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TV-Vermarktung: "Es gibt mit Ausnahme von Premiere nur Gewinner"

Die DFL hat die Bundesliga-Fernsehrechte im "Free-TV'"-Bereich an die ARD vergeben. Die "Pay-TV"-Rechte gingen an die Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media. Verlierer des Tages ist somit Premiere, Gewinner sind die Fans. Denn schon jetzt steht fest: Bezahlfußball wird künftig günstiger.

Die Fußballfans können auch in den kommenden drei Jahren die Zusammenfassung der Bundesliga am Samstag in der "Sportschau" sehen. Der Ligaverband vergab die wichtigsten Free-TV-Rechte am Mittwoch erneut an die ARD. Die Pay-TV-Rechte erhält ein Konsortium um Kabel Deutschland, der bisherige Partner Premiere geht hingegen leer aus. Neu im Spielplan ist die Wiedereinführung eines Spiels der 1. Liga am Freitag. Das gab der DFL-Vorsitzende Werner Hackmann am Mittwoch bekannt.

Insgesamt kassieren die 1. und 2. Bundesliga in drei Jahren 1,26 Milliarden Euro. Laut Hackmann sind dies rund 420 Millionen Euro pro Jahr. Die bisherigen Einnahmen aus der Vermarktung der so genannten audiovisuellen Verwertungsrechte lagen bei 300 Millionen pro Saison. Außer der "Sportschau" in der ARD werden die Bundesligaspiele auch weiterhin im ZDF-"Sportstudio" und im Deutschen Sportfernsehen gezeigt.

Bezahlfußball wird günstiger

"Es gibt mit Ausnahme von Premiere nur Gewinner", kommentierte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder. Und es scheint, als ob Fußball gucken für den deutschen Fan tatsächlich billiger und vielfältiger empfangbar wird. Eva Kröger, Sprecherin des Kabelnetzbetreibers Unity Media, der die Verwertungsrechte für die Bundesliga-Saison 2006/2007 gekauft hat, sagt: "Es wird in jedem Fall günstiger als bei Premiere. Genaue Vertragskonditionen sind noch nicht klar, dafür ist es zu noch zu früh." Nicht mal einen neuen Decoder muss sich der Fußball-Fan anschaffen. "Wir arbeiten mit dem gleichen Verschlüsselungssystem. Es ist noch zu klären, ob der Abonnent eine neue Smartcard zugeschickt bekommen wird oder ob die bestehende benutzt werden kann", sagt Kröger.

Für Unity Media ist der Erwerb der Übertragungsrechte eine strategische Entscheidung: "Als Kabelnetzbetreiber wollen wir möglichst viele Leute ins digitale Fernsehen locken", so Kröger. Zusätzlich könnte der Fußball-Fan demnächst sogar die Spiele live auf dem Computer verfolgen, denn die Internet-Rechte sind an die Deutsche Telekom vergeben worden. Was für Premiere-Chef Georg Kofler ein Grund war, den Deal nicht abzuschließen, - "bevor wir einen schlechten Deal machen, machen wir lieber keinen", sagte Kofler -, sieht man bei Unity Media nicht als Problem: "Das ist ein Szenario, dass uns bewusst ist. Aber man muss schon einen verdammt schnellen Internetanschluss haben, um sich Fußball auf dem Computer anzusehen", so die Sprecherin der Unity Media.

Premiere ist der große Verlierer

Nach dem Verlust der Bundesliga Pay-TV-Rechte ist die Aktie des Abo-Senders Premiere um mehr als 38 Prozent eingebrochen. Kurz nach der Entscheidung fiel das Papier auf das Rekordtief von 14,50 Euro. Die Bundesliga- Übertragungen waren bisher einer der wichtigsten Pfeiler für das Geschäft von Premiere. Zuletzt hatte der Bezahlsender 3,4 Millionen Abonnenten.

"Mit dieser Entscheidung ist Premiere vor eine gravierende Zerreißprobe gestellt", sagte Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Es sei nun schwierig einzuschätzen, wie der faire Wert der Aktien sei. So gebe es etwa keine genauen Angaben darüber, wie viele Kunden durch den Verlust der Rechte verloren gingen. "In jedem Fall wird es zu einer Neubewertung kommen".

"Schwerer Schlag für Premiere"

Ein Medien-Analyst sprach von einem "schweren Schlag für das Prestige von Premiere". Die Zahl der Abonnenten dürfte "drastisch zurückgehen". Frankfurter Händler sprachen von einer "sehr schlechten Nachricht" oder gar einem "Desaster" für Premiere. Premiere hatte zwar mehr Geld geboten, verlangte aber mehr Exklusivität und eine Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen nicht vor 22.00 Uhr.

kbu mit Material von DPA

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