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Aktienmärkte: Börsen reagieren geringfügig auf Bushs Ultimatum

Börsianer vermuten einen baldigen und kurzen Irak-Krieg. Bushs Rede bewirkte zunächst ein Sinken der Ölpreise, der DAX soll steigen.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) wird am Dienstag nach dem Ultimatum von US-Präsident George W. Bush an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein höher erwartet. Die Unsicherheit darüber, ob und wann es zu einem Krieg komme, lasse nun langsam nach, sagten Händler zur Begründung.

In der Nacht zum Dienstag hatte US-Präsident George W. Bush in einer Rede dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein ein Ultimatum von 48 Stunden gesetzt, um ins Exil zu gehen und so einen Krieg abzuwenden. Bereits am Montag hatte der deutsche Leitindex im Vorfeld der Bush-Rede und einem damit wahrscheinlicher werdenden Irak-Krieg um 3,5 Prozent höher bei 2487 Punkten geschlossen. In den USA hatte der Standardwerteindex Dow Jones vor der Rede des US-Präsidenten mit einem Plus von 3,6 Prozent geschlossen, der technologielastige Nasdaq-Index war 3,9 Prozent gestiegen.

Börsen-Prognose gestaltet sich derzeit schwierig

Banken und Handelshäuser berechneten für den Dax gegen 7.10 Uhr ein Plus von 0,8 bis rund ein Prozent. Die Tokioter Börse hatte am Dienstag nach dem Ultimatum deutlich unter ihrem Tageshoch von rund zwei Prozent geschlossen. Seit Monaten hält die Unsicherheit in Bezug auf die Irak-Krise Anleger von langfristigen Investments an den Aktienmärkten ab.

Allerdings tun sich die Analysten schwer, das Börsengeschehen für die nächsten Tage zu prognostizieren. Zum einen sei die Unsicherheit zwar etwas gemindert, zum anderen bereiten vor allem die konjunkturellen Folgen eines Krieges den Aktienexperten immer noch Sorgen. So sagte James Volk von D.A. Davidson & Co. in Portland im US-Bundesstaat Oregon: "Wir werden definitiv gegen Irak in den Krieg ziehen, aber die Frage ist: Was für ein Schaden wird angerichtet. Das ist die große Unbekannte."

Japans Aktienmarkt soll auch im Falle eines Irak-Kriegs geöffnet bleiben

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag nach der Vortagesrally an der Wall Street fest geschlossen. Nach dem Bush-Ultimatum seien die Märkte und Anleger erleichtert, dass die Zeit der Unsicherheit vorbei ist. Unter Börsianern ging man davon aus, dass der Irak-Krieg in wenigen Tagen beginnen und rasch beendet sein wird. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte konnte sich jedoch nicht bis zum Schluss über der zwischenzeitlich überwundenen Marke von 8000 Punkten halten. Zum Handelsende notierte er einen Gewinn von 82,82 Punkten oder 1,05 Prozent bei 7954,46 Punkten. Der breit gefasste TOPIX stieg um 6,35 Punkte oder 0,81 Prozent und beendete den Handel bei 783,56 Punkten.

Japan wird seine Aktienmärkte nach Auskunft von Wirtschaftsminister Heizo Takenaka auch nach Beginn des Krieges geöffnet lassen. Allerdings könnte es sein, dass die Regierung striktere Beschränkungen bei Preisschwankungen verfügen wird. Am Devisenmarkt notierte der Dollar um 15.00 Uhr Ortszeit fester mit 118,65-68 Yen nach 117,80-83 Yen am Vortag zur gleichen Zeit. Der Euro notierte mit 1,0638-41 Dollar nach 1,0825-28 Dollar am Vortag.

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi wies am Dienstag seine Kabinettsmitglieder an, ganz genau die Entwicklung der Devisenmärkte, Aktienbörsen und der Ölpreise zu beobachten, um Störungen in Folge des drohenden Krieges gegen Irak zu vermeiden. Japan erwägt hierzu auch die Bereitstellung seiner Ölreserven, wie Industrieminister Takeo Hiranuma am Dienstag nach Angaben der Agentur Jiji Press sagte. Japan werde falls nötig Schritte wie die Öffnung seiner Ölreserven erwägen. Dabei werde man mit der Internationalen Energiebehörde kooperieren. Die Regierung will auch eng mit der Zentralbank zusammenarbeiten, um Störungen der Märkte zu vermeiden.

Ölpreis fällt nach Bush-Rede

Nach dem Bush-Ultimatum an Saddam Hussein ist der Ölpreis am Dienstag gefallen. Händler begründeten dies vor allem mit der Erwartung eines schnellen Sieges der alliierten Streitkräfte, wodurch eine längere Unterbrechung der Ölversorgung unwahrscheinlicher würde.

Die Terminkontrakte auf die führende Nordseesorte Brent fiel in Singapur um 83 Cent auf 28,65 Dollar je Barrel (159 Liter), dem niedrigsten Niveau seit Anfang Januar. Auch der Terminkontrakt auf US-Leichtöl gab auf ein Sechs-Wochen-Tief von 33,57 Dollar nach. Noch im Februar hatte sich der Preis der psychologisch wichtigen Marke von 40 Dollar genähert. Bush hatte Saddam und seinen Söhnen 48 Stunden Zeit gegeben, ihr Land zu verlassen und so einen Krieg zu verhindern.

"Bush hat bestätigt, dass die USA in 48 Stunden eine Invasion starten und das bedeutet für die Märkte ein baldiges Ende der Unsicherheit. Kein Markt mag Unsicherheit", sagte ein Händler. Bush nannte in seiner 13-minütigen Ansprache allerdings keinen Angriffszeitpunkt, sondern sagte, die USA würden einen Militärschlag zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl beginnen. Angaben des Präsidialamtes zufolge startete das Ultimatum mit Beginn der Rede. Damit läuft es am Donnerstagmorgen um 02.15 Uhr (MEZ) ab.

Keine nennenswerte Unterbrechung der Ölversorgung erwartet

Die Ölpreise sind seit Anfang Dezember um 60 Prozent gestiegen, da viele Marktteilnehmer im Falle eines Krieges eine Unterbrechung der Öllieferungen aus dem Nahen Osten befürchten, von wo 40 Prozent der Ölexporte weltweit stammen. Die Erwartung eines raschen Sieges der USA und ihrer Verbündeten, die insgesamt rund 300.000 Soldaten in der Region zusammengezogen haben, habe diese Spekulationen nun verringert, sagten Händler. Viele Investoren hätten nun umgekehrt Angst, dass der Ölpreis schnell wieder fallen könnte, falls der Krieg von den Alliierten ohne nennenswerte Unterbrechung der Ölversorgung gewonnen würde. Mit dem Auftakt des Golfkrieges von 1991 war der Ölpreis von mehr als 30 Dollar auf fast 20 Dollar eingebrochen. Dabei sei die Annahme ausschlaggebend gewesen, dass die saudiarabischen Ölfelder unversehrt blieben, erklärten Händler. Saudi-Arabien, das eine gemeinsame Grenze mit Irak hat, ist der größte Ölexporteur der Welt.

Bush appellierte in seiner Rede an die Iraker, ihre Ölfelder nicht zu zerstören. Sollte dies dennoch passieren, erwarten Ölhändler wieder deutlich steigende Ölpreise. Die in der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) zusammengeschlossenen Länder haben angekündigt, im Falle eines Versorgungsengpasses Ausfälle auszugleichen. Die USA selbst wollen im Notfall ihre strategischen Ölreserven anzapfen.