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Kalifornien Cannabis – wie die Legalisierung die kleinen Bauern ruiniert

2016 stimmten die Wähler dafür, Weed in Kalifornien zu legalisieren. Doch die Hoffnungen der Bauern haben sich nicht erfüllt.
2016 stimmten die Wähler dafür, Weed in Kalifornien zu legalisieren. Doch die Hoffnungen der Bauern haben sich nicht erfüllt.
© Richard Vogel/ / Picture Alliance
Kalifornien hat das "Weed" legal gemacht. Doch die Bauern profitieren nicht. Vorschriften, Gebühren und Großbetriebe verdrängen gnadenlos die traditionellen Kleinbetriebe. 

In einigen Staaten der USA sind Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis inzwischen legal, so auch in Kalifornien. Viele "Kleinbauern" hofften, mit dem Anbau von Hanf ein legales und gutes Einkommen zu erzielen. Manche von ihnen hatten bereits Erfahrungen und wechselten nur von Illegalität in das legale Geschäftsleben.

Nun sehnen sie die Zeit wieder herbei, als sie zwar Gefahr liefen, im Gefängnis zu enden, dafür aber gutes Geld verdienten. Die Hasch-Farmer ereilt das gleiche Schicksal wie andere bäuerliche Kleinbetriebe. Immer strengere und kostspielige Auflagen und die Konkurrenz von Big-Agrar drängen die Pioniere an den Rand.

Das berichtet die "Los Angeles Times" in einer ganzen Reihe von Artikeln. Johnny Casali landet nicht mehr im Gefängnis wie in den 1990er Jahren, als man ihn acht Jahre einsperrte, aber heute würde die Regierung seinen Lebensunterhalt bedrohen, sagte er dem Blatt. Der Staat habe ein umfangreiches System von Steuern, Gebühren und Vorschriften eingeführt, um Leute wie ihn zu kontrollieren. Die Vorschriften seien strenger als in jedem anderen Agrarsektor, gleichzeitig stürzen die Preise wegen des Überangebots ab. "Sind wir Kleinbauern zum Scheitern verurteilt? Das ist meine größte Angst. Das ist der zweite Teil des Krieges gegen die Drogen".

Starke Regulierung

Die absurde Folge: Viele Bauern, die die Gebühren und Steuern nicht aufbringen können, gehen wieder in die Illegalität. Die Überregulierung führt dazu, dass die Bauern Anbau- und Verbrauchssteuern entrichten müssen. Lizenzgebühren wollen bezahlt werden. Und dazu kommen eher schikanöse Vorschriften. Etwa, wenn jede einzelne Pflanze gewogen und dokumentiert werden muss, oder die Verschattung verboten wird, mit der die Bauern ihre Pflanzen vor zu viel Licht schützen.

Inzwischen kommen die legalen Kleinbauern von zwei Seiten unter Druck. Der illegale "Schwarz"-Anbau umgeht Steuern und Auflagen komplett. Und auch riesigen Großbetrieben fällt es leichter, die staatlichen Auflagen zu erfüllen. Großbetriebe sind in Kalifornien eigentlich nicht erlaubt. Pro Lizenz darf nur eine gewisse Fläche bearbeitet werden. Da man aber mit einer geschickt gewählten Geschäftsstruktur beliebig viele Lizenzen clustern kann, ist das Verbot in der Praxis nichts wert. Die handwerklichen Kleinbetriebe treten gegen Unternehmen an, die Marihuana wie Mais anbauen und den Stoff lastwagenweise in den Markt bringen.

Verluste und hohe Abgaben

Casali und seine Partnerin machten im vergangenen Jahr etwa 130.000 Dollar Verlust. Doch der Bezirk verdient mit zahlreichen Abgaben prächtig an ihnen. Viele Lokalpolitiker dachten, mit dem Marihuana-Anbau eine Art Goldesel entdeckt zu haben. Der Zeitung klagt Brian Roberts von Homestead Collective Weed Co., dass er fast 25.000 Dollar überweisen müsse, noch bevor er überhaupt eine einzige Pflanze anbauen darf. Das sei "großartig für den Bezirk, aber es hat die gesamte Cannabisindustrie von Humboldt County getötet." Dort sei das Farmsterben und damit auch der Tod der kleinen Siedlungen im vollen Gange. Denn diese Orte haben seit Generationen vom Weed-Anbau gelebt, auch als es noch illegal war. Kevin Jodrey von Wonderland Nursery sagte, dass die kleinen Bauerncommunitys nach der Legalisierung dem Tod überlassen wurden. "Ich habe noch nie so viele leere Läden und Gebäude im Süden Humboldts gesehen, und ich habe noch nie so viele Menschen in so einem Massenexodus gesehen. Diese Industrie wird an den Menschen vorbeigehen, die sie geschaffen haben, und ich denke, das ist das wahre Verbrechen."

Ende einer Kultur

Besonders perfide: Die Bauern sind gezwungen, ihre Ernte an lizenzierte Zwischenhändler zu verkaufen, die etwa 17 Prozent einstreichen. Der Gesetzgeber verbietet es den Kleinbauern, sich selbst als Marke aufzubauen. Sie dürfen nicht etwa als Biobauern oder mit einem Hofladen direkt an Kunden verkaufen.

Geht die Entwicklung so weiter, hat Johnny Casali mit seiner Prognose recht. Der "War on Drugs" kämpft nicht mehr gegen die Droge, die wird industrialisiert, aber die Bauern und das Milieu des traditionellen Weed-Anbaus kommen dabei unter die Räder. 

Quelle: Los Angeles Times

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