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"Banking on Climate Chaos 2021" Nach Paris-Abkommen: Große Banken sollen Billionen Dollar in Öl, Gas und Kohle gesteckt haben

Das Kohlekraftwerk Mehrum in Hohenhameln, Niedersachsen
Die Finanzierung fossiler Brennstoffe sei im vergangenen Jahr höher gewesen als noch 2016 – trotz Corona (Symbolbild)
© Julian Stratenschulte / DPA
Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens schworen sich fast alle Staaten der Welt auf den Kampf gegen die Erderwärmung ein. Jetzt, mehr als vier Jahre später, enthüllt ein Bericht: Statt in erneuerbare Energien haben die größten Banken der Welt massiv in fossile Brennstoffe investiert. Auch deutsche Banken seien dabei gewesen.

Laut einem kürzlich veröffentlichtem Bericht haben die 60 größten Banken der Welt seit Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2016 umgerechnet mehr als 3,2 Billionen Euro zur Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasunternehmen breitgestellt. Der Bericht "Banking on Climate Chaos 2021" wurde von einem Verbund gemeinnütziger Organisationen erstellt und wird nach eigenen Angaben von mehr als 300 Organisationen aus 50 Ländern unterstützt. Auch deutsche Kreditinstitute sollen Milliarden in fossile Brennstoffe gesteckt haben.

"Alarmierende Diskrepanz"

Damit der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie im Übereinkommen von Paris vorgesehen "deutlich unter 2°C" bleibt, muss die Nutzung fossiler Brennstoffe gegenüber erneuerbaren Energien massiv gesenkt werden. Laut dem vom "Rainforest Action Network" (RAN) veröffentlichtem Bericht ist jedoch das genaue Gegenteil eingetreten. Der Bericht dokumentiere "eine alarmierende Diskrepanz zwischen dem globalen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel und den fortgesetzten Praktiken der größten Banken der Welt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Zwar seien unter den 60 analysierten Geldinstituten nur 13 US-amerikanische und kanadische Banken gelistet. Diese seien aber für fast die Hälfte der fossilen Finanzierung verantwortlich. Spitzenreiter sei dabei JPMorgan Chase, die sich noch kürzlich dazu verpflichtet hätte, ihre Finanzierungsstrategie mit dem Pariser Abkommen in Einklang zu bringen.

Insgesamt 17 der untersuchten Banken hätten sich verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Hierzu hätten einige der Kreditinstitute die Finanzierung von Kohleunternehmen blockiert – allerdings gingen zwei Drittel der Gelder stattdessen an Öl- und Gasunternehmen. "Unsere Zukunft geht dorthin, wohin das Geld fließt, und im Jahr 2020 haben diese Banken Milliarden investiert, um uns in ein weiteres Klimachaos zu stürzen", sagte Analyst Lorne Stockman, dessen Organisation "Oil Change International" den Bericht mitverfasst hat.

Corona-Desinfektion in China (Symbol)

Geld fließt weiter – trotz Corona

Aber auch deutsche Banken tauchen in diesen Top-Listen auf. Die Deutsche Bank habe seit 2016 mehr als 63 Milliarden, die Commerzbank mehr als 10 Milliarden Euro für die Finanzierung fossiler Energiewirtschaft bereitgestellt. Auch die Coronapandemie habe der immensen Kreditvergabe kaum einen Riegel vorschieben können. Demzufolge haben die größten Banken selbst im Pandemie-bedingten Krisenjahr 2020 mehr Geld in fossile Brennstoffe gepumpt als noch 2016.

Zwar sei die Gesamtfinanzierung 2020 um neun Prozent gesunken. Die Finanzierung der 100 Unternehmen mit den weitreichendsten Expansionsplänen für fossile Brennstoffe sei jedoch um ein Zehntel gestiegen. "Banken liefern den finanziellen Sauerstoff, der die fossile Brennstoffindustrie atmen lässt", sagte Mark Campanale vom Finanz-Thinktank Carbon Tracker laut dem "Guardian". Die Banken sollten sich das nächste Mal, wenn sie Steuerzahler um eine Rettungsaktion bitten, nicht wundern, wenn ihnen der Rücken zugekehrt wird, so Campanale weiter.

Quellen: Bericht "Banking on Climate Chaos 2021"; Pressemitteilung RAN; "The Guardian"; "CNBC"


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