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Ein Jahr Euro: Teuro oder Freuro?

Bundesregierung, Wirtschaftsexperten und Verbraucherschützer haben eine überwiegend positive Bilanz des ersten Euro-Jahres gezogen. Finanzminister Eichel sieht Preise so niedrig wie lange nicht mehr.

Bundesregierung, Wirtschaftsexperten und Verbraucherschützer haben eine überwiegend positive Bilanz des ersten Euro-Jahres gezogen. Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte der „Bild“-Zeitung: „Trotz der Teuro-Debatte ist der Euro ein Erfolg“. Der Katzenjammer sei nicht berechtigt gewesen, auch wenn einige wenige Preistreiber auszumachen gewesen seien. „Inzwischen sind die Preise so niedrig wie lange nicht mehr“, sagte der SPD-Politiker.

"Manches teuerer geworden"


Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer widersprach: „Obwohl Statistiker stets das Gegenteil versichern, ist mit dem Euro doch manches teurer geworden.“ Angenehm finde er aber, dass er bei seinen Reisen in Europa mühelos die Preise vergleichen könne. Schwierig sei für ihn nach wie vor, die Cent-Münzen auseinander zu halten.

Vorteile bei Auslandsreisen


Die Verbraucher Initiative in Berlin verwies ebenfalls auf die Vorteile des Euros bei Auslandsreisen. Ein Problem bleibe aber auch im kommenden Jahr der Unterschied zwischen der persönlich empfundenen Teuerung und den tatsächlichen Preissteigerungen. Dies sei ein Grund für die derzeitige Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Allerdings sei hier eine differenzierte Betrachtung einzelner Branchen und einzelner Unternehmen angebracht. Nicht jede Preisanhebung habe etwas mit dem Euro zu tun, sagte der Bundesgeschäftsführer der Initiative, Georg Abel.

Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt lobte in der „Bild“-Zeitung vor allem das Verbindende der Gemeinschaftswährung. „Touristen in Europa haben einen riesigen Vorteil durch den Euro. Sie müssen ihre Geld nicht mehr wechseln, also auch keine Gebühren mehr zahlen“, sagte der Ökonom.

Motor für europäische Integration


Eine positive Bilanz zog auch der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz. Persönlich habe er sich sehr gut an die neue Währung gewöhnt. Er sei davon überzeugt, dass er langfristig der Motor für eine weiterführende, europäische Integration sei - „trotz allen berechtigten Ärgers über den Teuro“, sagte Fahrholz.

Italien will doppelte Preisauszeichnung wieder einführen


Die italienische Regierung will unterdessen ein Jahr nach der Einführung des Euro-Bargelds die doppelte Preisauszeichnung auch in der alten Lira-Währung wieder verpflichtend machen. Entsprechende Pläne habe Ministerpräsident Silvio Berlusconi bestätigt, berichteten italienische Medien am Dienstag. Diese Maßnahme müsse aber zuvor noch von der Europäischen Union gebilligt werden, hieß es.

Wie in Deutschland wird auch in Italien der Euro für hohe Preissteigerungen verantwortlich gemacht. Die jährliche Inflation lag nach offiziellen Angaben des italienischen Statistikamtes zuletzt bei 2,9 Prozent. Die Zusammensetzung des Warenkorbs zur Ermittlung der Teuerungsrate ist jedoch umstritten. Die tatsächliche Inflation liege in Wirklichkeit deutlich über drei Prozent, haben Verbraucherorganisationen erklärt.