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Wimbledon: "Comeback-Queen Serena" und "King Roger"

Die 126. All England Championships prägten in diesem Jahr zwei Ü-30-Spieler: Serena Williams und Roger Federer. Andy Murray konnte den Wimbledon-Fluch der britischen Tennisprofis nicht beenden.

Die Tennis-Ära von Roger Federer und Serena Williams schien schon zu Ende. Nun haben es die beiden 30-Jährigen noch einmal allen gezeigt und in Wimbledon triumphiert. "King Roger" holte mit seinem siebten Titel Rekordsieger Pete Sampras ein und eroberte den Tennis-Thron zurück. Zugleich ließ er am Sonntag beim 4:6, 7:5, 6:3, 6:4-Sieg gegen Andy Murray die britischen Träume zerplatzen auf den ersten heimischen Champion seit Fred Perry 1936.

Tags zuvor hatte "Comeback-Queen" Williams mit 6:1, 5:7, 6:2 gegen die Polin Agnieszka Radwanska ihren fünften Wimbledon-Titel geholt. Es war ihr erster Grand-Slam-Titel nach einer "unglaublichen Reise", nach zwei Seuchenjahren mit zwei Fußoperationen und einem lebensbedrohlichen Blutgerinnsel in der Lunge im Frühjahr 2011.

Für Williams war der Erfolg ebenso emotional wie für Federer. "Das ist ein magischer Moment für mich. Ich habe niemals aufgehört, an mich zu glauben", sagte der überglückliche Federer vor den Augen seiner zwei Zwillingstöchter Charlene und Myla (fast 3).

Rekordmann Federer - "Murray-Mania" hilft nicht

Sieben Titel bei dem berühmtesten Tennisturnier erreichte vor dem siebzehnfachen Grand-Slam-Rekord-Turniersieger Federer in der "Open Era" bisher nur der 2002 zurückgetretene Pete Sampras. Der fast 31-jährige Schweizer egalisiert noch eine weitere Sampras-Bestmarke: Er beginnt am Montag - nach über zwei Jahren Abstinenz vom Tennis-Thron - seine 286. Woche an der Spitze des ATP-Rankings - und ist damit nun gemeinsam mit Sampras der Rekord-Weltranglisten-Erste.

Bitter enttäuscht wurden dagegen die Hoffnungen der Briten: Murray, erster britischer Finalist seit 1938, konnte den seit Fred Perrys Triumph existierenden Fluch der Lokalmatadoren nicht überwinden - trotz aller "Murray-Mania". Über der Downing Street No. 10 wehte extra statt des Union Jack die schottische Saltire-Flagge. Dem Boulevard-Blatt "Sun" lag eine "Andy-Gesichtsmaske" bei. Auch das Daumendrücken der VIP-Tribünen-Gäste wie David Beckham und Hobby-Tennisspielerin Herzogin Kate samt Schwester Pippa war vergebens.

Murray musste bei der Siegerehrung mehrfach das Mikro absetzen und wurde von seinen Tränen übermannt: "Jeder sagt immer, wie groß der Druck ist, hier in Wimbledon zu spielen - aber das liegt nicht an den Zuschauern - die Unterstützung war unglaublich!", sagte der 25 Jahre alte Schotte, für den - wie in der Spielerkarriere seines Trainers Ivan Lendl - der Wimbledon-Traum (vorerst) unerfüllt bleibt. Als fairer Verlierer gab er schmunzelnd ein Kompliment an Federer: "Gar nicht so schlecht für einen 30-Jährigen."

14. Grand-Slam-Titel für Serena Williams

Federer und Williams wurde der Erfolg jeweils mit einem dicken Preisgeldscheck über 1,15 Millionen Pfund (1,45 Mio. Euro) versüßt.

"Oh Gott, ich kann es gar nicht beschreiben - ich bin wieder da und ich bin so glücklich", sagte Williams, bei den French Open noch blamabel in der ersten Runde gescheitert, stolz mit dem berühmten Silberteller im Arm. Einschüchternd war vor allem, wie Williams im Turnierverlauf sensationelle 102 Asse schlug - mehr als jeder Herrenspieler im Turnier. "Sie hat noch nie in ihrer Karriere so gut aufgeschlagen wie in diesem Turnier", meinte Martina Navratilova.

Mit 14 Grand-Slam-Titeln liegt die Kalifornierin in der Frauen-Bestenliste der Profi-Ära auf Platz vier hinter Steffi Graf (22 Titel), Chris Evert (USA/18) und Navratilova (USA/18).

Dass Williams die erste Ü-30-Grand-Slam-Turniersiegerin seit Navratilovas Wimbledon-Sieg 1990 (mit 33) ist, war ihr herzlich egal. "Mental bin ich zwölf", witzelte die fast 31-jährige Williams.

Inga Radel, DPA / DPA

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