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Interview

Chef des High-Tech Gründerfonds: "Bei uns gibt es mehr Geld als in der Höhle der Löwen"

Der High-Tech Gründerfonds ist so etwas wie die "Höhle der Löwen" ohne Kameras. Jedes Jahr investiert der Fonds Millionen in deutsche Technologie-Start-ups. Geschäftsführer Michael Brandkamp über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur TV-Show.

Michael Brandkamp

Michael Brandkamp ist Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, rechts die Investoren der TV-Show "Die Höhle der Löwen"

Der High-Tech Gründerfonds hat seit 2005 rund 500 technologiebasierte Unternehmen gefördert und mehr als 800 Millionen Euro investiert. Der Großteil des Geldes (knapp 90 Prozent) kommt vom Bundeswirtschaftsministerium und der staatlichen Förderbank KfW, den Rest steuern zwei Dutzend deutsche Konzerne bei. 

Herr Brandkamp, schauen Sie sich die "Höhle der Löwen" gerne an?

Ja, ab und zu. Die Sendung ist ja sehr unterhaltsam und wir haben mit einigen Löwen auch geschäftlich zu tun, zum Beispiel mit Herrn Thelen und Herrn Maschmeyer. Wir investieren teilweise in die gleichen Unternehmen und pflegen ein gutes Miteinander.

Auch beim High-Tech Gründerfonds müssen Start-ups einen überzeugenden Auftritt hinlegen, um Geld zu bekommen. Was ist bei Ihnen ähnlich wie im Fernsehen und was ganz anders?

Eine Gemeinsamkeit ist, dass auch unsere Investmentmanager zunächst einmal von einer Idee emotional begeistert sein müssen. Das dominiert ja auch sehr stark in der Höhle der Löwen. Wir gehen dann sehr schnell auf eine sachliche Ebene und binden mehr Experten ein, um die Geschäftsidee besser beurteilen zu können. Und wir verstehen uns nicht als aggressiver Löwe, sondern als Partner des Unternehmens, der eine Kooperation auf Augenhöhe eingeht, um das Unternehmen groß zu machen und letztendlich die Früchte zu teilen.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Erfolgschancen eines Start-ups?

Grundsätzlich schauen wir auf drei Säulen. Erstens: die Gründungsidee. Welche Technologie steht hinter der Idee, und kann man sie vor Nachahmern schützen? Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal am Markt, wer sind die Kunden, wer sind die Wettbewerber? Zweitens schauen wir uns das Team sehr genau an, das die Idee umsetzen will. Die fachliche Qualifikation, aber auch die Persönlichkeit und die soziale Kompetenz sind außerordentlich wichtig. Und drittens das Businesskonzept. Dazu gehören Fragen wie: Wie weit kommen wir mit dem Geld, das wir jetzt aufnehmen? Wieviel Geld wird insgesamt gebraucht? Welche Meilensteine können definiert werden, um zum Erfolg zu kommen? Wir erwarten von dem Team, das es einen guten Pfad aufzeigt, den wir gemeinsam gehen können. 

In der Höhle der Löwen präsentieren die Gründer ihre Idee in wenigen Minuten. Danach heben oder senken die Löwen den Daumen. Wie läuft so ein Pitch bei Ihnen ab?

Ohne eine schriftliche Grundlage - ein Pitchdeck oder einen ausführlichen Businessplan - machen wir keinen Termin aus. Wir wollen uns gründlich vorbereiten, um die für uns wichtigen Fragen zu stellen. Darauf erwarten wir im Gespräch natürlich Antworten. Selbstverständlich nehmen wir uns deutlich mehr Zeit als das in einer TV-Show möglich ist.

Die Löwen betonen oft, sie investierten in erster Linie in die Persönlichkeit der Gründer. Wie wichtig ist dieser doch eher subjektive Eindruck bei der Entscheidung für oder gegen einen Gründer?

Letztlich muss es dem Unternehmer gelingen, beim Investor Vertrauen zu schaffen, dass er das Geld erfolgreich einsetzt und das Unternehmen zum Erfolg führt. Wir haben teilweise sehr schöne Ideen. Wenn aber das Team nicht überzeugend ist, halten wir uns zurück. Neben kaufmännischem und technologischem Knowhow schauen wir auch immer auf die soziale Kompetenz: Wie geht einer mit Menschen um? Hat er das Zeug zur Führungskraft? Kann er Mitarbeiter und Kunden begeistern und weitere Investoren überzeugen?

