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Forst: Anleger auf dem Holzweg

Lohnt es eigentlich, in Wald zu investieren? In heimischen und fremden Gefilden wachsen die solide Geldanlagen in den Himmel.

Es ist die sicherste Geldanlage überhaupt. Seit 800 Jahren wirft der Wald dem Fürsten zu Fürstenberg stattliche Erträge ab. 190 Quadratkilometer im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb gehören dem in Donaueschingen ansässigen Fürstenhaus. »Kein Krieg, kein Börsencrash, keine Inflation kann ihm was anhaben«, sagt Jens Borchers, Verwaltungschef des zweitgrößten deutschen Privatwaldes. Fürchten muss der Wald allenfalls den Borkenkäfer - oder einen Sturm.

Borchers, 35,

startet an diesem Morgen in den Wald, Dackel Floh knurrt unter dem Beifahrersitz. Nach zehn Minuten erreichen sie den Schellenberg, wo Orkan Lothar vor zwei Jahren Bäume wie Streichhölzer umknickte. »Das war für Waldbesitzer so was wie der Schwarze Freitag an der Börse.« Der Preis für einen Kubikmeter Fichte purzelte von 153 auf unter 90 Mark. Eine riesige Kapitalvernichtung. Der Erlös aus dem Holzverkauf reichte gerade mal, um die Waldarbeiter zu bezahlen. Heute stehen auf dem Schellenberg 100.000 frisch gepflanzte Laubbäumchen, kaum höher als Borchers, Stückpreis drei Mark. »Das werden mal 30 Meter hohe Bäume mit so einem Stamm«, sagt der Förster und breitet die Arme kreisrund vor seiner Brust aus, »aber eben erst in 100 Jahren.« Keine andere Fabrik hat so lange Produktionszeiten wie der Wald.

Der promovierte Forst- und Volkswirt

führt den Wald wie eine Firma und verschlankt die Produktion, wo es geht. Bis Ende 2003 soll die Zahl der Mitarbeiter von 56 auf 37 schrumpfen. »Wir bewirtschaften hier das Portfolio des Fürsten.« Aus der Fürstlich Fürstenbergischen Forstverwaltung sind mittlerweile drei eigenständige Betriebe entstanden: der eigentliche Forstbetrieb, der den Wald managt, dazu die 1999 gegründete Lignis GmbH, deren Job es ist, Holz mit Großmaschinen zu fällen und in die Sägewerke zu transportieren, und die Holzhof Hüfingen KG, die Stämme auf Maß sägt und weiterverkauft.

Adelshäuser wie die Fürstenbergs setzen aus Tradition auf Waldbesitz. Sie wollen damit keine schnelle Mark verdienen, sondern ihren Besitz über Jahrhunderte sichern. »Wenn Sie heute Daimler-Chrysler-Aktien kaufen, wissen Sie nicht, ob die Firma in 100 Jahren noch existiert«, sagt Borchers? Vorgänger Michael Funk. Wald werde es aber immer geben. »Wald ist wie eine Sparkasse: Wenn ich Geld brauche, lass ich Holz schlagen und verkauf es.« Funk ist einer der wenigen Forstdirektoren, die die Seiten gewechselt haben. Er arbeitet heute in der Holzindust-rie als Geschäftsführer des Sägewerks Rettenmeier im bayerischen Wilburgstetten. Rettenmeier stattet alle OBI-Heimwerkermärkte mit Holzprodukten aus. Einige Holzplatten landen sogar in einem OBI-Markt in China. Im Vergleich zum Neuen Markt könne man im Wald ordentliche Gewinne machen, sagt Funk augenzwinkernd. »Aber mehr als ein bis zwei Prozent Rendite pro Jahr können Sie kaum erwirtschaften.«

Seit 1958 ist der Holzpreis annähernd stabil geblieben - während alles andere teurer wurde. Konnte man damals aus dem Verkauf von einem Kubikmeter Fichtenholz noch 20 Waldarbeiterstunden bezahlen, sind es heute gerade noch zwei, wie Christian Raupach vom Hessischen Waldbesitzerverband vorrechnet. Wozu also noch Wald kaufen? Der Stuttgarter Namensvetter Gerhard Raupach hat sich diese Frage auch gestellt, bevor er im vergangenen Jahr zugeschlagen und einer Pleite gegangenen Adelsfamilie in Hessen 1.000 Hektar Wald abgekauft hat. Preis: ein zweistelliger Millionenbetrag - genauer will es Raupach nicht sagen. Raupach ist ein gediegener Herr, gelernter Banker, Grundbesitzer, 58 Jahre alt, und so vermögend, dass er »die Mark nicht umdrehen muss«.

Warum also Wald kaufen?

