"Mannesmänner" Lehrstunde über die Honorierung von Topmanagern


Deutsche-Bank-Chef Ackermann geriet sein Schlusswort zum Plädoyer über die Berechtigung von Millionenprämien: "Jeder Argwohn von Käuflichkeit und Komplott ist für mich unverständlich."

Als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwoch im Düsseldorfer Landgericht nach fast sechs Monaten Verhandlungsdauer seine persönliche Bilanz des Mannesmann-Prozesses zog, da wurde schnell deutlich, dass sich Deutschlands mächtigster Banker trotz des öffentlichen Aufschreis über die Millionenprämien für Mannesmann-Chef Klaus Esser keiner Schuld bewusst ist. Im Gegenteil: Er hält solche Leistungsanreize nach wie vor für unverzichtbar.

Millionenprämien waren berechtigt

Das Schlusswort geriet dem Schweizer nach 35 Verhandlungstagen zu einer Lehrstunde über die Honorierung von Topmanagern und die Berechtigung von Millionenprämien. "Leistung und Erfolg müssen belohnt werden", dozierte Ackermann in Deutschlands spektakulärstem Wirtschaftsprozess. Monate lang hätten die Mannesmann-Manager gekämpft, bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit - und damit den Aktionären Milliardengewinne verschafft.

Deshalb habe er der umstrittenen 15,9-Millionen-Euro-Prämie für Konzernchef Klaus Esser und weiteren Prämien für dessen Team zugestimmt. "Die Prämien waren angemessen, egal nach welcher Grundlage man sie berechnen will", sagte der Manager. Er wünsche sich, "dass es sich auch in Zukunft lohnen darf, für die Wertsteigerung eines Unternehmens zu kämpfen", betonte Ackermann.

Völlig von sich überzeugt

Das Selbstbewusstsein, ja des Sendungsbewusstsein des Managers war dabei unübersehbar. Sechs Monate lange musste der Banker ein bis zwei Mal in der Woche auf der Anklagebank im Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts Platz nehmen, statt in seinem Frankfurter Büro Bilanzen zu studieren oder in New York Geschäfte einzufädeln.

Doch dem Urteil am Donnerstag kommender Woche kann er - wie die anderen Angeklagten - mit einiger Zuversicht entgegensehen. Hatte doch die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer Ende März in einem Rechtsgespräch erklärt, nach Einschätzung des Gerichts seien die Millionenabfindungen für Esser und andere Mannesmann-Manager zwar ausnahmslos aktienrechtlich unzulässig. Strafrechtlich sei dies aber nicht relevant.

Esser will öffentliche Rehabilitierung

Ähnlich zuversichtlich wie Ackermann wirkten am vorletzten Verhandlungstag auch die anderen Angeklagten. Mannesmann-Chef Esser appellierte an das Gericht, mit seinem Urteil bei seiner öffentlichen Rehabilitierung zu helfen. "Für Mannesmann zu arbeiten, war meine Aufgaben und meine Leidenschaft. Kein falscher Vorwurf kann verletzender sein, als zu sagen, ich hätte nicht loyal für das Unternehmen, seine Aktionäre und die Mitarbeiter gearbeitet", sagte Esser. Er habe sich stets nach den Regeln guter Unternehmensführung gerichtet.

Der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickeln beteuerte, für ihn sei es schmerzlich, als Angeklagter vor Gericht zu stehen: "Ich bin absolut sicher, dass keiner der Beteiligten gegen geltendes Recht verstoßen hat." Auch der Ex-Aufsichtsratschef von Mannesmann, Joachim Funk, erklärte, er rechne mit einem Freispruch. Dennoch sei das Verfahren eine Zäsur in seinem Leben. "Was bleibt, ist die persönliche Beschädigung in der Öffentlichkeit."

Für einen Freispruch erster Klasse

Esser-Anwalt Sven Thomas kämpfte unterdessen bis zur letzten Minute darum, auch den strafrechtlich folgenlosen Vorwurf eines Verstoßes gegen das Aktienrecht aus der Welt zu schaffen. Die umstrittene Erfolgsprämie in Höhe von 15,9 Millionen Euro für Esser "war aktienrechtlich und ökonomisch richtig", sagte Thomas. Schließlich hätten die Mannesmann-Aktionäre während der Vorstandstätigkeit Essers einen Gewinn von 150 Milliarden Euro erzielt und der innere Wert des Unternehmens habe sich nachhaltig um 100 Milliarden Euro erhöht. Das Aufsichtsratspräsidium habe deshalb mit der Gewährung der Prämie im Rahmen seines unternehmerischen Ermessens gehandelt. Der Star-Anwalt will einen Freispruch erster Klasse.

Erich Reimann, AP AP DPA

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