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DaimlerChrysler: Schrempp steht eine unangenehme Hauptversammlung bevor

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist seit Jahren heftige Kritik gewöhnt. Doch auf der diesjährigen HV des Autokonzerns am kommenden Mittwoch in Berlin wird ihn der Unmut der Aktionäre geballt treffen.

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist seit Jahren heftige Kritik gewöhnt. Doch auf der diesjährigen Hauptversammlung (HV) des Autokonzerns am kommenden Mittwoch (7. April) in Berlin wird ihn der Unmut der Aktionäre geballt treffen. Denn nicht nur verärgerte Kleinaktionäre werden den schlechten Wert ihrer Anteile beklagen - auch Vertreter von großen Aktienfonds wollen mit kritischen Worten die Unternehmenspolitik der DaimlerChrysler AG kommentieren. Bei diesem Aufstand der Anteilseigner könnte leicht aus dem Blickfeld geraten, dass der Mittwoch in Berlin für Schrempp auch ein Tag der persönlichen Genugtuung sein dürfte; schließlich wird der neu konstituierte Aufsichtsrat vermutlich noch am Abend nach der HV seinen Vertrag als Vorstandschef um weitere drei Jahre verlängern. Die einstimmige Absichtserklärung des Gremiums liegt ja schon vor.

Aktionärsschützer wollen Entlastung verweigern

Genau dies erzürnt die Kleinaktionäre. So fordert beispielsweise Hans-Walter Grünewälder aus Wuppertal, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Anstatt den Vertrag zu verlängern, wäre es die Pflicht des Aufsichtsrates, Schrempp zu entlassen, schreibt er in seinem Gegenantrag. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gibt mit dem Satz "Die Vision des Vorstandsgremiums von der Welt-AG ist gescheitert" die Stimmung etlicher Aktionäre wieder und fordert ebenso Nicht-Entlastung wie die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Nach den Probleme bei Chrysler, die die Aktionärstreffen der vergangenen Jahre bestimmt haben, sind jetzt der Riesenverlust bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi, der ungewisse Ausgang des Kerkorian-Schadensersatzprozesses und die Toll-Collect-Pleite Reizthemen, die Schrempp und seinem Oberaufseher Hilmar Kopper auf der HV Stunden lang vorgehalten werden dürften.

Die großen Fonds kritisieren vor allem die Performance der Aktie und das Aktienoptionsprogramm für das Management. Letzteres gilt ihnen als zu wenig ambitioniert, sprich: die DaimlerChrysler-Manager werden nach Ansicht der institutionellen Investoren schon für eine recht bescheidene Leistung großzügig entlohnt.

Union Investment will Vorstand entlasten

Union Investment, eine der größten deutschen Fondsgesellschaften, kündigte allerdings auch an, Vorstand und Aufsichtsrat trotz deutlicher Kritik entlasten zu wollen. Dies zeigt, dass sich wie schon in den Vorjahren Schrempp, Kopper und Co. trotz heftiger und manchmal im Ton aggressiver Kritik ernsthaft keine Sorgen um die Entlastung machen müssen. Und auch die Wiederwahl des 68 Jahre alten Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper und der übrigen Aufsichtsräte der Anteilseignerseite wird nach Ansicht von Beobachtern problemlos über die Bühne gehen. Denn die großen Aktionärsgruppen wie auch die Arbeitnehmervertreter stehen hinter der Strategie von Schrempp, einen globalen Automobilkonzern zu schaffen, der sich mit Fahrzeugen vom Lastwagen bis zum Mini-Pkw auf allen wichtigen Märken der Welt dem Wettbewerb stellen will. Die Deutsche Bank ist mit 12 Prozent größter Einzelaktionär der DaimlerChrysler AG (Stuttgart), gefolgt von Kuwait mit 7 Prozent. Institutionelle Anleger besitzen 53 Prozent der rund eine Milliarde DaimlerChrysler-Aktien, private Anleger halten 28 Prozent.

Im vergangenen Jahr wurden Top-Management und Aufsichtsrat des Autokonzerns im Berliner Congress Centrum nach stundenlangen Unmutsäußerungen der Kleinaktionäre mit über 99 Prozent der Stimmen entlastet. Ähnliches erwarten Beobachter auch am Abend des 7. April. Lange Zeit zum Luftschöpfen hat der DaimlerChrysler-Vorstand danach aber nicht, denn schon Mitte April müssen Schrempp und Co. zusammen mit den anderen Mitsubishi-Aktionären beraten, ob die "Eingreiftruppe" um smart-Chef Andreas Renschler für den japanischen Autokonzern einen tragfähigen Rettungsplan geschmiedet hat.

Frank Heidmann, dpa / DPA