Wimbledon Das Märchen ist zu Ende


Am Ende hat es nicht ganz gereicht für Rainer Schüttler. Im Halbfinale von Wimbledon erwies sich die Nummer zwei der Welt, der Spanier Rafael Nadal, als zu stark für den deutschen Tennisprofi. Nur im zweiten Satz konnte Schüttler das Match einigermaßen offen gestalten.

Mit dem Mute der Verzweiflung hat sich Tennis-Oldie Rainer Schüttler gegen die geballte Kraft von Rafael Nadal gestemmt - doch das Traumendspiel zwischen dem Modellathleten aus Spanien und dem fünfmaligen Wimbledon-Gewinner Roger Federer konnte er nicht verhindern.

Nach einer respektablen Leistung und der Abwehr von drei Matchbällen verlor der Korbacher bei den All England Championships in 2:01 Stunden mit 1:6, 6:7 (3:7), 4:6 sein Halbfinale, das er nach einem 5:12 Stunden dauernden Marathon-Match gegen den Franzosen Arnaud Clement sensationell erreicht hatte.

Von Beginn an unter Druck

"Ich bin ein bisschen enttäuscht über den Beginn der Partie", sagte Schüttler, der bei seinem traumhaften Comeback nach langer Durststrecke Nadal nur ärgern konnte. "Ich hatte das Gefühl, eine Wand kommt auf mich zu. Später dachte ich dann: Wow, jetzt geht es los", meinte der Musterprofi, der ein Preisgeld von umgerechnet 236 750 Euro einstrich und in er Weltrangliste wieder in die Top 40 kletterte. "Mit dem zweiten und dritten Satz war ich zufrieden."

Im Finale am Sonntag kommt es auf dem "Heiligen Rasen" zum dritten Gipfeltreffen der beiden besten Tennisspieler nacheinander, weil auch der fünfmalige Champion Federer gegen Marat Safin die Muskeln spielen ließ. Bei seinem 65. Seriensieg auf Gras ließ er dem Russen mit 6:3, 7:6 (7:3), 6:4 nicht den Hauch einer Chance und gab auf dem Weg in sein sechstes Wimbledon-Endspiel wieder keinen Satz ab.

Wie ein Stier in der Arena

"Das war sicher nicht mein bestes Match heute, aber wenigstens musste ich nur drei Sätze spielen", sagte Nadal, der sich bei einem Sturz auf dem rutschigen Rasen das linke Knie blutig aufgeschlagen hatte. "Das ist kein Problem. Sonntag werde ich alles versuchen, auch wenn auf der anderen Seite der beste Spieler der Welt steht."

Bereit zum Kampf wie ein Stier in der Arena trumpfte Nadal auf dem Center Court auf, während sich Schüttler in der ungewohnten Umgebung erst zurechtfinden musste. "Die ersten 15 Minuten war ich gar nicht richtig auf dem Platz", sagte der 32-Jährige. Mit seiner peitschenden Vorhand setzte ihn der Mallorquiner gehörig unter Druck und trieb den Aufsteiger des Jahres von einer Ecke des Platzes in die andere. "Ich wusste gar nicht, was ich tun sollte", sagte der älteste im Turnier verbliebene Spieler, der für seine Fitness berühmt ist und seine übergroße Nervosität im Schnellgang ablegte.

Auf der Tribüne fieberten die eigens aus Hessen eingeflogenen Eltern Karl und Klara wie Trainer Dirk Hordorff und dessen Co-Coach Jan Slocis mit und trauten ihren Augen nicht, als sich der krasse Außenseiter mit Beginn des zweiten Satzes aus der Umklammerung löste. Zum 2:1 schaffte er sogar ein Break, das von den 15 000 Zuschauern im sonnigen London frenetisch gefeiert wurde. "Nur nicht wieder so eine Vernichtung wie in Melbourne gegen Andre Agassi", hatte Hordorff vor dem Match geunkt. Doch sein Schützling ließ sich nicht vom Platz schießen wie 2003 im Finale der Australian Open.

Lob von Boris Becker

"Alle Achtung vor Rainer. Er ist mit seinen 32 Lenzen noch immer einer der fittesten Spieler überhaupt. Und vor allem ist er ein unglaublicher Kämpfer", sagte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker als TV-Kommentator für die BBC.

Die Statistik spreche zwar klar für Nadal, doch erst "muss er Rainer mal schlagen. Und das wird schwer genug, wie das Match zeigt". Der 22 Jahre alte viermalige French-Open-Sieger hatte zwar die letzten drei Vergleiche gewonnen, doch Schüttler erinnerte sich nur an die erste Partie in Basel, wo er 2004 den noch unbekannten Nadal in zwei Sätzen geschlagen hatte.

Nadal ohne Gnade

Doch als es am Freitag ernst wurde, kannte Nadal keine Gnade. Zum 5:5 holte sich der Queens-Sieger das Break zurück und ging bei eigenem Aufschlag - wie immer mit einem Zupfen an der weißen Hose - wieder in Führung. Schüttler gab zwar keinen Ball verloren und bestätigte sein großartiges Comeback nach Jahren der Frustration, doch den Sieg des Topfavoriten konnte er nicht gefährden. Nadal könnte in seinem siebten Grand-Slam-Finale als erster nach Manolo Santana 1966 den Titel ins Land des Fußball-Europameisters holen.

DPA DPA

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