HOME

2900 Stellen gestrichen: "Air France"-Manager müssen vor wütenden Mitarbeitern fliehen

Sie wollten zusammenkommen, um über einen neuen Sparplan zu diskutieren. Doch das Treffen von Konzernführung und Betriebsrat bei Air France endete im Chaos. Am Ende retteten der Direktor und seinem Personalchef nur knapp ihre Haut.

Sicherheitsbeauftragte helfen den Air France-Managern Xavier Broseta (r.) und Pierre Plissonnier über den Zaun

Sicherheitsbeauftragte helfen den Air France-Managern Xavier Broseta (r.) und Pierre Plissonnier über den Zaun

Der Streit um einen neuen Sparplan bei der französischen Fluggesellschaft Air France ist in Gewalt umgeschlagen. Aufgebrachte Air-France-Mitarbeiter stürmten am Montag in Paris ein Treffen von Konzernführung und Betriebsrat und attackierten mehrere Unternehmensverantwortliche, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der Personalchef der Fluggesellschaft sei dabei beinahe "gelyncht" worden, sagte ein Gewerkschaftsvertreter. Die französische Regierung verurteilte die Attacken scharf.

Demonstranten rissen in dem Tumult Air-France-Personalchef Xavier Broseta das Hemd ab, sie riefen dabei "ausziehen" und "Rücktritt". Der Spitzenmanager musste von Sicherheitsleuten evakuiert werden. Attackiert wurde auch der Manager Pierre Plissonnier, der bei Air France für Langstreckenflüge zuständig ist. Sein Hemd wurde vollkommen zerrissen. Bei seiner Flucht musste der Manager über einen Zaun klettern. Die französische Fluggesellschaft verurteilte die "physische Gewalt" gegen ihre Manager und kündigte Anzeigen an.

Air-France-Personalchef Xavier Broseta wird von einem Bodyguard durch die wütende Menge geleitet.

Air-France-Personalchef Xavier Broseta wird von einem Bodyguard durch die wütende Menge geleitet. Zuvor rissen ihm Demonstranten das Hemd vom Leib.

Auch Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte die Angriffe. Der Sozialist zeigte sich bei einer Japan-Reise "schockiert" über die "inakzeptable Gewalt" und sprach der Air-France-Spitze seine Unterstützung aus. Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies forderte Strafen für die Verantwortlichen der Gewalt.

Demonstranten stürmen Betriebsratssitzung

Die Konzernleitung war am Montagmorgen mit dem Air-France-Betriebsrat zusammengekommen, um die Belegschaft über einen neuen Sparplan zu informieren. Dieser bedroht 2900 Arbeitsplätze - 300 Piloten, 900 Flugbegleiter und 1700 Mitarbeiter des Bodenpersonals.

Zwischen 1000 und 1500 Demonstranten versammelten sich zeitgleich vor der Konzernzentrale nahe des Hauptstadtflughafens Charles de Gaulle, um gegen die geplanten Sparmaßnahmen zu protestieren. Hunderte von ihnen stürmten dann die seit rund einer Stunde laufende Betriebsratssitzung. Air-France-Chef Frédéric Gagey flüchtete aus dem Sitzungsraum, Broseta und Plissonnier wurden angegriffen. Das Treffen wurde abgebrochen.

Auch Manager Pierre Plissonnier musste über den Zaun flüchten.

Auch Manager Pierre Plissonnier musste über den Zaun flüchten

Air France ist in Europa durch Billigflieger und bei Langstreckenflügen durch die Konkurrenz von Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten unter Druck geraten. Mit dem Sparplan "Perform 2020" wollte die Fluggesellschaft wieder wettbewerbsfähiger werden, Verhandlungen mit den Piloten-Gewerkschaften scheiterten aber. Vergangene Woche gab der Verwaltungsrat des Konzerns daher grünes Licht für einen alternativen Sparplan.

Kürzungen betrifft vor allem Langstreckenflüge

Air France setzt bei den möglichen 2900 Stellenstreichungen auf freiwillige Abgänge, schließt aber auch Entlassungen nicht aus. Im Zuge eines vorherigen Sparplans wurden bei Air France zwischen 2012 und Ende 2014 bereits 5500 Stellen gestrichen.

Gekürzt werden soll insbesondere das Angebot von Langstreckenflügen. 2016 sollen fünf Flugzeuge aus der Langstreckenflotte abgezogen werden, 2017 dann neun weitere. Bei 22 Verbindungen soll die Zahl der angebotenen Flüge reduziert werden.

Gegen die Sparpläne der Konzernleitung machten am Montag drei Gewerkschaften auch mit einem Streik mobil. Dieser hatte aber nur wenig Auswirkungen auf den Flugverkehr: Die Fluggesellschaft wollte keine Flüge streichen und rechnete lediglich mit Verspätungen.

jek / AFP