Und wenn einer nicht überzeugt, ist er raus.

Nicht unbedingt. Wenn das Team aufgeschlossen ist, fragen wir, ob nicht noch jemand von außen mit an Bord kommen soll, damit die Erfolgsaussichten steigen. Wir haben ein Netzwerk von 900 potenziellen Unternehmern, teilweise sehr erfahrene Manager, die gerne in einem Start-up mitarbeiten möchten. Bei Bedarf können wir also helfen, sehr schnell gute Leute zu finden.

Wieviel Geld investieren Sie in einzelne Unternehmen?

Bei uns gibt es mehr Geld als in der Höhle der Löwen. Wir investieren jedes Jahr in etwa 40 Unternehmen zwischen einer halben und einer Million Euro. Dafür übernehmen wir 10 bis maximal 25 Prozent der Unternehmensanteile. 

Die Löwen aus der TV-Sendung erklären gerne, dass sie nicht nur Geld geben, sondern sich auch persönlich einbringen und ihr Team, ihr Netzwerk mitbringen. Was bringen Sie den Gründern ein?

Unsere Gründer schätzen nicht nur das Geld, sondern auch unsere Erfahrung aus etwa 500 Beteiligungen, die wir in den letzten zwölf Jahren zugesagt haben. Wir haben ein sehr erfahrenes Team von Investmentmanagern und ein Netzwerk von Experten, die den Gründern helfen durch den Due-Diligence-Prozess zu kommen, den Businessplan zu optimieren, das Geschäftsmodell auszufeilen. Und wenn die Beteiligung gezeichnet ist, helfen wir die Operation aufzubauen, interne Organisationsstrukturen zu schaffen, Konzepte zu erarbeiten, wie man an den Markt kommt. Außerdem haben wir sehr gute Kontakte in die Industrie, die als Kunde oder Lieferant wertvoll sein kann.

Und Sie wissen, wo es noch mehr Geld zu holen gibt…

Wir haben ein Netzwerk von etwa 400 Privatinvestoren, die über erhebliche Mittel verfügen. Darunter sind zum Beispiel auch Herr Maschmeyer und Herr Thelen. Zweimal im Jahr laden wir zu Veranstaltungen, wo Gründer die Möglichkeit haben, vor diesen Leuten zu präsentieren. Da sitzen dann vielleicht 50 Löwen - Unternehmer, die erfolgreich veräußert haben oder in Vorständen von großen Unternehmen gesessen haben und heute mit Freude in junge Gründer investieren. Darüber hinaus pflegen wir ein sehr leistungsstarkes Netzwerk von internationalen Kapitalgebern.

In der Höhle der Löwen werden viele fertige Produkte präsentiert, die vor allem bekannt gemacht und vermarktet werden müssen. Sie sind eher ein Frühphaseninvestor, der in ein noch zu entwickelndes Produkt investiert. Macht es das nicht deutlich schwieriger, die Erfolgschancen eines Unternehmens zu erkennen?

Ja, wir konzentrieren uns auf technologiebasierte Unternehmen, die Märkte verändern können, Geschäftsmodelle aufbrechen. Das bedeutet mehr Risiko, aber auch größeres Potenzial.

Wie oft geht Ihre Wette nicht auf?

Wir gehen davon aus, dass circa 30 Prozent der Unternehmen, in die wir investieren, am Ende scheitern. Bei vielen Unternehmen bekommt man zumindest das Geld zurück oder kann eine mittlere Rendite erzielen, die zufriedenstellend ist. Aber nur wenige Unternehmen schaffen das, was wir als Fonds eigentlich brauchen, um die Verluste zu kompensieren: das eingesetzte Kapital zu vervielfachen. Verfünffachen oder mehr, das schafft vielleicht jede zehnte Beteiligung.

Warum scheitern Unternehmen, die erst so vielversprechend gewirkt haben, dann doch noch?

Manche Ideen lassen sich technologisch nicht umsetzen. Zum Beispiel im Medizinbereich, wo man klinische Studien benötigt, die vielleicht nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Und manchmal ist es auch das Team: Man denkt am Anfang, die werden das toll umsetzen und dann dauert es nicht lange, bis sie sich zerstritten haben und gar nichts mehr hinbekommen. Das kommt vor. 

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