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US-Präsident: Pressestimmen zum Geheimnisverrat durch Trump: "Wie ein Prahlhans"

Keiner seiner Fehltritte hat Donald Trump bisher in Schwierigkeiten gebracht. Doch steter Tropfen höhlt den Stein - und Geheimnisverrat ist für einen US-Präsidenten mehr als nur ein Fauxpas. Pressestimmen aus Deutschland über den Prahlhans im Weißen Haus. 

Mit dem Verrat von geheimen Informationen, die offenbar aus Israel stammen, gegenüber dem russischen Außenminister hat Donald Trump möglicherweise eine Linie überschritten. Auch aus den eigenen Reihen wird ihm teils die gelbe Karte gezeigt. Die Kommentatoren sind sich uneins. Die einen rufen schon eine Trump-Dämmerung aus, die anderen wollen daran noch nicht glauben. Stimmen aus der deutschen Presse.

"Wäre die Sache nicht so traurig"

Wäre die Sache nicht so traurig, man könnte darüber lachen: Da sitzt ein Mann im Weißen Haus, dessen hervorstechendste Charaktereigenschaft sein Hang zur Angeberei zu sein scheint. Ein Mann, der sich für den größten US-Präsidenten aller Zeiten hält, der aber das ABC des Regierens nicht mal im Ansatz beherrscht. Ein Mann, der den FBI-Chef feuert wie einen Kandidaten in seiner TV-Show, und der Geheimdienst-Informationen gegenüber dem russischen Außenminister ausplaudert wie ein gewöhnlicher Prahlhans. Aber die Sache ist eben nicht lustig. Trumps Verhalten gibt die Vereinigten Staaten der internationalen Lächerlichkeit preis, und es stellt inzwischen eine Gefahr für die innere Sicherheit der USA dar.
("Hessisch Niedersächsische Allgemeine", Kassel)

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"Trump überblickt Folgen seines Handelns nicht":

Wenn Trump Geheiminformationen aus nahöstlichen Quellen an Russland weitergab, liegt der Verdacht nahe, dass er schlicht nicht wusste, welch sensibles Terrain er damit betrat. Partner der Amerikaner, darauf vertrauend, dass unter Verschluss bleibt, was sie intern an Erkenntnissen liefern, könnten sich fortan überlegen, ob sie das Weiße Haus tatsächlich einweihen. Trump, das ist die Crux, scheint die Folgen seines Handelns in keiner Weise zu überblicken. Die gedankliche Wende von der Welt des Häuserpreispokers hin zur Welt der Politik mit all ihrer komplizierten Vielschichtigkeit hat er offenbar noch nicht vollzogen. Ob sie ihm jemals gelingt, daran zweifeln inzwischen sogar manche seiner Parteifreunde.
("Badische Neueste Nachrichten", Karlsruhe)

"Ein Amateur, der nie Präsident hätte werden dürfen"

Offenbar ist sich dieser überforderte "Staatsmann" keiner Schuld bewusst, weil er die Tragweite des Ganzen gar nicht erkennen kann. Ansonsten würde er kapieren, dass er mit seiner hemdsärmeligen Art sein eigenes Land, seine Verbündeten und das Leben von Geheimdienstmitarbeitern gefährdet. Dieser US-Präsident ist ein eindeutiges Sicherheitsrisiko, er ist ein Amateur, der niemals Staats- und Regierungschef des einflussreichsten Landes der Erde hätte werden dürfen.
("Passauer Neue Presse")


"Supermacht des Zynismus"

Der Mann im Weißen Haus handelt zuweilen wie ein Kind, das anderen gefallen und imponieren will, und agiert aus Launen heraus, ohne die Folgen zu bedenken. (...) Zudem verbraucht der Präsident in schwindelerregender Geschwindigkeit das kostbare Gut der Glaubwürdigkeit, auf das Regierende in Demokratien angewiesen sind. Das trumpsche Amerika wird so zu einer Supermacht des Zynismus.
("Die Welt", Berlin)

"Dieses Weiße Haus ist außer Kontrolle"

Wie in der Affäre um die Entlassung des FBI-Direktors brüskiert Trump wichtige Mitarbeiter; er ignoriert Grenzen des Amtes – er ist ein Egomane, der durch sein Tun, Reden und Twittern Sicherheit und Ansehen Amerikas beschädigt. Dieses Weiße Haus ist außer Kontrolle.
("Frankfurter Allgemeine Zeitung")

"Gegner Trumps brauchen einen langen Atem"

Und so werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass er für seine Entscheidungen auch künftig regelmäßig kritisiert, aber von seinen Anhängern unterstützt wird. Dieser Kreislauf wird erst durchbrochen, wenn er zu weit geht und seine eigene republikanische Partei ihn aus dem Amt jagt. Davon sind wir noch weit entfernt. Aber auch dann würde es nicht besser. Die US-Wähler haben nicht eine Einzelperson an die Macht geführt, sondern sich für Trump und dessen Ziele entschieden. Trump wiederum hat eine Truppe um sich geschart, die auch ohne ihn seine Inhalte weiter verfolgen würde. Diese Leute würden ihre Politik möglicherweise besser verpacken. Die Gegner Trumps und seiner Ziele brauchen also einen langen Atem.
("Frankfurter Rundschau")

"Dramatische Selbstdemontage hat begonnen"

Dass ausgerechnet der Mann, der im Wahlkampf den Schutz Amerikas vor allen möglichen Gefahren propagiert hatte, nun zu einem Sicherheitsrisiko für sein Land wird, ist ein besonderer Treppenwitz der Geschichte. Noch scheinen die Trump-Fans ihrem Idol erstaunlich viel nachzusehen. Doch nicht die angeblich so verlogene Presse oder die bösen Demokraten, sondern Trump höchstpersönlich hat in den vergangenen Tagen mit einer dramatischen Selbstdemontage begonnen.
("Kölner Stadt-Anzeiger")


"Moskau für Schützenhilfe im Wahlkampf belohnt?"

Entweder handelte Trump unbedacht oder er belohnte Moskau für seine Schützenhilfe im Wahlkampf. Beides geht überhaupt nicht und zeigt, wie sehr dieser Präsident eine Gefahr im Amt ist.
("Mittelbayerische Zeitung", Regensburg)

"Zumindest die Russen haben ihren Spaß"

Die Borniertheit, mit der Trump die verbale Inkontinenz anschließend via Twitter verteidigt hat ("Dazu habe ich das absolute Recht"), lässt einem erst recht die Schlapphutschnur hochgehen. Zumindest die Russen haben bei der Sache anscheinend ihren Spaß. Sie bezeichnen die Artikel über die Affäre in der "Washington Post" und "New York Times" flugs als "Fake News" - ein Begriff direkt aus dem Sprachschatz von Plappermaul Trump.
("Abendzeitung", München)

"Kein Land hat so einen Präsidenten verdient"

Eigentlich hat jedes Volk die Regierung, die es verdient. Doch Trump setzt sogar philosophische Aussagen außer Kraft.Kein Land kann so einen Präsidenten verdient haben. Trump ist zu viel zu egal - von politischen Grundsätzen über Gesetze bis hin zu seinem eigenen Unwissen. Seine Reaktionsmuster auf Kritik sind mit infantil noch wohlwollend umschrieben: Entweder ist alles Fake-News. Oder: Ich bin Präsident, ich darf das. Doch nun könnte der Milliardär tatsächlich in die Geschichte eingehen - als zweiter Präsident nach Nixon, der zurücktreten muss.
("Landeszeitung", Lüneburg)