Die naheliegende Antwort ist, dass Raupach schon Wald hatte, aber nur 200 Hektar, und das lohnt sich nicht recht, wenn man die Fläche selbst bewirtschaften will. Raupach hat aber auch ein emotionales Verhältnis zum Wald: »Wenn man einen Wald hat, der gut steht, ist man schon stolz.« Raupach erwartet aber auch, dass der Holzpreis langfristig steigt, weil die Bestände weltweit abgenommen hätten, man denke da nur mal an Russland. »Jeder, der Wald hat, macht das letztlich nicht für sich, sondern für die nächste Generation.« In Deutschland gibt es nur 200 Personen wie Raupach, die mehr als zehn Quadratkilometer Wald besitzen, meist Adelsfamilien.

34 Prozent

des deutschen Waldes gehören immer noch Bund und Ländern, 20 Prozent den Kommunen. Dazu kommen nach Berechnungen der Waldbesitzer-Verbände 1,3 Millionen Bundesbürger, die meist nur wenige Hektar besitzen und sich zu Forstgemeinschaften zusammenschließen. Ihre Motive hat kürzlich Andrea Teutenberg erforscht. Der aktive deutsche Waldbesitzer, fand sie heraus, ist im Durchschnitt 53 Jahre alt, Landwirt und arbeitet jedes Jahr 37 Tage im Wald. Die Besitzer sehen Wald zwar als Geldanlage, »die eigentlichen Gründe liegen aber in der Freude und dem Interesse am Wald und der Natur«. Nur die Hälfte der Waldbesitzer geht davon aus, dass im Lauf der Jahre »Geld aus dem Wald übrig bleibt«.

Wer hierzulande

Wald besitzt, gibt ihn nicht mehr her - es sei denn, er braucht Geld. Johann Evers, der als größter Waldmakler in Deutschland gilt, hat zusammengerechnet gerade mal 45 Quadratkilometer im Angebot - aber 250 Leute in der Kartei, die Wald kaufen wollen.

Völlig anders ist die Situation in den USA, wo Wald häufig den Besitzer wechselt und immer mehr große Firmen in Wald investieren. Der Schweizer Bankriese UBS hat für Investoren 4.500 Quadratkilometer Wald im Wert von mehr als drei Milliarden Mark angelegt - zu den Kunden gehören die Pensionskasse des Staates New Hampshire, die Universität von Rochester oder die Filmfirma Eastman Kodak. Rainer Kensy, 40, UBS-Direktor für alternative Vermögensanlagen, sagt, dass 90 Prozent des ihm anvertrauten Geldes direkt zum Kauf von Wald verwandt worden sei, den Rest habe man in Firmen investiert, die Wald besitzen. Kensy betont aber auch, dass die UBS keinem ihrer Kunden geraten habe, in deutschen oder europäischen Wald zu investieren. Der Grund: Die Bäume wachsen in Europa zu langsam, außerdem sind die Grundstückspreise für Wald viel teurer als in USA, Kanada, Australien oder Südamerika - jenen Gegenden, in denen die Schweizer Waldanlagen für Investoren eröffnen.

Eine Fichte muss

in Deutschland etwa 100 Jahre wachsen, bis sie mit gutem Ertrag gefällt werden kann. Eine Douglasie in den USA braucht gerade mal 30 Jahre. Die UBS-Investoren schätzen am Wald vor allem seine guten und stabilen Erträge. Außerdem, so Kensy, kann man genau berechnen, wie hoch die Produktivität ist, wie viel Holz wann wächst, während bei Firmen, deren Aktien man hält, das Management und die Marktentwicklung als Risikofaktoren gelten. Investmentbanker Kensy: »Wald ist eine äußerst interessante Depotmischung.« Sogar die Rendite sei hervorragend: Betrachtet man zum Vergleich den US-Aktienindex S&P 500 in den vergangenen zehn Jahren, haben die Papiere durchschnittlich jedes Jahr 14 Prozent an Wert gewonnen. Der UBS-Wald hatte im gleichen Zeitraum eine Rendite von 12,4 Prozent, während festverzinsliche Papiere bei acht Prozent und Immobilien bei sechs Prozent lagen. »Ohne große Schwankungen geht?s beim Wald beständig nach oben«, sagt Kensy, ein ideales Produkt also für konservative Investoren, die langfristig planen.

Die UBS will

im kommenden Jahr auch europäischen Privatkunden die Möglichkeit eröffnen, in Übersee-Wald zu investieren. »Vor allem unsere Tochter in Deutschland registriert schon jetzt eine starke Nachfrage. Die Deutschen lieben eben den Wald.« Allerdings muss man für diese Liebe ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Kensy geht davon aus, dass das Mindestinvestment für den Wald, den die UBS anbietet, »eher bei 100.000 als bei 10.000 Euro liegen wird.«

Markus Grill