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Wintersport: Greis bei Biathlon-WM dabei

Weil er im Sommer mit den Füßen statt dem Gewehr schoss und sich dabei schwer verletzte, drohte der Traum von der Heim-WM für Michael Greis zu zerplatzen. Seine Form suchte der Biathlet lange vergeblich, die Bundestrainer nominierten ihn trotzdem.

Eine bei einem Freizeit-Kick im Sommer zugezogene Verletzung hätte Michael Greis fast um einen Start bei der Heim-WM der Biathleten in Ruhpolding gebracht. Lange quälte er sich mit der Rekonvaleszenz, verpasste die WM-Norm, wurde aber trotzdem vom DSV nominiert.

Wie oft Michael Greis in den letzten Wochen und Monaten sein "Fremdgehen“ verflucht hatte, ist nicht bekannt. Denn die Folgen eines lockeren Fußballspiels im Sommer drohten dem Biathleten den großen Traum von der Heim-WM in Ruhpolding zu zerstören. Ausgerechnet mitten in der Vorbereitung auf die neue Weltmeisterschafts-Saison hatte sich Greis eine Syndesmose-Ruptur mit knöchernem Ausriss zugezogen und musste die bitteren Konsequenzen tragen: Operation und sechs Wochen Gips.

Greis trainierte zwar wie ein Besessener, um den Rückstand aufzuholen, doch so richtig auf die Beine kam er in der gesamten Weltcup-Saison nicht. Daran, die WM-Norm zu erfüllen, war nicht zu denken. Kein Wunder, dass Greis eine Teilnahme zwischenzeitlich bereits fast abgehakt hatte. "Die Heim-WM war in den letzten Wochen so weit weg. Sie war mir fast egal“, gab er zu. Trotzdem hegte im Stillen eine kleine Hoffnung und die wurde letztlich belohnt. Trotz fehlender WM-Norm nominierten die Bundestrainer den mittlerweile 35-jährigen Routinier doch.

Greis vor WM tiefenentspannt

"Der Olympiasieger hat seinen Formaufbau trotz langer Verletzungspause in dieser Saison rechtzeitig vor dem WM-Start erfolgreich abgeschlossen", begründetet der DSV in einer Pressemitteilung diesen etwas überraschenden Schritt, den Bundestrainer Fritz Fischer folgendermaßen erklärte: "Michi würde nicht mit zur WM fahren, wenn er sich nicht in der Lage fühlen würde, gute Leistungen zu zeigen."

Greis gibt sich derweil optimistisch und tiefenentspannt. "Ich bin auf alle Fälle deutlich besser drauf als in den Wochen zuvor, obwohl ich in den vergangenen Tagen noch ein bisschen Schnupfen bekommen habe", erklärte er. "Für mich ist es ja nicht die erste WM und ich bin stolz darauf, was ich bis jetzt erreicht habe. Andererseits: Wenn ich mich selbst fit fühle, dann ist sicher etwas möglich. Ich möchte ganz bestimmt kein Schaulaufen in Ruhpolding machen."

Zeigen dürfen wird sich Greis wohl im Sprint-Wettkampf. Im Trainingslager in Ridnaun habe er sich schließlich "von einer sehr guten Seite gezeigt", meinte Bundestrainer Uwe Müssiggang und freute sich, dass sein Schützling es "nach seiner langen Leidensgeschichte doch noch geschafft hat".

Neuner, Peiffer und Co. Schauen positiv auf WM

In der Mixed-Staffel, mit der die vierten WM-Titelkämpfe nach 1979, 1985 und 1996 in Ruhpolding beginnen, wird der dreimalige Olympiasieger von 2006 vermutlich nicht eingesetzt. Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer und der dreimalige Saisonsieger Andreas Birnbacher kämpfen zusammen mit Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner und der siebenmaligen Weltmeisterin Andrea Henkel um die ersten Medaillen bei der 45. Biathlon-Weltmeisterschaft. Ein guter Auftakt ist wichtig für die Stimmung.

Neben Greis, Peiffer, Birnbacher, Henkel und Neuner gehören noch Tina Bachmann, Juliane Döll, Miriam Gössner, Franziska Hildebrand, Daniel Böhm, Florian Graf und Simon Schempp zum zwölfköpfigen deutschen Aufgebot. "Mit dem gesamten Team schauen wir positiv auf die WM", sagt Chefbundestrainer Uwe Müssiggang. "Über die genaue Einsatzkonzeption wird erst jeweils kurzfristig vor Ort entschieden", hieß es nüchtern. Durch die Sprint-Siege von Neuner und Peiffer bei der letzten WM dürfen die Gastgeber die ersten beiden Einzelrennen am Samstag mit jeweils fünf Startern bestreiten.

sportal.de / sportal

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