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Imperium von Rupert Murdoch: Fox News - die unheimliche Macht von Donald Trumps Lieblingssender

Wenn Donald Trump fernsieht, dann meist Fox News. Kein anderer US-TV-Sender ist der Politik des Präsidenten gegenüber so wohlgesonnen. Dahinter stecken System - und ein Mann: Rupert Murdoch.

US-Präsident Donald Trump (o.l.) kann sich auf Unterstützung von Rupert Murdochs Fox News verlassen

US-Präsident Donald Trump (o.l.) kann sich auf Unterstützung von Rupert Murdochs Fox News verlassen

Als Rupert Murdoch seinen US-amerikanischen Propagandakanal Fox News 1996 von der Leine ließ, wurde das Projekt von neutralen Beobachtern eher belächelt. Fox News war so konservativ, dass es wie rechtsorientierte Politsatire daherkam, zu quittieren mit einem Lächeln, mit Kopfschütteln allenfalls. Einseitiger als ein Wahlwerbeerbespot für die Republikaner je sein könnte, von der Realität weiter entfernt als die Selbstbeweihräucherung von Wahlkämpfern. Keinesfalls jedoch ernst zu nehmen.

Murdoch und sein kongenialer, inzwischen wegen sexistischen Umgangs mit Moderatorinnen geschasster Partner Roger Ailes zogen ihre Linie durch. 20 Jahre später sieht die Welt anders aus. Die toupierten Haare der Moderatorinnen sind noch blonder geworden, die Studioausstattung noch steriler - und die Thesen noch steiler. Fox News ist mit großem Abstand der meistgesehene Nachrichtensender der USA. Und Rupert Murdoch hat mit der Rolle des Steigbügelhalters für Donald Trump das Schicksal des Senders definiert. Ihm gelang dabei die bemerkenswerte Umkehr von Wahrheit. Der "Fake News", laut Kritikern das Geschäftsmodell von Fox News, werden heute andere bezichtigt.

Fox News ist reingewaschen von jeder Trump-Kritik

Fox News sendet in den sechs zuschauerträchtigsten Stunden eines jeden Tages - in der Primetime morgens und abends - Nachrichten, absolut reingewaschen von jeder Kritik am Präsidenten. Das Morgenmagazin "Fox and Friends" steht dafür ebenso wie die Moderatoren Tucker Carlson, Laura Ingraham und Sean Hannity am Abend.

Selbst der Chef des rechtslastigen Konkurrenten "Newsmax", Chris Ruddy, wirft Fox unkritischen Journalismus und eine "reflexhafte Verteidigung" Trumps vor. "Das ist bizarr und sie verlieren ihre Reputation als Nachrichtenmedium", sagte Ruddy dem Magazin "Politico".


Das mag sein. Aber: 40 Prozent aller Wähler von Donald Trump - das fanden Umfrageinstitute heraus - nutzen als ihre Hauptinformationsquelle den Sender Fox News - darauf lässt sich aufbauen. Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, wie viele Falschmeldungen Fox News verbreitet. Die Zuschauer, in den Abendstunden im Durchschnitt 68 Jahre alt und meist vom Land, stört das alles nicht. Sie lassen sich bereitwillig polarisieren. "Man kann es fast eine selbst auferlegte Gehirnwäsche nennen", sagt Bruce Bartlett, der 2015 eine umfassende Studie zum Einfluss von Fox News auf die US-Gesellschaft vorgelegt hat. 

Die republikanische Partei habe ein Medium herbeigesehnt, das einen landesweiten Gegenpol zu den liberalen Stadtmedien der Ostküste bietet. "Von diesem Wasser haben sie überreichlich getrunken, wie ein Ertrinkender in der Wüste", sagt Bartlett. "Fox News transferiert die Partei von Lincoln in die Partei von Trump", schreibt der US-Kolumnist Richard Cohen. Trump dankt herzlichst: Fox News bekam im ersten Jahr seiner Präsidentschaft mehr Interviews als alle anderen Nachrichtenorganisationen zusammen - CNN bekam gar keines.

