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DaimlerChrysler: Weiter harte Verhandlungen über Sparpaket

Trotz stundenlanger Verhandlungen über das millionenschwere Sparprogramm bei DaimlerChrysler hat sich bis zum Mittwochabend keine Lösung in dem Konflikt abgezeichnet.

IG-Metall-Sprecher Frank Stroh sagte in Stuttgart: "Wir haben immer noch ein schwieriges Pflaster vor uns." Knackpunkte seien weiterhin die Höhe des Einsparvolumens sowie die Frage der Beschäftigungssicherung. Unternehmensführung und Betriebsrat richteten sich auf Gespräche bis in die Nacht ein. Sprecher Stroh sagte, die Gesprächsatmosphäre sei sachlich und ohne große Emotionen, aber von großer Härte geprägt. Wie lange die Verhandlungen noch dauern würden, lasse sich noch nicht sagen.

Streitpunkt Schichtzuschläge

Der Konzern forderte weiter Einsparungen von 500 Millionen Euro im Jahr, der Gesamtbetriebsrat hat bislang 200 Millionen Euro angeboten. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm hatte vor Verhandlungsbeginn gesagt: "Wir verhandeln mit dem Ziel, bis zum Jahr 2012 Investitionen und Beschäftigung zu sichern." Ebenfalls umstritten ist den Angaben zufolge die Kürzung der Schichtzuschläge. Klemm sagte: "Es geht auch um den Erhalt des Flächentarifvertrags." Die höheren Schichtzuschläge und die Pausenregelung gelten nur für einen bestimmten Teil des Tarifgebiets in Baden-Württemberg.

In Sindelfingen gab es erneut Proteste gegen die Sparpläne. Mehrere hundert Mitarbeiter aus dem Bereich Logistik fuhren mit Gabelstaplern um das größte inländische Mercedes-Werk. Annäherung gab es laut Verhandlungskreisen bislang nur bei der Einführung der 40-Stunden-Woche mit Lohnausgleich für Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Davon wären rund 20.000 Mitarbeiter betroffen. Es werde auch über einen Ergänzungstarifvertrag für die Dienstleistungsbereiche bei DaimlerChrysler gesprochen. Eine schnelle Einigung sei unwahrscheinlich. Im Unternehmen war von "konstruktiven Gesprächen" die Rede.

Kostenstrukturen anpassen

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte zum Konflikt bei DaimlerChrysler: "Dieser Prozess ist in ganz Deutschland im Gange. Er zeigt, dass die Tarifhoheit funktioniert." Er äußerte die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen erklärte im Deutschlandfunk, Mercedes müsse seine Kostenstrukturen anpassen, um zukunftsfähig zu sein. "Es ist richtig und wichtig, dass Mercedes sich so aufstellt, dass sie mit guten Kostenstrukturen in den harten internationalen Automobilmärkten bestehen können."

DaimlerChrysler droht mit dem Wegfall von 6.000 Arbeitsplätzen in Sindelfingen, wenn es zu keiner Einigung mit dem Gesamtbetriebsrat kommt. Dann soll die neue C-Klasse ab 2007 nur noch im Werk Bremen und zum kleinen Teil auch in Südafrika vom Band rollen. In Sindelfingen würde dann das neue Modell nicht mehr produziert.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel wehrte sich unterdessen einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" zufolge gegen den Begriff der "baden-württembergischen Krankheit", den Mercedes-Chef Jürgen Hubbert im Streit um die Arbeitskosten im Sindelfinger Werk benutzt hatte, und rief die beiden Konfliktparteien zu einer Einigung auf. Werde kein Kompromiss gefunden, nehme nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Land einen erheblichen Schaden. (AP)

DPA