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Börsengang: Furioser Auftakt der Google-Aktie

Einen sensationellen Börsenstart verzeichnete Google am ersten Handelstag. Die Börse bewertet das Internet-Unternehmen ebenso hoch wie den Automobilkonzern General Motors

Nachdem auch kurz nach Handelsstart die Papiere des Suchmaschinenbetreibers immer noch nicht erhältlich waren, sind die Google-Aktien mit kräftigen Kursaufschlägen gestartet. Die Aktien gehörten am ersten Handelstag zu den zehn meist gehandelten Wertpapieren der Nasdaq. Der Kurs der Papiere kletterte bis zum Ende des ersten Handelstages in einem schwächeren Marktumfeld vom Ausgabepreis von 85 Dollar auf 100,34 Dollar - ein Plus von gut 18 Prozent.

Google-Aktien heiß begehrt

"Es gab eine beträchtliche Zahl von institutionellen Anlegern, die nicht an der Auktion teilgenommen haben und die heute gekauft haben," begründete Analyst Martin Pyykkonen von Janco Partners die kräftigen Kursgewinne. Mark Bell von Spyglass Trading LP fügte hinzu: "Es gab einige Investoren, die bereit waren, 135 Dollar je Google-Aktie zu bezahlen".

Kurz zuvor hatte es Verwirrung um den Handelsstart gegeben. Nach Nasdaq-Angaben gab es zwei Transaktionen mit Google-Aktien, die nicht hätten laufen dürfen. Dies hatte bereits vor dem offiziellen Marktdebüt zu einem Kurs von 135,91 Dollar geführt. Die Nasdaq hatte dafür allerdings noch kein grünes Licht gegeben.

Nach mehrfachen Verzögerungen hatte die US-Börsenaufsicht SEC in der Nacht zum Donnerstag schließlich grünes Licht für den Börsengang gegeben. Der Preis der Aktie soll bei 85 Dollar liegen. Er liegt damit am unteren Ende der von Google anvisierten, bereits gesenkten Preisspanne von 85 bis 95 Dollar. Mit einem Erlös von 1,67 Milliarden Dollar handelt es sich um den viertgrößten US-Börsengang in diesem Jahr. Es wird damit gerechnet, dass die Aktien bereits am Donnerstag gehandelt werden.

Pannenserie begleitete den Börsengang

Dem Börsengang war eine Serie von Pannen vorausgegangen. Erst am Mittwoch hatte Google offenbar angesichts einer überraschend niedrigen Nachfrage die Preisspanne für seine Aktien deutlich auf 85 bis 95 Dollar gesenkt, nachdem zuvor noch 108 bis 135 Dollar anvisiert worden waren. Zudem wurde die Zahl der auszugebenden Aktien von 25,7 Millionen auf 19,6 Millionen reduziert. Ursprünglich hatte das im kalifornischen Mountain View ansässige Unternehmen einen Erlös von 3,5 Milliarden Dollar angepeilt.

Mit dem niedrigeren Ausgabepreis und IPO-Volumen hat Google offenbar dem schwachen Technologie-Marktumfeld Rechnung getragen. Rund 60 Prozent aller Börsen-Neulinge dieses Monats mussten sich nach Daten von Thomson Financial mit einem niedrigeren Preis zufrieden geben als zunächst angestrebt.

"Playboy"-Interview sorgte für Aufregung

Der Börsengang wurde jedoch auch von anderen Faktoren belastet: In der vergangenen Woche hatte ein Interview der beiden Firmengründer Larry Page und Sergey Brin mit dem "Playboy" für Aufregung gesorgt. Es war vermutet worden, dass der Konzern mit dem Interview gegen die vorgeschriebene Schweigepflicht im Vorfeld eines Börsengangs verstoßen haben könnte. Google hatte außerdem vor einigen Wochen bekannt gegeben, dass es möglicherweise mehr als 23 Millionen Aktien und 5,6 Millionen Aktienoptionen illegal ausgegeben habe.

Zunächst war bereits für Dienstagabend mit der Absegnung durch die SEC gerechnet worden. Die Aufsichtsbehörde hatte Google zufolge aber zusätzliche Informationen zur Veröffentlichung eines "Playboy"-Interviews haben wollen. Wegen des niedrigeren Ausgabepreises haben die bisherigen Google-Aktionäre die Zahl der von ihnen angebotenen Anteilscheine um mehr als 50 Prozent auf 5,5 Millionen reduziert. Dazu zählen auch die beiden Google-Gründer sowie Konzernchef Eric Schmidt. Google selbst will aber unverändert 14,1 Millionen Aktien verkaufen.

Google gab die Börsenpläne erstmal im April bekannt. Ende vergangener Woche hat das Unternehmen mit der Annahme von Geboten für seine Aktien begonnen. Dabei mussten die Bieter die gewünschte Menge und den Preis nennen, den sie zu zahlen bereit sind. Aus dem Auktionsverfahren wurde dann der endgültige Ausgabepreis für die Papiere ermittelt. Der Börsengang wird von den Investmentbanken Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley begleitet.

Google-Optionen voraussichtlich ab Ende August angeboten

In Kürze sollen auch Optionen auf Google-Aktien gehandelt werden, wie am Donnerstag die zwei größten US-Derivatebörsen Chicago Board Options Exchange (CBOE) und die rivalisierende International Securities Exchange (ISE) getrennt mitteilten. Analysten gehen davon aus, dass Optionen auf Google-Aktien bis Ende nächster Woche gehandelt werden. Die CBOE kündigte bereits an, Google-Optionen ab dem 27. August anzubieten, sofern die Voraussetzungen für die Notierung zufrieden stellend seien.

Reuters / DPA / Reuters