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Pro-Trump-Lager: Wie Fox News und "Breitbart" die neuesten Trump-Skandale herunterspielen

Mit vielen Medien ist Donald Trump auf Kriegsfuß, einige aber sind ihm mehr als wohlgesonnen. Doch was tun, wenn immer wieder Skandale zum US-Präsidenten ans Licht kommen? "Breitbart" und Fox News haben da ihre ganz eigenen Strategien.

US-Präsident Donald Trump kommt bei "Breitbart" und Fox News in den meisten Fällen gut weg

US-Präsident Donald Trump kommt bei "Breitbart" und Fox News in den meisten Fällen gut weg

Zwei Themen - für viele zwei handfeste Skandale - sorgen derzeit für Aufregung rund ums Weiße Haus. Donald Trumps Weitergabe von klassifizierten Geheimdienstinformationen an den russischen Außenminister und die mehr oder minder galant verpackte Aufforderung des US-Präsidenten an den Ex-FBI-Direktor, die Ermittlungen gegen Michael Flynn ruhen zu lassen. Ersteres wurde durch einen Bericht der "Washington Post" öffentlich, die zweite Bombe ließ die "New York Times" platzen. Skandale sehen darin aber nicht alle Medien. Das Pro-Trump-Lager übt sich mal wieder darin, die Enthüllungen zu relativieren, herunterzuspielen oder gleich direkt als "Fake News" zu beschimpfen - ganz im Sinne ihres Präsidenten.

Affäre um Geheimdienstinfos und Russland

Zunächst war da die Enthüllung, dass Donald Trump während eines Treffens mit dem russischen Außenminister Dinge ausgeplauderte hatte, die so geheim seien, dass sie Teile der US-Regierung nicht einmal wissen durften. Konkret ging es um Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu einer Terrorbedrohung durch den sogenannten Islamischen Staat. Aus den Informationen könnten womöglich Rückschlüsse auf die Quelle gezogen werden und der befreundete Geheimdienst hatte gebeten, diese nicht weiterzugeben.

Die rechts-konservative und sehr trumpfreundliche News-Webseite "Breitbart" konzentrierte sich in der Berichterstattung darüber - wie so oft, wenn es um Unangenehmes für den Präsidenten geht - auf die "Leaks", also die Tatsache, dass die Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnten. In einem ausführlichen Bericht wird der Fokus klar auf die Weitergabe der Informationen an die Presse gelegt - und paradoxerweise nicht auf die Weitergabe von Informationen durch den US-Präsidenten an ein anderes Land. Bereits in der Überschrift wird suggeriert, dies geschehe um "Trump zu beschmutzen". Verantwortlich dafür sei der "deep state", ein Kampfbegriff für eine angebliche Verschwörung aus Mitarbeitern von Regierungsbehörden und Eliten aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor, die sich nicht um demokratisch gewählte Mehrheiten scherten. Belege für diese These liefert der Text nicht. Dafür wird aber auf dem Punkt herumgeritten, dass es kein Verbrechen sei, wenn der Präsident Informationen weitergibt. Das ist richtig - und wurde so auch bereits von der "Post" geschrieben. Die negativen Auswirkungen auf das Verhältnis zum befreundeten Geheimdienst, ganz zu schweigen von der möglichen Enttarnung der Quelle, lässt "Breitbart" aber dabei außen vor.

Wesentlich drastischer ging in diesem Fall Fox News zu Werke. Der konservative und in den USA sehr beliebte TV-Sender spielte die Nachricht auf der Webseite zunächst - im Gegensatz zu nahezu allen großen Nachrichtenportalen - überraschend weit unten, wie folgender Screenshot zeigt:

Später änderte man dort die Überschrift in das Dementi-Zitat des Sicherheitsberaters. "It didn't happen" (Es ist nicht passiert) stand danach über dem Artikel. Zwei bekannte Fox-News-Gesichter gingen sogar in die Offensive und schossen direkt gegen die Berichterstattung. Sean Hannity, Moderator eines beliebten Abendformates und glühender Trump-Fan, nannte die Berichte offen "Fake News". Ins selbe Horn blies Radiomoderatorin Laura Ingraham, oft als Experte bei Fox News zu Gast.

