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Wimbledon Kiefer nach Marathon-Match raus


Alle deutschen Tennis-Hoffnungen haben zuletzt auf ihm geruht. Fünf Tage hatte Nicolas Kiefer gegen Novak Djokovic und den englischen Dauerregen gekämpft - vergeblich. Erfolgreicher war dagegen Rafael Nadal.

"Marathon-Mann" Nicolas Kiefer hat das längste Match seines Lebens hauchdünn verloren und die erhoffte Geburtstags-Party auf dem "Heiligen Rasen" verpasst. Nach endlosen Warteschleifen im Regen von Wimbledon um einiges entfernt von seiner sensationellen Comeback-Leistung scheiterte der "letzte Mohikaner" aus dem 14 Tennisprofis starken deutschen Aufgebot am Dienstag im Tiebreak-Krimi der dritten Runde mit 6:7 (4:7), 7:6 (8:6), 2:6, 6:7 (5:7) gegen den Serben Novak Djokovic. Fünf Tage hatte es gedauert, bis die Hängepartie endlich zu Ende gespielt werden konnte, was selbst bei den Regen erprobten All England Championships in London eine Rarität darstellte.

Nervenspiel der Wiederaufnahmen

Auf den Punkt topfit war derweil Rafael Nadal, der nicht weniger lange als Djokovic um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen musste. Stinksauer hatte der Vorjahresfinalist aus Spanien am Abend zuvor auf die neuerliche Unterbrechung seiner Partie gegen den Schweden Robin Söderling reagiert und wütend den kleinen Center Court verlassen. Beim Stand von 4:4 hatte er gerade zum Aufschlag angesetzt, als ihn die sechste Regenunterbrechung an diesem Tag stoppte. Im Nervenspiel der Wiederaufnahme machte der French-Open-Sieger dann aber kurzen Prozess und siegte mit 6:4, 6:4, 6:7 (7:9), 4:6, 7:5. In der Runde der letzten 16 trifft Nadal nun auf den Russen Michail Juschni.

Einen Tag vor seinem 30. Geburtstag war Kiefer völlig von der Rolle, als die Partie um 11.17 Uhr Ortszeit beim Stand von 30:15 aus seiner Sicht im dritten Satz beginnen konnte. Begleitet von heftigen Windböen musste er gleich seinen Aufschlag abgeben und geriet mit 0:3 in Rückstand. Nichts war mehr zu spüren von dem Selbstvertrauen und der Zuversicht des Vortages. Da hatte er binnen 20 Minuten die Partie gedreht und nach einer imponierenden Aufholjagd im Tiebreak den 1:1- Satzausgleich geschafft.

Hart gekämpft und doch verloren

Doch an diesem Mittwoch schien Kiefer mit dem falschen Bein aufgestanden zu sein. Doch nicht nur das: Der an Nummer vier gesetzte Shooting-Star Djokovic machte nun wirklich ernst und leistete sich vor allem sehr viel weniger Fehler als noch in den quälend oft unterbrochenen Spielabschnitten der vergangenen Tage. Und der mit 20 Jahren und 43 Tagen jüngste Akteur im Wettbewerb hatte sich offenbar daran erinnert, dass ihm deutsche Spieler besonders liegen. Auch gegen den fünften verteidigte der French-Open-Halbfinalist seine "weiße Weste". Nächster Gegner ist der Australier Lleyton Hewitt.

Der wie "Phönix aus der Asche" auf die Tour zurückgekehrte Kiefer machte es dem Aufsteiger des Jahres mit dem schwarzen Bürsten- Haarschnitt freilich auch im vierten Durchgang nicht leicht. Die beiden Breakbälle beim Stand von 4:3 für den Daviscupspieler aus Niedersachsen machte Djokovic, der im Münchner Tenniscamp des früheren deutschen Daviscup-Kapitäns Nikola Pilic den Feinschliff erhalten hat, allerdings mit zwei starken Aufschlägen zunichte. Kiefer war nur kurz geschockt und kämpfte sich in den Tiebreak, in dem er allerdings unglücklich den Kürzeren zog.

Einen Dauerspiel-Rekord stellten derweil die Brasilianer Marcelo Melo/Andre Sa in der zweiten Runde des Doppel-Wettbewerbs auf. Mit 28:26 besiegten sie Paul Hanley/Kevin Ullyett aus Australien bzw. Simbabwe, was im Profi-Tennis in Wimbledon bislang ohne Beispiel ist.

Andreas Bellinger/DPA DPA

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