Rubert Murdoch nimmt Einfluss - weltweit

Rupert Murdoch greift über die Unternehmen seines Medienimperiums 21st Century Fox seit vielen Jahren in die Politik ein - weltweit.

Britische Premierminister machen schon fast traditionelle "Antrittsbesuche" bei Murdoch. David Cameron als Premier von Murdochs Gnaden, Tony Blair ist Patenonkel von Murdochs Tochter - um nur zwei von zahlreichen Schnittstellen zu nennen. Die Medienmacht des inzwischen 86 Jahre alten und höchst umstrittenen Moguls auch im Vereinigten Königreich ist legendär. In Australien, wo Murdoch geboren wurde und die Wurzeln seines Imperiums liegen, gilt ähnliches.

Ist es Zufall, dass mit dem Brexit in Großbritannien und der Wahl des Rechtspopulisten Trump zum US-Präsidenten die politisch weitreichendsten Verwerfungen des Westens der vergangenen Jahre ausgerechnet in Ländern stattfanden, in denen Murdochs Medien einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen? Steckt gar eine Strategie dahinter? In Großbritannien haben Murdoch-Zeitungen wie die "Sun" mit gezielten Falschinformationen jahrzehntelang Stimmung gegen Brüssel gemacht.

In den USA feuert selbst das lange Zeit als neutral gesehene "Wall Street Journal" inzwischen Breitseiten zur Verteidigung Donald Trumps ab - zuletzt etwa mit dem Ruf nach Ablösung des Trump-kritischen Sonderermittlers Robert Mueller. Und warum schickte die Londoner Murdoch-Zeitung "The Times" eigentlich den Brexit-Politiker und britischen Umweltminister Michael Gove als Journalisten nach New York, um Trump zu interviewen? Und warum war bei diesem Interview kein geringerer als Rupert Murdoch persönlich im Raum, wie die "Financial Times" herausfand? Die Antwort gibt offiziell niemand. Es ist jedoch schwer, dahinter nicht ein System zu vermuten.

Wächst das Fox-Imperium weiter?

Murdoch und Trump sollen US-Medienberichten zufolge in regelmäßigem Telefonkontakt stehen. In einem Fall twitterte Trump schon über Inhalte von Fox-Sendungen, bevor diese überhaupt ausgestrahlt waren.

In den Gesprächen ging es, so vermuten Kritiker, aber nicht nur um Nachrichten. Sondern wohl auch um die Zukunft des US-Nachrichtensenders CNN. Murdoch soll Interesse am Kauf des Trump-kritischen Netzwerks angemeldet haben - allen kartellrechtlichen Hindernissen zum Trotz. CNN könnte frei werden, sollte es zu der Elefantenhochzeit zwischen AT&T und CNN-Eigner Time Warner kommen.

Allerdings wurde Murdoch selbst zum Übernahmekandidaten. Inwieweit es eine Rolle spielt, dass der in Saudi-Arabien festgenommene Prinz und Multimilliardär Al-Walid bin Talal sein Paket als zweitgrößter Einzelaktionär nach den Murdochs abgestoßen haben soll, ist nicht bekannt. In den vergangenen Tagen wurden ferner Verkaufsgespräche der von Murdochs Söhnen Lachlan und James geführten 21st Century Fox mit Disney öffentlich - sie verliefen im Sande. "Wir sind groß genug, um unsere aggressive Wachstumsstrategie zu verfolgen und und signifikant verbesserte Renditen an unsere Aktionäre zu liefern", sagte Lachlan Murdoch am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Los Angeles.

Bei dem auf nur eine halbe Stunde begrenzten Meeting in Reichweite zu Hollywood vermieden die Murdochs jede Politisierung - die Aktionäre dankten es. Murdoch muss nicht seine Aktiensystematik ändern, die seinen Anteilen mehr Stimmrechte zuspricht als frei handelbaren Aktien. Murdoch kann - zunächst einmal - weitermachen wie bisher. Der politische Einfluss des erzkonservativen Medienzars war nie größer als heute.

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Michael Donhauser/DPA