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Deutscher Gründerpreis : Wie künstliche Intellgenz den LKW-Verkehr reduzieren hilft

Rund 40 Prozent aller LKW, die unsere Straßen verstopfen, sind leer unterwegs. Das muss doch besser gehen, dachte sich ein Hamburger Unternehmer. Die Geschichte des Gründerpreis-Finalisten Cargonexx und seiner digitalen Spedition

Er kämpft gegen leere Laster: Cargonexx-Gründer Rolf-Dieter Lafrenz in einem schlecht genutzten LKW

Er kämpft gegen leere Laster: Cargonexx-Gründer Rolf-Dieter Lafrenz in einem schlecht genutzten LKW

Im Sommer 2015 stand Rolf-Dieter Lafrenz mal wieder auf der Autobahn im Stau: Rechts eine schier endlose Kolonne LKW, links genervte PKW-Fahrer. „Ich hatte das Gefühl, das es immer schlimmer wird und habe angefangen zu recherchieren.“ Ergebnis: Bis 2030 soll der Güter-Verkehr in Deutschland noch einmal um 30 Prozent zunehmen. „Und die Bahn schafft es nicht, das aufzufangen, also wird der Verkehr auf der Straße landen“, sagt Lafrenz. „Und das kann nicht funktionieren.“

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Auch eine weitere Zahl faszinierte Lafrenz: Bis zu 40 Prozent des Laderaums aller Lastwagen auf Autobahnen sind leer. LKW, die Luft transportieren und die Straßen verstopfen. Lafrenz begann nachzudenken. Schließlich war er nach 20 Jahren als Geschäftsführer einer Unternehmensberatung so etwas wie ein professioneller Problemlöser. „Zuerst wollte ich ein Beratungsprojekt daraus machen, dann merkte ich, dass das Ganze viel größer ist: Ein riesiger, total zersplitterter und schnell wachsender Markt ist auch eine tolle Chance. Das war der Impuls zu gründen.“

Mit künstlicher Intelligenz gegen leere Laster

Anfang 2016 schmiss Lafrenz seinen bisherigen Job und gründete Cargonexx mit dem Ziel, dem Leerstand mit cleveren Computer-Algorithmen und künstlicher Intelligenz entgegen zu treten. „Wir leben schließlich in einem neuen Zeitalter“, sagt Lafren. „Klassische Marktplätze werden durch vertikal integrierte Platformkonzepte ersetzt.“ Am Ende soll Cargonexx eine digitale Spedition sein, die optimal Angebot und Nachfrage miteinander verknüpft und den Anteil der Leerfahrten deutlich senkt. Manchmal ist weniger mehr.

Ein Hebel dabei ist das Ein- und Ausladen. Heute gibt es meist feste Slots, zu denen die LKW vor Ort sein müssen. Verpassen sie die nur um ein paar Minuten, weil sie in einen Stau geraten sind, müssen sie sich meist hinten wieder anstellen. Stunden vergehen, die restlichen Liefertermine gehen auch flöten und um neue Fracht in diesem Chaos zu bekommen, werden lange Wege nötig. Lafrenz will die Zeiten aktiv managen. Be- und Entladen wird, wer gerade da ist. Intelligente Systeme beziehen Verspätungen in die Planungen ein und sorgen dafür, dass trotz Stau nicht alles durcheinander gerät. Und weil das effizienter ist, verdient Cargonexx mit seiner Dienstleistung Geld.

Ein Ruderboot im Ozean der Logistik

Rund 7000 Spediteure haben sich bereits auf der Plattform des jungen Unternehmens registriert. Das klingt viel, ist es aber angesichts von 500.000 Transportunternehmen in Europa noch nicht. „Wir sind ein Ruderboot im Ozean der Logistik. Noch: Je mehr Kunden wir gewinnen können, desto besser funktioniert unsere Plattform“, sagt Lafrenz. Rund 60 Mitarbeiter hat die Firma inzwischen. Und die ersten LKW fahren exklusiv für Cargonexx.

Lafrenz denkt durchaus langfristig: „Wir wollen die Zukunft des Transports sein“, sagt er selbstbewusst. In etwa fünf Jahren rechnet er mit den ersten selbstfahrenden LKW auf den Autobahnen. Die sollen den Markt entlasten, denn es gibt immer weniger LKW-Fahrer, die bereit sind den stressigen Job, oft getrennt von der Familie, zu machen. „Am Ende steht ein vollautomatisches System, dass Spedition, LKW, Auftraggeber und Empfänger der Fracht integriert“, ist Lafrenz sicher. Damit ließe sich zumindest ein größerer Teil der Leerfahrten verhindern.

Die Cargonexx GmbH von Rolf-Dieter Lafrenz ist einer von drei Finalisten der Kategorie Startup des Deutschen Gründerpreis 2019. Der Preis wird vom stern zusammen mit den Sparkassen, Porsche und dem ZDF jährlich in den Kategorien Schüler, Startup, Aufsteiger und Lebenswerk vergeben und zeichnet Deutschlands beste Gründer aus. Die Preisverleihung findet am 2. Juli im Zollernhof in Berlin statt.