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Meinung

Deutsche Bank und Commerzbank: Das große Aufatmen - warum die gescheiterte Bankenfusion gut für uns ist

Dass die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank abgesagt wurde, ist eine gute Nachricht für Arbeitnehmer, Steuerzahler - und Sozialdemokraten. Ein Kommentar. 

Umsetzungsrisiken und Co.: Deutsche Bank und Commerzbank sagen Mega-Fusion ab

Haben Sie das Aufatmen in den tausenden Bankfilialen gehört? Nee? Haben Sie nicht?  Doch es gab die Erleichterung, da bin ich mir sicher. Zehntausende Bank-Angestellte werden an diesem Donnerstagvormittag innerlich jubiliert haben, als gegen kurz nach halb elf Uhr die Eilmeldung lief: "Deutsche Bank und Commerzbank erteilen Fusion eine Absage." Denn damit sind ihre Arbeitsplätze gerettet. Bis zu 30.000 Jobs hätten durch die Hochzeit der Geldkonzerne wegfallen können, jetzt ist diese Gefahr abgewendet, vorerst jedenfalls. Für Arbeitnehmer im Finanzgewerbe war dieser Donnerstag ein guter Tag.

Angekündigt hatte sich das Scheitern schon länger. Zu stark war der Gegenwind geworden. Nahezu alle Experten aus Wissenschaft und Finanzindustrie hatten Nein gesagt, in Umfragen waren viele Deutsche dagegen, selbst bei Banken-Aufsehern und den Großaktionären der Deutschen Bank, wie Katar, den US-Investor Blackrock oder der chinesische Finanzfirma HNA, gab es wenig Fans der Fusion.  

Geldhäuser mit Problemen

Das Misstrauen hat Gründe. Beide Geldhäuser stecken in Not. Die Deutsche Bank leidet immer noch unter diversen Strafverfahren, die Milliarden Euro kosten, sie leidet unter einem Geschäftsmodell, das zu wenig Gewinn abwirft, und sie leidet darunter, dass ihre Manager sie zu zögerlich für die Zukunft umgebaut haben. Ablesen lässt sich der Niedergang am Aktienkurs, der vom Höchststand von 107 Euro jetzt auf mickrige 7 (!) Euro gefallen ist.  

Nicht viel besser sieht es bei der Commerzbank aus. Das Kreditinstitut hat sich zwar in den vergangenen Jahren etwas berappelt, doch es schleppt weiter Lasten mit sich herum, zum Beispiel eine Menge an italienische Staatsanleihen, die an Wert verloren haben. Dass aus diesen zwei lahmen Instituten ein Champion hätte entstehen können, glaubte niemand. Wahrscheinlicher wäre, dass die fusionierte Deutsche Commerzbank auf Jahre mit sich selbst beschäftigt gewesen wäre. Sie hätte zusammenpressen müssen, was nicht zusammenpasst.

Große Banken bergen große Gefahren

Die Konkurrenz von Sparkassen und Genossenschaftsbanken hätte es gefreut. Sie hätten ihren Vorsprung bei Gewinn und Kreditgeschäft weiter ausbauen können; die Auslandsbanken in Spanien, Frankreich oder den Niederlande ebenfalls, weil sie besser auf die Zukunft vorbereitet sind und ein lästiger Konkurrent ausgefallen wäre.

Und wie groß wäre eigentlich das Risiko für den Steuerzahler gewesen? In der Finanzkrise hatte Angela Merkel versprochen, eine Bank dürfte nie wieder so groß werden, dass der Staat sie unbedingt retten muss, weil sonst die Wirtschaft in den Abgrund rauscht („too big to fail“). Doch die fusionierte Deutsche Commerzbank hätte die Bürger zittern lassen. Das mit Abstand größte Geldhaus hierzulande wäre entstanden - mit 40 Millionen Privatkunden, 140.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro. Das entspricht der Hälfte aller Waren und Dienstleistungen, die in Deutschland jährlich erwirtschaftet werden.  

Die Dresdner Bank als Negativbeispiel

Dass ein solcher Gigant eine Gefahr werden kann, ist kein Hirngespinst. Man muss nur in die Historie schauen. Bankfusionen waren selten eine Erfolgsgeschichte, eher glichen sie einem großen Ofen, in dem Vorstände Unmengen von Geld verbrannten.

Beispiele?

Da gab es die Dresdner Bank, die um die Jahrtausendwende wie ein Wanderpokal herumgereicht wurde, erst sollte sie die Deutsche Bank übernehmen, dann landete sie bei der Allianz – für 28 Milliarden Euro. Ein paar Jahre später war der Wert auf neun Milliarden Euro gesunken, dafür erhielt sie einen neuen Eigentümer: die Commerzbank. Und die musste, damit sie die Übernahme überlebte, gestützt werden, mit 18 Milliarden Euro vom Staat.

Zum Mitschreiben: 18 Milliarden.

Dann war die Fusion des Immobilien-Finanzierers Hypo Real Estate (HRE), die später mit der Depfa, der Deutschen Pfandkreditanstalt, verschmolz. In der Finanzkrise geriet die HRE so stark in die Krise, dass der Staat sie mit über 150 Milliarden Euro an Beihilfen und Garantien retten musste.

Schaden für den Steuerzahler: 20 Milliarden Euro. Noch mal: 20 Milliarden.

Für Olaf Scholz ist die Absage schlecht

Nicht zu vergessen die BayernLB, die 2007 die österreichische Hypo Alpe Adria übernahm. Am Ende kostete das Abenteuer fünf Milliarden Euro, und wer musste helfen? Die bayrische Landesregierung und der Bund mit Milliarden von Euro.

Solche möglichen Risiken durch eine Fusion sind vom Tisch. Vorerst. Ob sich die Deutsche Bank berappelt, weiß keiner, und ob am Ende, bei einer möglichen Pleite, der Steuerzahler einspringen muss, auch nicht. Aber die Zukunft kennt sowieso niemand.

Schlecht ist die Absage nur für Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Hinter den Kulissen hatte er sich für ein Zusammengehen der Banken eingesetzt. Er wollte ein einflussreiches Kredithaus, damit Deutschland in der Finanzwelt nicht von Konkurrenten aus Spanien, Frankreich, USA oder China abgehängt wird. Für einen Finanzminister ist das ein ehrenwertes Ziel, doch ob die fusionierte Bank ihm den Gefallen getan hätte, muss man angesichts der Not der Häuser bezweifeln.

Scholz wird die Niederlage verkraften. Denn die Fusion hätte viele tausende Jobs gekostet und der Verlust wäre auch ihm und seiner SPD angelastet worden. An diesem Donnerstag haben deshalb nicht nur zahlreiche Bank-Angestellte aufgeatmet – sondern auch viele Sozialdemokraten. 

Umsetzungsrisiken und Co.: Deutsche Bank und Commerzbank sagen Mega-Fusion ab