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Designer: Türkische Mode vor dem Durchbruch

H&M, Hechter, Benetton, Boss: Weit mehr als 50 türkische Textil- und Bekleidungshersteller, vornehmlich aus Istanbul, produzieren für international bekannte Marken.

Da staunte selbst der weit gereiste Mode-Journalist aus Deutschland: Seine so heiß geliebten Hemden und Krawatten von Brooks Brothers, die doch "so typisch amerikanisch sind", sollten in der Türkei hergestellt worden sein? Doch der US-Nobelausstatter von der Madison Avenue in New York ist in dieser Hinsicht alles andere als eine Ausnahme. Weit mehr als 50 türkische Textil- und Bekleidungshersteller, vornehmlich aus Istanbul, produzieren für international bekannte Marken, mögen diese nun Pierre Cardin, Daniel Hechter, Benetton, Hugo Boss, Zara, H&M, Lacoste, Tommy Hilfiger, Naf Naf, Quicksilver oder Britta Steilmann heißen.

Mehr als nur geschätzter Produktionsstandort

Doch die Türkei ist längst darüber hinaus, lediglich ein von ausländischen Textil- und Modefirmen geschätzter Produktionsstandort zu sein. Immer mehr türkische Hersteller zeigen mit eigenen Marken, Läden und Showrooms Flagge im Ausland - nicht zuletzt auch in Deutschland. Immer mehr türkische Designer setzen zum Sprung auf den internationalen Laufsteg an, führen ihre Kollektionen in New York, Paris und Mailand ebenso vor wie in Düsseldorf.

Das türkische Modehaus Vakko eröffnete vor knapp einem Jahr als erstes Geschäft im Ausland eine Boutique an den Großen Bleichen in Hamburg. Der türkische Herrenausstatter Orka ("Damat", "Tween") ist mit einem Geschäft sowohl auf dem Kurfürstendamm in Berlin als auch im Sauerland-Städtchen Menden präsent. Der türkische Hemdenspezialist Abbate nimmt den deutschen Markt von seinem Vertriebszentrum in Ratingen bei Düsseldorf aus ins Visier. Die Firma Mintay, die ihre Europa-Niederlassung in Köln betreibt, will ihr Label Ravelli auch in Deutschland an den Mann bringen.

Wettbewerb für türkische Designer

Zum Vormarsch der Mode "Made in Turkey" hat im beträchtlichen Maße die Kooperation des türkischen Textil- und Bekleidungsverbandes ITKIB mit der IGEDO in Düsseldorf beigetragen. Daraus hervorgegangen ist ein Wettbewerb für junge türkische Designer, der in diesem Jahr bereits seine 13. Auflage erlebte. Die Galaveranstaltung, bei der diesmal 15 Finalisten aus einem Teilnehmerfeld von 240 Jungdesignern ihre Kreationen über den Laufsteg schickten, diente bereits einigen türkischen Modemachern als Sprungbrett. Frühere Wettbewerbssieger wie Arzu Kaprol, Hakan Yildirim oder Ümit Ünal sitzen heutzutage selbst in der Jury. Für die IGEDO begutachtete Jury-Mitglied Margit Jandali den türkischen Nachwuchs - so wie sie es erstmals vor 13 Jahren getan hatte.

Die drei diesjährigen Gewinner bekommen ein Stipendium in Mailand und werden ihre Kreationen Anfang August auf der cpd-Modemesse in Düsseldorf zeigen. Mit einem solchen Designerwettbewerb und mit Export- und Messeförderung geht die Türkei nach Ansicht von Experten einen ähnlichen Weg, wie ihn vor 40 Jahren Italien beschritten hat. "Im Fall Italien kennen wir das Ergebnis", schrieb jüngst das Fachblatt "TextilWirtschaft". "Italien hat Frankreich als Modeland entthront und ist heute in jeder Beziehung das Zentrum der europäischen Mode-Industrie".

Deutschland ist Hauptabsatzmarkt

Das Wachstum der türkischen Textil- und Bekleidungsindustrie ist jedenfalls beachtlich. Betrugen die Exporte 1980 gerade einmal 777 Millionen Dollar, so beliefen sie sich 2003 auf 15 Milliarden Dollar (12 Mrd Euro). Hauptabsatzmärkte sind nach Angaben des Exportverbandes ITKIB Deutschland mit knapp einem Drittel, gefolgt von den USA und Großbritannien mit jeweils mehr als 15 Prozent. Die jährlich vom ITKIB gekürten Designer sollen dazu beitragen, das Label "Modeland" Türkei mitzuprägen und in die Welt hinaus zu tragen. Über prominente Vorgänger wie Husseyin Chalayan oder Atil Kutoglu, die in London beziehungsweise Wien leben und arbeiten, hieß es im Bericht der "TextilWirtschaft" anerkennend: "Sie besetzen heute eine ähnlich eigenständige Design-Position wie vor 20 Jahren beginnend die jungen japanischen Designer in Paris."

Ingo Bierschwale, dpa / DPA