Blöd nur, dass Trump wenig später auf Twitter selbst einräumte, Informationen mit Russland geteilt zu haben. Das Kommunikationschaos war perfekt. Fox News aber hatte bereits ein neues Lieblingsthema gefunden, das auf der Webseite die größere Aufmerksamkeit bekam: Angeblich gab es neue Hinweise im Fall eines im Sommer 2016 erschossenen Mitarbeiters der Demokraten. Die Polizei geht von einem Raubmorb aus, der schief gegangen sei. Weil dem Toten aber nichts gestohlen wurde, erfreut sich der Fall bei trumpfreundlichen Verschwörungstheoretikern hoher Beliebtheit. Der Erschossene habe mit WikiLeaks in Verbindung gestanden und sei auf Befehl von Hillary Clinton ermordet worden, heißt es dann gerne. Fox News zufolge gab es an dem Tag der Trump-Enthüllung neue Hinweise auf einen Kontakt des Toten zu WikiLeaks, kurz vor dessen Ermordung. Auch Sean Hannity twitterte eifrig dazu. Beweise lieferte der Sender nicht. Aber Trump-Fans hatten ein feines Thema, mit dem sie sich beschäftigen konnten.

Affäre um Memo des Ex-FBI-Direktors Comey

Die nächste mediale Bombe ließ dann die "New York Times" platzen. Unter Berufung auf ein Memo des gefeuerten Ex-FBI-Direktors James Comey berichtete das Blatt, Trump habe vor einigen Wochen versucht, Einfluss auf die laufende Ermittlungen gegen den ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn auszuüben. Trump habe in diesem Zusammenhang zu Comey gesagt: "Ich hoffe, Sie können es auf sich beruhen lassen". Eine direkte Einflussnahme auf eine laufende Ermittlung des FBI wäre ein Vergehen, das sogar in einem Amtsenthebungsverfahren enden könnte.

Beim ersten Blick auf "Breitbart" fällt auf, dass die reine Nachricht dazu das Topthema auf der Seite ist, in der Überschrift wieder das Lieblingswort "Leaked". Direkt daneben befindet sich die Einordnung eines Autoren, warum "die New York Times die 'Comey-Rache-Geschichte' überverkauft". Zwei Narrative finden sich dazu auf "Breitbart": Zum einen der entlassene Comey, der sauer über seinen Rauswurf sei und nun versuche, sich am Präsidenten zu rächen. Zum anderen die angebliche Fehlinterpretation des Satzes "Ich hoffe, Sie können es auf sich beruhen lassen". Dies sei natürlich keine Aufforderung und bei Weitem keine Einmischung. Vielmehr wollte der Präsident nur seine "Hoffnung" in Worte fassen. Das ist schon eine sehr wohlwollende, wenn nicht sogar naive Sichtweise für eine Webseite, die ansonsten nicht um vorschnelle Verurteilung verlegen ist - besonders wenn es um die verhassten "Lefties" und "Liberals" geht.

Ein Screenshot von der Berichterstattung auf Fox News zu Donald Trump

Fox News zu Donald Trump: "The Show Must Go On"

Auch auf Fox News bemüht man sich um die Einordnung, es fehle "der Kontext" zu Trumps Aussagen in Richtung Comey, "wenn sie denn überhaupt so gefallen" seien. "Vielleicht wollte er ja auch nur einen Witz machen", sagt der Moderator in dieser Diskussionsrunde mehrfach. Auch hier wird deutlich, wie ein ansonsten gerne mit überzogenen, teilweise manipulativen Thesen agierendes Medium überraschend viel Gnade walten lässt, wenn es um Donald Trump geht. Beispielhaft dafür auch die Webseite von Fox News mit der alles überragenden Überschrift "The Show Must Go On". Während sich alle noch mit dem neuesten Skandal und dessen Auswirkungen beschäftigen, will der konservative Sender lieber den Fokus "auf Trumps Agenda" richten und sorgt sich, dass diese von den "Kontroversen" überschattet werden könnte.


Und Moderator Hannity? Der feuert bereits wieder aus allen Rohren und wähnt seinen Präsidenten "einer Allianz" ausgesetzt, die ihn stürzen will. Die fünf Gruppen, die Trump "zerstören" wollten, hat er auch bereits ausgemacht: Die Medien, die Demokraten, der "deep state", "schwache Establishment Republikaner" und die "Never Trumpers", also die Republikaner, die ihn von Beginn an ablehnten und diese Haltung nie ablegten. Die Masche ist klar: Gerät Trump mit einem neuen Skandal in die Schlagzeilen, greift man die Medien an, die darüber berichten und fabuliert von Verschwörungen. So macht es der Präsident selbst, so machen es zwei seiner wichtigsten Sprachrohre.

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