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Drohendes Aus: Good bye, OssiVersand

Von 60 Prozent Umsatzsteigerung können andere in schwierigen Zeiten nur träumen. Doch beim Spezialversender OssiVersand.de steigerte man sich von niedrigem Niveau aus - es wird wohl nicht reichen.

Trotz Ostalgiewelle und dem Kinoerfolg 'Good bye, Lenin' droht dem Spezialversender für Ost-Produkte OssiVersand das Aus. Zwar konnte das Unternehmen den Umsatz im ersten Halbjahr 2003 im Jahresvergleich um 60 Prozent steigern. Dennoch sei der Warenumschlag immer noch zu gering, sagte der Vorstand der OssiVersand.de AG, Gerhard Franz, in Landsberg. Rund 1000 Produkte, die bei Ostalgikern wahlweise Sehnsüchte oder Entsetzensschreie hervorrufen, hat der Versandhandel im Programm. Seit dem deutschen Kinoschlager 'Good bye, Lenin' und durch die im Fernsehen gehäuft auftretenden DDR-Erinnerungs-Shows sind Produkte wie Spreewaldgurken, Bambina Schoko-Karamel-Nuss-Tafeln und das Ost-Knäckebrot Filinchen wenn schon nicht sprichwörtlich in aller Munde, so doch wesentlich bekannter geworden. Diese Produkte, die im Gegensatz zu Rotkäppchen Sekt und Spee Waschpulver noch nicht in jedem (west-)deutschen Supermarkt aufgestöbert werden können, liefert der OssiVersand an Wehmütige und Neugierige - dank Einkaufsbummel per Katalog oder Internet.

Stichtag 30. September

Offensichtlich gibt es davon aber nicht genug und wer eine Ost-Show in Kino oder Fernsehen guckt, muss deswegen noch längst kein potenzieller Kunde sein.

Die erste Variante des Handels, 1999 von zwei Hausfrauen ins Leben gerufen, hatte nach Unternehmensangaben schon nach einem Jahr den Betrieb wegen zu großen Ansturms und mangelnden Kapazitäten wieder einstellen müssen. Die Wiederbelebung startete im Otober 2000 und lange sah es so aus, als habe man eine ausreichend große Nische für das eigene Geschäft entdeckt. Doch trotz großer Reichweiten- und Umsatzsteigerung hat es nicht gereicht. Nach der überraschenden Absage eines Investors soll der bundesweite Versand von Ost-Produkten eingestellt werden, wenn sich bis zum 30. September kein neuer Geldgeber findet.

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