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Bank of Japan: Euro und Ölpreis profitieren von niedrigen Zinsen

Die japanische Notenbank will mehr Geld in die Hand nehmen, um die Wirtschaft des Landes zu unterstützen. Aufgrund der Unruhen in China zeigen sich Anleger dennoch besorgt.

Angesichts der angespannten Wirtschaftslage lockerte die japanische Notenbank, Bank of Japan (BOJ), ihre Geldpolitik weiter. Mit der Ausweitung des Programms zum Ankauf von Staatsanleihen um 10 Billionen Yen (rund 97 Milliarden Euro) auf 80 Billionen Yen pumpt die Bank of Japan mehr Geld in den Markt als erwartet. Sowohl die nachlassende weltweite Nachfrage als auch die zunehmenden Spannungen mit China belasten derzeit eine schnelle Erholung der exportabhängigen japanischen Wirtschaft.

Die neuen Konjunkturhilfen beflügelten anschließend die asiatischen Aktienmärkte. Die BOJ folgte mit ihrer Ankündigung ähnlichen Schritten der US-Notenbank (Fed) sowie der Europäischen Zentralbank (EZB). Anleger zeigten sich daraufhin deutlich risikofreudiger und griffen in Tokio vor allem bei Banken und Exportwerten zu. Die positive Stimmung schwappte auch auf andere Börsen über. "Die BOJ musste nach der Fed und der EZB handeln und die Marktreaktionen spiegeln das wider", sagte Hiroshi Maeba von der UBS in Tokio.

In Tokio legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index nach der Entscheidung deutlich zu und schloss 1,2 Prozent höher bei 9232 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg 0,85 Prozent auf 764 Zähler. Auch in Hongkong, Taiwan, Singapur und Australien zogen die Kurse an. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag rund 0,7 Prozent im Plus.

Proteste in China sorgen für Zurückhaltung

Zeitgleich entschied die japanische Notenbank ihren Leitzins in der Nähe von null Prozent zu belassen. Was dazu führte, dass der Yen an Wert verlor. Der im längeren Vergleich starke Yen sank zum Dollar auf ein Monatstief, auch zum Euro gab er nach. Durch die Lockerung der japanischen Geldpolitik verteuerten sich auch Rohstoffpreise, wie z.B. beim Öl. Am Mittwochmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 112,47 US-Dollar. Das waren 44 Cent mehr als am Dienstag.

Mit Sorge sahen die Anleger allerdings weiter auf China, wo der Streit mit Japan um eine Inselgruppe im Chinesischen Meer zu gewaltsamen Protesten geführt hat. Allerdings kauften viele Anleger Papiere von Unternehmen mit Verbindungen nach China verstärkt zurück, nachdem die Aktien zuvor deutlich nachgegeben hatten. "Weil sich die Lage weder verschlechtert noch verbessert hat, decken sich viele Anleger nach dem massiven Ausverkauf der vergangenen Tage wieder ein", sagte ein Händler. Mehrere japanische Unternehmen haben ihre Produktion in chinesischen Fertigungsstätten zeitweise eingestellt.

Zu den Gewinnern in Tokio zählten die Papiere von Mazda, Honda und Nissan, die zwischen 2,7 und fünf Prozent zulegten. Verhalten wurde dagegen die Fluggesellschaft Japan Airlines bei ihrer Rückkehr an die Börse aufgenommen. JAL-Aktien schlossen mit 3830 Yen nur leicht über dem Ausgabekurs von 3790 Yen. Mit umgerechnet 6,5 Milliarden Euro war der Börsengang des vom Staat geretteten Konzerns weltweit der zweitgrößte des Jahres nach dem von Facebook.

ono/Reuters/DPA / DPA / Reuters