterte Pound.

Die Betreuer und das Personal durften die Räume in ihren Unterkünften während der Durchsuchung nicht verlassen. "Das habe ich noch nie erlebt. Wir haben uns noch über die Springermedaillen gefreut, und dann stehen plötzlich 30 Leute vor der Tür", schilderte Biathlon-Direktor Markus Gandler die Razzia im ORF.

Bisher 500 Doping-Kontrollen

Das IOC hat nach eigenen Angaben bei den Spielen in Turin bislang rund 500 Doping-Kontrollen angeordnet, die meisten davon ohne vorherige Ankündigung.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

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